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    Westerwälder Eisenwerk meldet Insolvenz an: 100 Mitarbeiter bangen um Arbeitsplatz

    Schlechte Nachricht für Weitefeld und die heimische Wirtschaft: Die WEW Westerwälder Eisenwerk GmbH hat Insolvenz beantragt.

    WEW in Weitefeld, ein weltweit führender Produzent von Spezialtanks für militärische und zivile Zwecke, hat Insolvenzantrag gestellt.
    WEW in Weitefeld, ein weltweit führender Produzent von Spezialtanks für militärische und zivile Zwecke, hat Insolvenzantrag gestellt.
    Foto: Markus Döring

    Etwa 100 Mitarbeiter des Traditionsunternehmens, das auf die Fertigung von Spezialcontainern für militärische und zivile Zwecke spezialisiert ist, bangen mittelfristig um ihren Arbeitsplatz. Sie wurden gestern in einer Belegschaftsversammlung informiert. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Klaus Ortmüller (Betzdorf) bestellt.

    Hintergrund für die wirtschaftliche Schieflage bei WEW, nur knapp zwei Jahre nach den Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen, sind offenbar Umsatzeinbrüche im militärischen Geschäftsfeld. Neben klassischen Tankcontainern vor allem für die chemische Industrie hatte WEW seit 2000 insbesondere mobile Trinkwasser- und Kraftstoffversorgungssysteme für militärische und zivile Nutzung entwickelt und sich in dieser Marktnische ab 2006 eine führende Position erarbeitet. Bis 2011 verdoppelte sich der Jahresumsatz auf 30 Millionen Euro. Seit 2007 investierte WEW in Weitefeld rund 12,5 Millionen Euro unter anderem in neue Hallen und Anlagen.

    Zuletzt durchlebte das Unternehmen allerdings schwierige Jahre: „2013 und 2015 haben wir unter der schlechten Planbarkeit bei den Rüstungsausgaben gelitten“, erläutert der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Ulrich Bernhardt im Gespräch mit der RZ. Die projektabhängigen und trotz Marktführerschaft stark schwankenden Umsätze im Inland und in den verschiedenen Exportregionen hätten erhebliche Einbußen zur Folge gehabt. Diese habe man mit dem zivilen Chemiegeschäft leider nicht ausgleichen können, so Dr. Bernhardt.

    In diesem Jahr habe man mit einem Gesamtumsatz von 16 Millionen Euro gerechnet, der sich zu annähernd gleichen Teilen auf den militärischen und den zivilen Geschäftsbereich verteilt. Laut Dr. Bernhardt wurde bereits im Vorjahr mit den Banken ein Sanierungskonzept mit diversen Optimierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen eingeleitet. Seit dem vergangenen Sommer hat WEW so unter anderem 30 Arbeitsplätze abgebaut – allesamt ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie der Firmenchef betont.

    „Bis Januar waren wir auf einem guten Weg“, sagt Dr. Bernhardt, der seit dem Ausscheiden von Jan Gerhard-de Vries (ebenfalls im Sommer 2015) alleiniger Geschäftsführer ist und inzwischen auch sehr deutlich die Mehrheitsanteile am Unternehmen hält. Durch eine Zahlungsverzögerung habe sich die Lage zuletzt allerdings erneut zugespitzt. Laut Dr. Bernhardt wartet WEW bislang vergeblich auf rund 600 000 Euro an Außenständen aus einem Geschäft mit einer Regierung im Nahen Osten. Dies habe „eine Lücke gerissen, die wir nicht mehr schließen konnten“. Trotz einer inzwischen wieder deutlich besseren Auftragslage habe man die Altlasten somit nicht mehr schultern können. Eine Sanierung sei daher nur mehr noch im Rahmen eines Insolvenzverfahrens möglich.

    Insolvenzverwalter Dr. Ortmüller hat sich gleich nach seiner Bestellung am Freitag einen ersten Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verschafft. Seiner Einschätzung nach kann der Betrieb aufgrund der aktuellen Auftragssituation zumindest bis Mai weiterlaufen. In den kommenden Tagen stünden Gespräche mit den Banken an, um die Fortführung des Unternehmens zu stützen.

    Zudem seien mit der Geschäftsleitung bereits Szenarien besprochen worden, wie die Firma mit einem Investor dauerhaft erhalten werden könnte. Dass sich in nur zwei Tagen schon erste Interessenten gemeldet haben, wertet Ortmüller jedenfalls als ein „gutes Zeichen“. Auch Unternehmenschef Dr. Bernhardt ist trotz der schwierigen Lage optimistisch, dass die „Marke WEW“ in Weitefeld eine Zukunft hat. Er verspricht der Belegschaft: „Es wird hart daran gearbeitet.“

    Weitefelds Ortsbürgermeister Karl-Heinz Keßler (SPD) zeigt sich von der Insolvenz der WEW tief betroffen: „Das ist eine schlimme Sache. Ich hoffe, es wird nicht zu schlimm.“ Seine Gedanken sind vor allem bei den rund 100 Mitarbeitern, von denen ein großer Teil in Weitefeld wohnt, und deren Familien. Daneben, so Keßler, hätte ein Aus für das Unternehmen freilich einschneidende Auswirkungen auf die Steuerkraft der Ortsgemeinde. „Ich bin aber guter Hoffnung, dass es bei WEW weitergeht.“ Die Gemeinde, versprach er, werde dafür alles in ihrer Macht stehende tun. Uwe Wallbrecher, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Betzdorf, sprach in einer Stellungnahme von einem „weiteren Schlag für die Arbeitsplätze in der Region“.

    Von Daniel Weber

     

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