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Kreis Altenkirchen

Notruf: Nicht jeder Anruf ist ein Notfall

Beate Christ

Wenn Notarzt- und Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn über die Straßen rasen, zählt meist jede Minute, befinden sich Menschen in Lebensgefahr oder in einer extremen Notsituation. Doch immer wieder rücken die Rettungskräfte auch zu vermeintlichen Notfällen aus. Mike Matuschewski und seine Kollegen vom DRK-Rettungsdienst im Kreisverband Altenkirchen werden rund 25.000 Mal pro Jahr alarmiert.

In Notfällen kommt es auf jede Minute an. Doch immer häufiger wird die 112 auch angerufen, wenn keine akute Gefahr in Verzug ist.  Symbolfoto: dpa
In Notfällen kommt es auf jede Minute an. Doch immer häufiger wird die 112 auch angerufen, wenn keine akute Gefahr in Verzug ist. Symbol
Foto: dpa

„Die Anzahl dieser Einsätze hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt“, gibt Matuschewski zu verstehen. Woran das liegt, vermag er nicht unbedingt zu sagen. Ein Grund könnte seiner Meinung nach sein, dass Patienten die Unterscheidung zwischen dem hausärztlichen Notdienst und dem Rettungsdienst nicht ganz klar sei. „In vielen Fällen kommt vielleicht auch einfach Unsicherheit und Angst um die eigene Gesundheit hinzu“.

Immer mal wieder haben es Matuschewski und seine rund 100 hauptamtlichen Kollegen mit Menschen zu tun, die glauben, der Notarzt oder die Rettungssanitäter würden sie zu Hause behandeln. Hier stellt der Altenkirchener Rettungssanitäter allerdings klar: „Wir behandeln nicht und stellen auch keine Rezepte aus“. Für unglücklich hält er, wenn ein vermeintlicher Notfall sich eigentlich als einen Fall für den Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst herausstellt. „Dann ist natürlich unser Fahrzeug in diesem Moment gebunden. Für den Fall eines weiteren Einsatzes müsste dann ein anderer Wagen, eventuell mit einer etwas weiteren Anfahrtszeit ausrücken“. Was Matuschweski aber wichtig ist: In erster Linie wollen die Rettungskräfte helfen, klären im Falle der falschen Alarmierung die Menschen auf und verweisen an die richtige Stelle. „So oft stehen wir glücklicherweise nicht vor dieser Situation, da die Notrufe schon von der Einsatzleitstelle in Montabaur gefiltert und sortiert werden“, gibt Matuschweski zu verstehen.

„Nicht jeder Anruf, der bei uns eingeht, ist auch wirklich ein Notruf“, bestätigt der Leiter der Leitstelle in Montabaur, Thomas Becker. Entweder werde der Sinn des Notrufes wissentlich ignoriert oder aus Unwissenheit. Abgesehen von lebensbedrohlichen Notfällen reichen nämlich die Gründe für Anrufe von der Frage nach dem Apothekennotdienst bis zu Zahnschmerzen. „Hemmschwellen, die 112 zu wählen, gibt es nicht mehr“, stellt Becker fest. Trotz alledem: „Wir gehen jedem Hilfeersuchen nach und lassen niemanden in der Luft hängen“. Ergibt sich im Laufe während des Telefonates die Erkenntnis, dass der Anrufer sich nicht in einer lebensbedrohlichen Situation befindet, verweisen die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle grundsätzlich höflich an die jeweilige ärztliche Bereitschaftszentrale.

Dr. Rainer Sommer ist Leiter der Ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) in Altenkirchen. Gemeinsam mit rund 50 Kollegen ist der Hausarzt und Notfallmediziner aus Horhausen außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Praxen im Einsatz, um Menschen zu helfen. Auch er stellt fest, dass die Frequenz der Beanspruchung des Bereitschaftsdienstes erheblich zugenommen hat. „Die Menschen sind unsicherer geworden, wissen sich oftmals nicht mehr selbst zu helfen“, nennt er einen Grund für die ansteigenden Zahlen.

Und: „Es traut sich kaum noch jemand, Verantwortung für seine Angehörigen oder beispielsweise Bewohner im Seniorenheim zu übernehmen“. Fälle, die nicht ganz dringend seien, würden zunehmen. „Wenn ich erkältet bin, muss ich nicht sofort ärztliche Hilfe haben. Oftmals reicht es auch, wenn ich am nächsten Tag zu meinem Hausarzt gehe“, bringt es Dr. Sommer auf den Punkt. Denn während sich der diensthabende Arzt um kleinere Beschwerden kümmern muss, müssten Notfälle unnötig lange warten. Und die seien immerhin noch die Mehrzahl der Fälle, die in der BDZ gezählt werden. Die Ärzte in der BDZ versehen ihren Dienst im DRK-Krankenhaus in Altenkirchen (Einzugsbereich sind die VG's Altenkirchen, Puderbach, Flammersfeld sowie Teile der VG's Asbach und Hachenburg) und machen Hausbesuche. Hier wirbt Dr. Sommer um Verständnis, dass es auch schon mal zu Wartezeiten kommen kann. „Wir sind keine Notärzte, sondern müssen unsere Routen sinnvoll planen“, gibt er zu verstehen. Für die Inanspruchnahme des Bereitschaftsdienstes hat er einen einfachen Tipp: „Ich gehe mit Erkrankungen in die Bereitschaftszentrale, wenn ich das Gefühl habe, es hat keine Zeit darauf zu warten, bis ich zu meinem Hausarzt kann“.

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Von unserer Reporterin Beate Christ

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