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Lahnstein

Landesjugendorchester: Jungprofis geben Konzert der Extraklasse

Ulrike Bletzer

Nachwuchsarbeit – aber auf allerhöchstem Niveau: Was das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz am Freitagabend auf Einladung der Lahnsteiner Musikszene in der Stadthalle präsentierte, ging nahtlos fließend in eine gestandene Könnerschaft über. In jährlich drei Arbeitsphasen in den Oster-, Sommer- und Herbstferien studiert das aus Musikern im Alter von 12 bis 20 Jahren bestehende LJO, so das gängige Kürzel, große sinfonische Werke ein.

Das Landesjugendorchester (LJO) spielte in der Lahnsteiner Stadthalle Werke von Hendrik Hofmeyr, Sergei Rachmaninow und Ludwig van Beethoven. Der Anlass, das Orchesterwerk „Ingoma“ des Südafrikaners Hofmeyr ins Programm aufzunehmen: In den kommenden Herbstferien wird das LJO eine Konzertreise durch Südafrika und Botswana unternehmen.  Foto: Ulrike Bletzer
Das Landesjugendorchester (LJO) spielte in der Lahnsteiner Stadthalle Werke von Hendrik Hofmeyr, Sergei Rachmaninow und Ludwig van Beethoven. Der Anlass, das Orchesterwerk „Ingoma“ des Südafrikaners Hofmeyr ins Programm aufzunehmen: In den kommenden Herbstferien wird das LJO eine Konzertreise durch Südafrika und Botswana unternehmen.
Foto: Ulrike Bletzer

Kaum glauben mochte man, dass die aktuelle Arbeitsphase Numero 136, die mit dem Konzert in Lahnstein sowie zwei Nachfolgeveranstaltungen am Samstag in Kaiserslautern und am gestrigen Sonntag in Landau abschloss, gerade einmal anderthalb Wochen in Anspruch nahm. Wie viel Talent und weit überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft, über die pure Liebe zur Musik hinaus, in diesem bis zu 100 Mitglieder zählenden Ensemble stecken, erahnte man spätestens, als zum Einstieg in den Abend Hendrik Hofmeyrs Orchesterwerk „Ingoma“ erklang. Hendrik Hofmeyr? Hierzulande nicht allzu bekannt, gilt er, der an der Universität von Kapstadt lehrt, als einer der produktivsten und vielseitigsten Komponisten Südafrikas. Der Anlass dafür, dass das LJO seine aus dem Jahr 1998 stammende Komposition „Ingoma“ ins Repertoire genommen hat, lag auf der Hand: In Arbeitsphase Numero 137, in den kommenden Herbstferien also, wird das Orchester eine Konzertreise durch Südafrika und Botswana unternehmen. Mit Dirigent Albert Horne, der seit 2014 als Chordirektor am Hessischen Staatstheater Wiesbaden arbeitet, stand in Lahnstein zudem ein gebürtiger Südafrikaner auf dem Dirigentenpodest.

Wild, aufpeitschend, geradezu chaotisch geriet der Auftakt zu „Ingoma“, der jedoch bereits nach wenigen Takten in eine deutlich ruhigere, harmonischere und zum Träumen anregende Passage überging. Zugrunde lag dieser musikalischen Idylle, wie dem Programmheft zu entnehmen war, das Wiegenlied „Thula Babana“ aus dem Liedschatz des südafrikanischen Volks der Xhosa – ist „Ingoma“ doch ein Beispiel dafür, wie Hendrick Hofmeyr Elemente der abendländischen und afrikanischen Musiktradition miteinander zu vereinen weiß.

Enormes Können bewies das Orchester auch bei dem anschließenden Werk, Sergei Rachmaninows „Klavierkonzert Nr. 2“. Als Gastmusiker am Flügel: der wie Dirigent Albert Horne aus Südafrika stammende, bereits vielfach mit Preisen ausgezeichnete junge Pianist Megan-Geoffrey Prins. Beeindruckend sein akzentuiertes, gleichermaßen von hoher technischer Präzision und künstlerischer Expressivität geprägtes Spiel. Und nicht minder beeindruckend, wie Orchester und Solist bei diesem Werk, das nicht zuletzt von seinem großen Spannungsreichtum zwischen dynamisch vorwärtsdrängenden und lyrisch zarten Passagen lebt, zu einem harmonischen Ganzen zusammenfanden.

Spannungsreich und musikalisch vielschichtig war auch das dritte Werk des Abends, Ludwig van Beethovens „Sinfonie Nr. 3“. Diese im doppelten Sinn revolutionäre Komposition – Beethoven verlieh mit seiner „heroischen Sinfonie“ zum einen Ideen und Idealen der Aufklärung ihren musikalischen Ausdruck, zum anderen brach er mit tradierten sinfonischen Regeln – besticht nicht ausschließlich, aber vielleicht in besonderer Weise mit ihrer Fülle unterschiedlichster Themen und musikalischer Motive. Am Ende dieses außergewöhnlichen Konzertabends überraschte es wohl keinen mehr, dass die LJOler auch diese Aufgabe mit Bravour meisterten.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

Grundlage für eine Laufbahn als Berufsmusiker

Das 1973 gegründete Landesjugendorchester (LJO) Rheinland-Pfalz widmet sich der Förderung von Nachwuchsmusikern im Alter von 12 bis 20 Jahren, die ihr Instrument überdurchschnittlich gut spielen und dieses Talent bei einem Vorspiel als Voraussetzung für die Aufnahme ins LJO bewiesen haben. Viele von ihnen schlagen später eine Laufbahn als Berufsmusiker ein. Manager des Landesjugendorchesters ist Jens Bastian, der auch federführend den Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ organisiert.

Ständiger Gastdirigent ist Hermann Bäumer, dazu kommen vorübergehende Gastdirigenten wie Albert Horne, der das Konzert in Lahnstein leitete. Das Landesjugendorchester unternimmt zahlreiche Konzertreisen ins europäische und außereuropäische Ausland, ist regelmäßig in Rundfunk und Fernsehen zu hören und hat bereits etliche Tonträger veröffentlicht. ubl

Bad Ems Lahnstein
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