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    Diskussion um Kitaplätze: Immer mehr Eltern wünschen U 3-Betreuung

    „Für 16 Prozent der unter Dreijährigen fehlen in Rheinland-Pfalz Betreuungsplätze. Das ist das drittschlechteste Ergebnis im Bundesvergleich und sollte bei der Landesregierung alle Alarmglocken läuten lassen“, kommentierte die Trierer Bundestagsabgeordnete der Linken Katrin Werner vor Kurzem eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

    Immer mehr Eltern im Kreis möchten ihre Kinder vor dem dritten Geburtstag in einer Kita betreuen lassen. Um den Bedarf zu decken, fließen 2017 mehr als 37 Millionen Euro in den Kitabereich.
    Immer mehr Eltern im Kreis möchten ihre Kinder vor dem dritten Geburtstag in einer Kita betreuen lassen. Um den Bedarf zu decken, fließen 2017 mehr als 37 Millionen Euro in den Kitabereich.
    Foto: Dagmar Schweickert (Archiv)

    „Jetzt rächt es sich, dass die Verantwortlichen auf allen Ebenen jahrelang fest an stark sinkende Geburtenraten geglaubt haben. Hinzu kommt, dass gleichzeitig immer mehr Menschen darauf angewiesen sind, möglichst schnell nach der Geburt wieder zu arbeiten. Möchte man hieran etwas ändern, reicht es nicht, allein in neue Gebäude zu investieren. Es braucht auch eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen, damit sich überhaupt genügend Erzieherinnen und Erzieher finden“, fordert die Vorsitzende der Linken Rheinland-Pfalz.

    Eine solche pauschale Einschätzung hält der Pressesprecher des Rhein-Lahn-Kreises Uwe Rindsfüßer für „völlig realitätsfern, unter anderem, weil es unterschiedliche Voraussetzungen bei der Zahlenerhebung und den örtlichen Gegebenheiten gibt“. Daher seien weder die Bundesländer untereinander noch die Kreise und Länder miteinander vergleichbar. Er verweist auf das Vorwort des Landrats Frank Puchtler zum aktuellen Kindertagsstättenbedarfsplan. Puchtler betont dort, ein Dorf oder Landkreis habe nur Zukunft, wenn junge Leute in den Gemeinden bleiben und dort eine Familie gründen. Eine funktionierende Kitabetreuung sei dafür unerlässlich. Ganztagseinrichtungen gebe den Eltern die Möglichkeit, berufstätig zu sein. Gleichzeitig lege die Kitabetreuung den Grundstein für den Bildungsweg und stärke die Integration.

    „Der Rhein-Lahn-Kreis hat seit Einführung des Rechtsanspruchs für Kinder ab dem ersten Lebensjahr ein bedarfsgerechtes Angebot in der Kitabetreuung geschaffen“, so der Landrat. In den Städten Bad Ems, Lahnstein und Nassau seien neue Kitas mit sechs oder sieben Gruppen in Planung. Dort könne man die Plätze dem Bedarf anpassen. Auch im ländlichen Bereich des Kreises müsse stetig auf geänderten Bedarf reagiert werden.

    Für die Berechnung der U3-Plätze im Kreis hat der Jugendhilfeausschuss die Quote von 39 auf 42 Prozent angehoben. Elternbefragungen des deutschen Jugendinstituts hätten ergeben, dass sich 43,1 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz für ihr Kind wünschen. Frank Puchtler geht davon aus, dass dieser Prozentanteil in Zukunft weiter steigt. Die Versorgungsquote von 42 Prozent ist eine fiktive Grundlage, um zu ermitteln, wie viele U3-Plätze vorgehalten werden müssen. Die tatsächliche Vorhaltung weiche manchmal vom Bedarf ab.

    Da die Geburten aktuell steigen, wird auch für die über Dreijährigen ein steigender Platzbedarf vorhergesagt. Bis 2023 erwartet der Rhein-Lahn-Kreis eine Steigerung der Personenzahl im Kindergartenalter von mindestens sieben Prozent. Dabei seien noch nicht die Plätze für Kinder aus Flüchtlingsfamilien eingerechnet. Auch sie haben einen Rechtsanspruch auf dem vollendeten ersten Lebensjahr auf öffentlich geförderte Kitabetreuung. „Für Kinder mit Fluchthintergrund ist eine gute Kitabetreuung und frühkindliche Förderung der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration“, so Puchtler.

    Das Jugendamt steht im ständigen Austausch mit den Kitas vor Ort, damit auf gemeldete Nachfrage „zeitnah und individuell reagiert werden kann.“

    Pressesprecher Uwe Rindsfüßer erläutert, eventuelle Probleme entstünden immer konkret „vor Ort“ – egal wie hoch die prozentuale Abdeckung insgesamt sei. Als Beispiel nennt er den Fall, dass in einer Stadt im Rhein-Lahn-Kreis jetzt eine Familie mit zehn Kindern zugezogen ist. „Damit dürfte die örtliche Planung, was Kindergartenplätze betrifft, ziemlich über den Haufen geworfen sein“, so Rindsfüßer zu den Eventualitäten der Planung in diesem Bereich. Reagiert wird auf eine steigende Nachfrage beispielsweise, indem Gruppen umstrukturiert oder Ausbauplätze ausgewiesen werden.

    Die aktuellsten Zahlen des Jugendhilfeausschusses liegen für das laufende Kindergartenjahr 2016/17 vor. Demnach ergab sich ein Gesamtbedarf von 4747 Kitaplätzen. Davon entfallen 1287 auf Kinder unter drei Jahren. Dafür stehen 4694 Kitaplätze, davon 1223 U3-Plätze im Kreis zur Verfügung. Die Unterdeckung ergab sich vorrangig in den Bereichen Katzenelnbogen, Lahnstein, Bad Ems und Nassau. Damit alle Plätze vorgehalten werden können, werden im Jahr 2017 mehr als 37 Millionen Euro in den Kitabereich fließen, so Frank Puchtler. Mit den zur Verfügung stehenden U3-Plätzen ergibt sich bezogen auf die Bedarfsberechnung im Rhein-Lahn-Kreis eine Versorgungsquote von 95 Prozent, heißt es im Kitabedarfsplan. Mit Blick auf den Rechtsanspruch bedeutet das, dass 39,9 Prozent aller Kinder unter drei Jahren mit Rechtsanspruch im Kreis momentan einen Kitaplatz erhalten.

    Der Kindertagesstättenbedarfsplan findet sich im Internet:  www.rhein-lahn-kreis.de in der Rubrik Bürgerservice/Jugend und Familie/Kindertagesstätten.

    Von unserer Redakteurin Dagmar Schweickert

    Versorgungsquoten in Verbandsgemeinden und Lahnstein

    Wenn künftig 42 Prozent der unter Dreijährigen einen Kitaplatz in Anspruch nehmen, ergeben sich diese Versorgungsquoten in Prozent:

    VG Diez 99,2; VG Hahnstätten 117,5; VG Katzenelnbogen 70,5; VG Nastätten 102,9; VG Loreley 122,4; Stadt Lahnstein 79,8; VG Bad Ems 80; VG Nassau 92. Wenn 100 Prozent, also alle Kinder unter drei Jahren, einen Kitaplatz in Anspruch nähmen, sähe die Versorgungsquote U3 in Prozentzahlen so aus: VG Diez 41,7; VG Hahnstätten 49,3; VG Katzenelnbogen 29,6; VG Nastätten 43,2; VG Loreley 51,4; Stadt Lahnstein 33,5; VG Bad Ems 33,6; VG Nassau 38,7.

    das

    Bedarf: VG Katzenelnbogen aktuell im Gespräch mit Trägern

    Ganz aktuell nahm der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Katzenelnbogen Harald Gemmer in einer Sitzung des Verbandsgemeinderates zu dem Thema Stellung.

    Zuvor war die Kindertagesstättenplanung auch im Sozialausschuss von Katzenelnbogen ein wichtiges Thema gewesen. Demnach gebe es in der Ganztagsbetreuung eine planerische Differenz, angesichts der tatsächlichen Anmeldungen sei jedoch „alles im grünen Bereich“. „Das ist natürlich eine aktuelle Momentaufnahme“, so Gemmer im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Sozialausschuss wie auch im VG-Rat müsse man beraten, ob es nun mehr Sinn mache, die Platzressourcen zu erweitern. Ein hoher Bedarf bestehe insbesondere in Katzenelnbogen und Klingelbach. Die Frage laute nun: „Wie stellen wir uns da auf?“ Man müsse sich entscheiden, ob man eher in der Peripherie zusätzliche Angebote schaffe – denkbar seien hier beispielsweise die Einrichtungen in Schönborn und Allendorf, die bisher zweigruppig sind – oder im Zentrum des Einrich. Die Öffnungszeiten könnten in manchen Einrichtungen beispielsweise von 15.30 auf 16.30 Uhr erweitert und die Zweigruppigkeit aufgewertet werden. Die Verwaltung soll eine Bedarfsdeckung in diesen Bereichen herbeiführen. Momentan laufen laut Gemmer Gespräche mit den kirchlichen Trägern und den Gemeinden, um einschätzen zu können, „was wir im Zentrum machen können“. Während die Planung für Katzenelnbogen und Klingelbach läuft, wird parallel dazu in Dörsdorf und Allendorf ausgebaut. Man müsse sich grundsätzlich schnell aufstellen, um vom aktuellen Konjunkturprogramm und der entsprechenden Förderung zu profitieren, aber zunächst müsse man sich nun eben einigen. das

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