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Miehlen/Singhofen

Nach Frontalzusammenstoß mit einem 98-Jährigen: 80-Jähriger lobt Hilfsbereitschaft

Cordula Sailer

Gut eine Woche ist es her, dass Kurt Österle aus Singhofen in einen schweren Unfall zwischen Hunzel und Miehlen (Rhein-Lahn-Kreis) verwickelt war. Er ist frontal mit einem Auto zusammengestoßen, gefahren von einem 98 (!) Jährigen.

Nach dem schweren Zusammenstoß mit einem anderen Auto kurz vor Miehlen ist Kurt Österles Subaru Schrott. Doch er sitzt schon wieder am Steuer seines Zweitwagens. Nun richtete er das Wort an die Helfer am Unfallort. Foto: Carlo Rosenkranz
Nach dem schweren Zusammenstoß mit einem anderen Auto kurz vor Miehlen ist Kurt Österles Subaru Schrott. Doch er sitzt schon wieder am Steuer seines Zweitwagens. Nun richtete er das Wort an die Helfer am Unfallort.
Foto: Carlo Rosenkranz

Inzwischen sitzt der 80-jährige Kurt Österle wieder hinterm Steuer. „Ich fahre wieder, aber ich fahre noch vorsichtiger als vorher“, sagt Österle im Gespräch mit unserer Zeitung. Das gilt insbesondere auch für die engen, unübersichtlichen Kurven, die es im Taunus gibt. Denn genau eine solche Kurve ist ihm und dem Unfallverursacher am 6. Juni zum Verhängnis geworden. Österle hat sich von sich aus bei der RLZ gemeldet. Er hat ein besonderes Anliegen, auf das er seine Mitmenschen hinweisen möchte. Der 80-Jährige kann sich noch genau daran erinnern, wie er von Hunzel kommend den Berg Richtung Miehlen herunterfährt. In die S-Kurve kurz vor Miehlen fährt er langsam ein. Plötzlich kommt ihm auf seiner Spur an anderes Fahrzeug entgegen. Ausweichen kann er dem Opel des 98-jährigen Fahrers nicht mehr. „Keine Chance“, sagt Österle. In der schmalen Kurve war das andere Auto nicht früher zu sehen. Es kommt zum Zusammenstoß.

„Der Aufschlag war wirklich heftig“, sagt Österle. Beide Männer sind angeschnallt, und die Airbags ihrer Fahrzeuge lösen aus. „Zuerst hatte ich Atemnot durch den Schlag auf die Brust“, erklärt Österle. Schwer verletzt ist er glücklicherweise nicht. Auch der 98-jährige Unfallverursacher kommt mit leichten Verletzungen davon.

In der vergangenen Woche ist ein 98-Jähriger mit seinem Opel Astra in der scharfen Kurve am Miehlener Ortsausgang auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal gegen Kurt Österles Auto gekracht.  Foto: Polizei
In der vergangenen Woche ist ein 98-Jähriger mit seinem Opel Astra in der scharfen Kurve am Miehlener Ortsausgang auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal gegen Kurt Österles Auto gekracht.
Foto: Polizei

Als jemand vorbeifährt, winkt Österle mit der linken Hand aus dem Fenster seines Autos, um auf sich aufmerksam zu machen. Die ersten Helfer halten an. Ein ausländisches Ehepaar hilft ihm beim Aussteigen aus seinem demolierten Subaru. Weitere Leute kommen dazu. Gemeinsam legen sie Österle auf eine Decke. Schon nach wenigen Minuten kommt der erste Krankenwagen, später ein zweiter, erzählt der 80-Jährige. Die Polizei trifft ein. Und auch die Feuerwehr ist vor Ort. „Passanten haben sie gerufen, weil sie dachten, dass jemand eingeklemmt ist“, sagt Österle. Auch ein Rettungshubschrauber war alarmiert worden. Da die Fahrzeuginsassen nicht schwer verletzt waren, konnte er wieder abdrehen. „Ich habe nur gestaunt, was da alles passiert“, meint der 80-Jährige.

Nach einem Gesundheitscheck im Krankenwagen darf Österle schließlich nach Hause. Ein Bekannter, der zufällig am Unfallort vorbeikommt, bringt ihn zurück nach Singhofen. An Österles eigenem Auto ist ein Totalschaden entstanden. Er ist froh, dass er die Heimfahrt nun nicht in einem Polizeiauto antreten muss. Zwar war die Rückkehr mit einem seiner Helfer „für meine Frau auch ein Schock, aber nicht ganz so heftig“.

Österle hatte Glück im Unglück. Aber noch heute hat er Schmerzen von den heftigen Prellungen, die er davongetragen hat. Mit Yoga-Übungen ist er zurzeit dabei, seinen Brustbereich wieder zu dehnen. Die Diagnose seines Arztes: „Sie müssen damit rechnen, dass Sie sechs bis sieben Wochen Schmerzen haben.“ Doch Österle klingt zuversichtlich. Einen Schock habe er nicht erlitten.

Vielmehr hat der 80-Jährige auch eine gute Erfahrung bei seinem Unfall gemacht: „Was ich schön fand, war die Hilfe, die ich von allen Seiten erfahren habe“, betont Österle. Es ist ihm daher ein Bedürfnis, sich für die Hilfeleistungen zu bedanken: durch das ausländische Ehepaar, das ihm aus dem Auto geholfen hat, durch weitere Verkehrsteilnehmer, durch den DRK-Rettungsdienst, durch die Polizei und die herbeigerufene Feuerwehr.

„Es hat gut getan, in einer Situation, in der man selbst hilflos ist, freundliche und kompetente Hilfe und Zuwendung zu erhalten“, sagt Kurt Österle. Es gab keine Gaffer am Unfallort, nur Helfer. Daher appelliert er an seine Umwelt: „Das ist eine gute Kultur, die Kultur der Hilfsbereitschaft, die sollten wir uns erhalten!“

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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