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Bad Kreuznach

21 Wohnungen "brandgefährlich": Stadt Kreuznach droht mit Zwangsräumung [Update]

Die Verwaltung macht Ernst: 21 Wohnungen droht die Zwangsräumung. Das geht aus einem Schreiben hervor, das am 10. Januar bei den betroffenen Bürgern eintraf. Ein statisches Gutachten könnte auch der OB Ruhe verschaffen.

Die auch „Papageienhäuser“ genannten Wohnblocks in der Dürer Straße sind bei Bränden nicht entsprechend gesichert. Die Stadtverwaltung sprach deswegen für manche Wohnungen Nutzungsverbote aus.  Foto: Marian Ristow
Die auch „Papageienhäuser“ genannten Wohnblocks in der Dürer Straße sind bei Bränden nicht entsprechend gesichert. Die Stadtverwaltung sprach deswegen für manche Wohnungen Nutzungsverbote aus.
Foto: Marian Ristow

Die Stadtverwaltung untersagt den Bewohnern der Häuser mit der Anschrift Dürer Straße 22 bis 28, im Volksmund auch „Papageienhäuser" genannt, in dem Schreiben mit Postzustellungsurkunde die Nutzung ihrer Wohnung, weil Brandschutzvorschriften nicht eingehalten werden.

Eine Pressemeldung mit Zündstoff – wir recherchieren.
Eine Pressemeldung mit Zündstoff – wir recherchieren.

Im Fall der Häuserzeile im Süden der Stadt geht es um den sogenannten zweiten Rettungsweg, die betroffenen Wohnungen wären im Falle eines Brandes nicht von der Leiter der Feuerwehr erreichbar. Die hinter den Häuser liegenden Tiefgaragen sind nicht tragfähig genug. Im Brandfall würde das Garagendach ein Feuerwehrauto, das zur Rettung von Menschen über die Balkone an die Häuser heranfahren würde, nicht aushalten. Das wurde bereits prüfstatisch nachgewiesen.

Um Punkt 9 Uhr soll geräumt werden

Die Verwaltung beruft sich dabei auf die Landesbauordnung. Bereits im November sei den Bewohnern mitgeteilt worden, dass ihre Wohnungen unbewohnbar seien, schreibt die Stadtverwaltung. Da keine Rechtmittel eingelegt wurden, veranlasse man nun die Räumung und Versiegelung der Wohnungen. Als Frist wird der kommende Montag, der 15. Januar, Punkt 9 Uhr genannt.

Für viele der Bewohner kommt das überraschend. Bewohnerin Soraya Droudian kritisiert den Informationsfluss. „Das kam aus heiterem Himmel. Ich wusste von nichts und so es ging es vielen anderen auch.“ Von Seiten der Stadt- und Hausverwaltung, auch von ihrem Vermieter habe sie keine klaren Auskünfte bekommen. „Ich packe jetzt über das Wochenende meine Sachen und suche mir etwas anderes“, sagt sie und klingt dabei verzweifelt und kämpferisch zugleich.

[Update, Fr 16:15 Uhr] Auch Carsten Köller, Hausmeister und Wohnungseigentümer, bemängelt Art und Weise der Informationsweitergabe. Seiner Einschätzung nach nütze es auch nichts, frühzeitig davon zu wissen. Er sagt: „Ich ziehe doch jetzt nicht irgendwo ein und zahle dort Miete, wenn ich eine eigene Wohnung habe.“ Die Kommunikation habe „total“ gefehlt.

Dem widerspricht die Stadtverwaltung in ihren Schreiben. Bereits direkt nach der Erörterung der Situation habe man den Bewohnern eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Damals waren die unzureichenden Fluchtwege im Rahmen einer Überprüfung eines geplanten Baus eines Müllhäuschens auf dem Grundstück aufgefallen.

Nach spektakulärem Hochhausbrand in London schrillten Alarmglocken

Nach dem Brand des Grenfell Towers in London reagieren die Baubehörden in ganz Deutschland beim Thema Brandschutz äußerst sensibel. Beim Bau der „Papageienhäuser“ vor rund 40 Jahren wurden bestimmte Aspekte, heute gängiger Brandschutzstandard, schlichtweg nicht abgeprüft, weil des die damaligen Bestimmungen nicht forderten. Gefahr sei hier also im Verzug und Menschenleben bedroht, so die die Sicht der Stadtverwaltung.

Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer macht in drastischen Worten klar: „Ich will nicht einen einzigen Toten, nicht eine einzige Rauchvergiftung, wenn dort etwas passiert.“ In Absprache mit den Wohnungseigentümern sei auf dem Dach der einen Tiefgarage ein Hubsteiger abgestellt worden. Dieser sollte im Brandfall einen schnellen Abtransport der Bewohner ermöglichen. Dieser wurde entfernt, stolze 200 Euro kostete er pro Tag. Danach wurden provisorischen Gerüsttreppentürme installiert.

Eine Lösung, die Zukunft haben könnte. Allerdings nur, wenn ein statisches Gutachten über die Tragfähigkeit der Tiefgarage erbracht wird. Das war eine Forderung der Stadtverwaltung. „Dieses Gutachten fehlt immer noch“, sagt die OB.

Ob es am Montag tatsächlich zu einer Räumung kommen wird, bleibt dennoch offen.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

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