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    Wahlanalyse: Kirchens Politiker sehen Ära Stötzel kritisch

    Immer wieder war es in den vergangenen Monaten in Kirchen zu hören: Wäre Jens Stötzel am Sonntag erneut zum Bürgermeister der VG Kirchen gewählt worden, hätten etliche VG-Ratsmitglieder ihr Mandat niedergelegt. Ebenso hätten nicht wenige Verwaltungsmitarbeiter ihre schon fertigen Bewerbungen aus den Schubladen gezogen, um aus dem Rathaus wegzukommen.

    2009: Jens Stötzel hängt seine Wahlplakate ab, mit denen er für seine Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchen geworben hatte. Überraschend wurde er gewählt – doch nach acht Jahren sagen viele Bürger und Kommunalpolitiker, dass der Mudersbacher die Vorschusslorbeeren, die er damals einheimste, während seiner Amtszeit unnötig verspielt hat.  Foto: Archiv Markus Döring
    2009: Jens Stötzel hängt seine Wahlplakate ab, mit denen er für seine Wahl zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchen geworben hatte. Überraschend wurde er gewählt – doch nach acht Jahren sagen viele Bürger und Kommunalpolitiker, dass der Mudersbacher die Vorschusslorbeeren, die er damals einheimste, während seiner Amtszeit unnötig verspielt hat.
    Foto: Archiv Markus Döring

    Was hat der Noch-Amtsinhaber in seiner achtjährigen Amtszeit falsch gemacht? Die RZ hörte bei einigen Kommunalpolitikern nach – und fragte, wie sie die Zukunft sehen. Bei allen war eine Art Aufbruchsstimmung zu spüren – und hohe Erwartungen an Maik Köhler, der am Sonntag mit einem triumphalen Sieg zum VG-Chef gewählt wurde.

    Michael Dützer, CDU-Fraktionssprecher im VG-Rat, ist überzeugt, „dass die Arbeit im VG-Rat nun einfacher und erfolgreicher wird – allein schon, weil Maik Köhler die Kooperation zwischen Kirchen und den Ortsgemeinden nicht nur aus Sicht des Verwaltungschefs, sondern auch aus der des Ortsbürgermeisters sieht“. Mehr noch als „ein ganzes Potpourri von Fehlern“ auf Seite des parteilosen Stötzels habe ein ausgezeichneter Wahlkampf des CDU-Kandidaten zumSieg geführt. In den vergangenen acht Jahren habe man sich als Ratsmitglied oft nicht ernst genommen gefühlt: „Als Fazit der Ära Stötzel werde ich einen seiner Sätze nie vergessen: ‚Der Rat kann hier beschließen, was er will...’ Kein Wunder, dass der politische Disput nur noch zwischen dem VG-Rat auf der einen und ihm auf der anderen Seite stattgefunden hat.“

    Auch der Kirchener Stadtbürgermeister und SPD-Kreisvorsitzende Andreas Hundhausen hofft, dass „ab Januar mit der Amtszeit von Maik Köhler an der VG-Spitze wieder mehr Ruhe in den politischen Raum einkehrt“. Stötzels Fehler sei es gewesen, „an vielen Stellen nicht kompromissbereit“ gewesen zu sein: „Zwischen Haltung haben und stur sein gibt es einen großen Unterschied. Er war leider zu oft stur.“ Mit Köhler verbinde ihn „ein äußerst gutes Verhältnis. Als Ortsbürgermeister weiß er, wo ‚uns Gemeinden’ der Schuh drückt.“ Dennoch, so Hundhausen, müsse die SPD im VG-Rat „die Arbeit des Bürgermeisters weiter kritisch begleiten“. Zum Abschneiden seiner Parteifreundin Angelika Buske bei der Wahl sagt er: „Sie hat gegen zwei Platzhirsche kandidiert und ein solides Ergebnis eingefahren. Dafür hat sie allen Respekt, nicht nur der Parteikollegen.“ In seiner Funktion als SPD-Kreisvorsitzender erklärt Hundhausen: „Ich sehe für die VG Kirchen eine Chance der Erneuerung, nachdem acht Jahre von erheblichen Diskussionen geprägt waren, die manches Mal an den eigentlichen Themen vorbeigingen.“

    Besonders angespannt war das Verhältnis stets zwischen Stötzel und dem Niederfischbacher Ortschef Matthias Otterbach (CDU). Die Bürger hätten Stötzel abgewählt, so Otterbach gestern im RZ-Gespräch, „weil sie gemerkt haben, dass sich in den letzten Jahren kaum noch ein Rädchen gedreht hat, weil in Kirchen die Personalbedarfsberechnungen und Stellenpläne fast ausschließlich auf zum Teil weltfremden Vorgaben des Landesrechnungshofes basierten. Dabei wurde der tatsächliche Bedarf in den Ortsgemeinden nie berücksichtigt.“ Dies habe nun auch noch teure Folgen: „Mit fast allen Maßnahmen des Förderprogramms ‚Ländliche Zentren’ hinken Niederfischbach, Mudersbach und Brachbach hinterher. Weil das Personal nicht zur Verfügung stand, wird jetzt alles viel teurer als es hätte sein müssen.“ Aus demselben Grund sei das Straßenverwaltungsmanagement der VG, vor Jahren teuer eingeführt, im Dezember 2015 letztmalig aktualisiert worden.

    „Es gibt einen riesigen Sanierungsstau“, sagt Otterbach. „Wenn wir jetzt all die ewig aufgeschobenen Straßenprojekte ausschreiben, fordern die Bauunternehmen Preissteigerungen von bis zu 40 Prozent. Entweder müssen wir die teuren Angebote in Kauf nehmen, oder der Sanierungsstau erhöht sich weiter. Das alles hätte man vermeiden können, wenn Beschlüsse des VG-Rats und der Ortsgemeinden bezüglich des Personals umgesetzt worden wären. Mit diesem Erbe von Herrn Stötzel werden wir alle noch auf Jahre hin zu tun haben.“

    Auch Friesenhagens Ortsbürgermeister Norbert Klaes (SPD) beurteilt den Wahlausgang: „Die Veränderung wird der VG Kirchen guttun. Sicher ist, dass die Zusammenarbeit mit den Ortsgemeinden nun besser wird. Auch die Gemeindebüros werden in ihrer Existenz gesichert sein.“ Die Fehler Stötzels bringt er so auf den Punkt: „Er war zu wenig Politiker und zu sehr Paragrafenreiter. Ihm fehlte das nötige Fingerspitzengefühl für den Umgang mit den politischen Mandatsträgern. Befindlichkeiten und Grauzonen waren ihm völlig egal – die Quittung ist die Abwahl.“

    Ulrich Merzhäuser, Vorsitzender des Mudersbacher Bürgervereins und Mitglied im Orts- sowie VG-Rat, blickt nach vorn: „Mir geht es darum, dass nun wieder mehr Kontakte gepflegt werden mit den Ratsmitgliedern. Stötzel ist nicht auf sie eingegangen und hat 2009 nach seiner Wahl sogleich die Tür zur stärksten Fraktion, zur CDU, zugeschlagen. Er hätte es uns und sich selbst viel leichter gemacht, wenn er alle Parteien mit ins Boot genommen hätte. Er dachte wohl, er wäre allein gewählt worden, aber es wurden eben auch 36 Ratsmitglieder gewählt, um die VG mitzugestalten.“ Stötzel habe die Erfahrung gefehlt, zu wissen, wie Parteien ticken: „Er hat auch völlig vergessen, dass ihn 2009 viele CDU-Anhänger gewählt haben...“ Merzhäuser ist sicher, dass nun „die Blockadehaltung, die Stötzel in Richtung Ortsgemeinden an den Tag gelegt hat, aufgebrochen wird. Es wird jetzt ein ganz anderes Miteinander entstehen.“ Nicht nur CDU und FDP, auch SPD und Grüne seien ja völlig frustriert gewesen, „weil eindeutige Ratsbeschlüsse nicht umgesetzt oder verzögert wurden“. Vor allem hoffe er, „dass die VG Kirchen nun wieder an Ansehen gewinnt und unter Maik Köhler erneut zur ‚Lokomotive des Kreises’ wird“.

    Von unserem Redakteur Peter Seel

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