40.000
Aus unserem Archiv
Kausen

Zu wenig Angebote: Muss der Kreis Altenkirchen beim Pferdetourismus umsatteln?

Peter Seel

Im AK-Land wie auch im benachbarten Westerwaldkreis liegt ein Schatz brach, den zu heben es nicht allzu viele Mühe kosten würde. Das Zauberwort heißt „Pferdetourismus“. „Das ist ein großer Markt, den man im ganzen Westerwald bloß stärker anzapfen müsste. Ich verstehe nicht, warum das in Altenkirchen und Montabaur nicht viel intensiver betrieben wird.“ Das sagt Sonja Schütz aus Kausen, die hauptberuflich für die VFD tätig ist, die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland mit Sitz in Twistingen (Niedersachsen).

Sonja Schütz mit Pferd Phönix und dem Inhaber der Dickendorfer Mühle, Hermann Zöller. Das uriger Gasthaus bekam nun von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e. V. das Prädikat „Pferdefreundliches Gasthaus“ verliehen.
Sonja Schütz mit Pferd Phönix und dem Inhaber der Dickendorfer Mühle, Hermann Zöller. Das uriger Gasthaus bekam nun von der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e. V. das Prädikat „Pferdefreundliches Gasthaus“ verliehen.
Foto: Peter Seel

Schütz (49), die aus dem Westerwald stammt, kümmert sich von Kausen aus als eine Art VFD-Außenstelle um die Öffentlichkeitsarbeit, betreut die Webseite des Vereins, steht Pferdebesitzern mit Rat und Tat zur Seite und versucht, das Thema bei den Touristikbüros der Region populärer zu machen, ob bei der Kreisverwaltung oder im Bürgerbüro eines Rathauses. Die passionierte Pferdefreundin sieht in Reiterausflügen und -touren mit oder ohne Übernachtung(en) ein nicht unbedeutendes Potenzial: „Es gibt die Nachfrage. Es gibt das Angebot. Bloß wird das nicht genutzt.“

In erster Linie kennt man Sonja Schütz als Vorsitzende des BUND im Kreis Altenkirchen. Doch die Pferde begleiten die ausgebildete Pferdewirtschaftsmeisterin und Mutter von vier Kindern schon länger – seit ihren Kindertagen in Höhn (Westerwald). Hier hatte sie ihr erstes Pferd mit 13 auf dem Bauernhof des Vaters. Seit 1984 führt sie Gäste auf dem Pferderücken über die Höhen, über die angeblich der Wind so kalt pfeift. Aus dem Hobby machte sie ihren Beruf, bildete professionell Tier und Reiter aus, arbeitete an der Hardter Mühle bei Unnau/Bad Marienberg, indem sie auch von hier aus berittene Ausflüge und Touren zu den Schönheiten der Heimat führte. „Wir haben ein tolles Potenzial an Natur und Landschaft“, erklärt sie, „und dazu kommen überall landwirtschaftliche Betriebe und Reiterhöfe, die man prima in ein Konzept des Pferdetourismus einbinden kann. Hierher können Touristen mit Pferden kommen, die auf dem Hof übernachten, während die Tiere im Stall versorgt werden können oder auf der Wiese grasen.“

Dieses Konzept verfolgt auch die VFD als eines ihrer Aufgabengebiete – und für den ist Schütz zuständig. Rund 200 Mitglieder hat der Verein im geografischen Westerwald, einige Pferdegüter, aber auch Bauernhöfe und private Pferdebesitzer, für deren Belange sich die VFD einsetzt: Etwa für freies Reiten in der Natur, artgerechte Pferdehaltung und die Ausbildung von Pferd und Reiter.

Daneben betreut die VFD ein bundesweites Netz von Wanderreitstationen, die nach den Vereinsstatuten hohen Anforderungen genügen müssen: Sie müssen für die Pferde Futter, eine sichere Box oder Koppel samt Sattelkammer sowie natürlich ein anspruchsvolles Servicerepertoire für die Reiter bieten. Im AK-Land nennt Sonja Schütz den Hof Karseifen von Heinz-Herbert Assenmacher, der zwischen Gebhardshain und Wissen liegt. „Wenn die VFD Sterne wie ein Hotelführer vergeben würde, bekäme Karseifen fünf Sterne.“

Zu den vorhandenen Angeboten gehören aber auch etliche Gastrobetriebe, die von der VFD als „Pferdefreundliches Gasthaus“ ausgezeichnet wurden. So überreichte Sonja Schütz jetzt die entsprechende Plakette an die Dickendorfer Cafémühle von Hermann Zöller. „An solchen Prädikaten orientieren sich Reiter“, meint Schütz, „denn sie wissen, dass sie bei ihren Wanderritten hier einkehren, ihre Tiere anbinden und Wasser für sie bekommen können.“ Zöller freut sich über die Ehre und lächelt: „Die Pferde sind mir genauso willkommen wie ihre Reiter. Und die Pferdeäpfel bring' ich gern persönlich auf den Kompost – ist ja nur Gras.“

Auf der Nachfrageseite, die einen lukrativen Pferdetourismus möglich machen würde, stehen laut Schütz große Pferdemessen in vielen deutschen Städten und in Nachbarländern wie den Niederlanden: „Wenn auf einer der größten davon, etwa der Equitana in Essen, ein Stand der Westerwaldtouristik vertreten wäre, mit professionell gedrucktem Infomaterial und gut vorbereiteten Mitarbeitern zum Thema, dann bin ich sicher, könnte man Touristen, die heute noch am Westerwald vorbei zu den Pferdehöfen nach Hessen fahren, zu uns locken.“

Dabei kann das Motto lauten „Reiten in der Natur“, „Urlaub mit dem Pferd“ oder auch nur „Im Urlaub auch mal reiten“. „Aber die Gäste müssen nicht einmal auf ein Pferd steigen, wenn sie nicht möchten“, erklärt Schütz. „Wir können hier im Westerwald auch wunderbar einen ,Natururlaub bei Freunden' anbieten, also auf einem Reiterhof, mit Familienanschluss. Das ist besonders für Familien mit Kindern absolut spannend, ein Kontrastprogramm zu einem Hotelbetrieb, wo dann Mensch und Tier im Urlaub zusammen leben.“ Es sei ein „generelles Problem im Westerwald“, sagt die Pferde- und Tourismusexpertin, dass bei uns in diesem Bereich viel zu wenig getan werde – zumal für solche Projekte bei der Landesregierung Fördergelder abgerufen werden können. Der Pferdetourismus steht sogar im Mainzer Regierungsprogramm.

So sei sie „wirklich geschockt“ gewesen, sagt Schütz, dass etwa bei der „Grünen Woche“ in Berlin, wo sich die Bundesländer präsentieren, Rheinland-Pfalz zwar vertreten war, „aber da ging es nur um Wein, Wein und nochmals Wein. Dabei liegt Aktivtourismus in Deutschland seit Jahren im Trend – und wir haben auch in Westerwald und Eifel viel davon zu bieten.“

Von unserem Redakteur Peter Seel

Altenkirchen Betzdorf
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Ihre Ansprechpartner in der Redaktion
Markus Kratzer (kra)
Redaktionsleiter
Tel 02681/9543-21
E-Mail
Volker Held (vh)
stv. Redaktionsleiter
VG Altenkirchen
Tel 02681/9543-33
E-Mail
Elmar Hering (elm)
Redakteur
VG Wissen & Hamm
Tel 02681/9543-13
E-Mail
Andreas Neuser (an)
Redakteur
VG Betzdorf, Gebhardshain
Tel 02741/9200-68
E-Mail
Daniel Weber (daw)
Redakteur  
VG Daaden, Gebhardshain, Stadt Herdorf
Tel 02741/9200-67
E-Mail
Peter Seel (sel)
Redakteur VG Kirchen
Tel 02741/9200-65
E-Mail
Sonja Roos (sr)
Redakteurin VG Hamm
Tel 02681/9543-19
E-Mail
Beate Christ (bc)
Reporterin VG Flammersfeld
Tel 0170/2110166
E-Mail
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Freitag

15°C - 30°C
Samstag

17°C - 30°C
Sonntag

14°C - 28°C
Montag

15°C - 28°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach