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Kaufmannsessen in Wissen: Citymanagement ist keine "One-Man-Show"

Elmar Hering

In Wissen führt wohl kein Weg daran vorbei, einen sogenannten Citymanager einzustellen, um die vielfältigen Aufgaben der nahen Zukunft zu bewältigen. An der Notwendigkeit und den Vorteilen ließ das 24. Kaufmannsessen des Treffpunkt Wissen keinen Zweifel. Allerdings: Über das Wie darf noch gestritten werden.

Peter Michels, Citymanager in Mayen, informierte beim Kaufmannsessen in Wissen über die Vorgehensweise der Kleinstadt in der Eifel.
Peter Michels, Citymanager in Mayen, informierte beim Kaufmannsessen in Wissen über die Vorgehensweise der Kleinstadt in der Eifel.
Foto: Elmar Hering

Dem gemeinsamen Imbiss war beim Kaufmannsessen im Hotel-Restaurant Germania ein sehr informativer und zielgerichteter Austausch vorgeschaltet. Auf Einladung des Treffpunktes referierte zunächst Peter Michels über „Modernes Citymanagement und digitalen Wandel in der Marktstadt Mayen“. Viele der von ihm vorgestellten Methoden und Aktionen könnten auch in Wissen Anwendung finden. Konkrete Projekte, ebenso Fragen zur Finanzierung und Kapazität klangen bei einer anschließenden Podiumsdiskussion an. Thomas Kölschbach und Britta Bay vom Treffpunkt, IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Rohrbach, Stadtbürgermeister Berno Neuhoff sowie die Mayener Gäste Peter Michels (Citymanager) und Markus Schmidt (Werbegemeinschaft) begrüßten das feststellbar große Engagement in Wissen, warnten aber zugleich davor, sich zu viel aufzuhalsen. Neuhoff nannte als Schwerpunkte den Ausbau der Rathausstraße, die Gestaltung des Kirch- und des Marktplatzes sowie der Steinbuschanlage und nicht zuletzt die Belebung des Wochenmarktes. In Bezug auf das irgendwann einmal frei werdende Rathausgrundstück stellte er klar, es sei in seinen Augen zu wenig, dort einen Discounter anzusiedeln.

Mayen als Vorbild

Peter Michels, seit Oktober 2016 Citymanager in Mayen, skizzierte die grundsätzlichen Überlegungen und nannte einzelne Beispiele. Ausgehend vom Standortmarketing zielen verschiedene Schritte darauf ab, die Stadt attraktiver zu gestalten – vom Leerstandsmanagement über urbanes Wohnen bis zum Bau der Nette-Terrassen an der Stelle eines vorherigen Schandflecks. Hinzu kommen Projekte der Digitalisierung, etwa freies WLAN in Teilen der Stadt und Beratung für Einzelhändler, die ihr Online-Geschäft ausweiten wollen (Hintergrund: Den Mayenern ist es gelungen, einen Teil der Stelle des Citymanagers aus Landesmitteln zur Digitalisierung zu finanzieren). Apropos Finanzen: Wie Markus Schmidt, stellvertretender Vorsitzender der MY-Gemeinschaft darlegte, hatte sich die Mayener Geschäftswelt bereit erklärt, eine Hälfte der Vollzeitstelle zu finanzieren. Letztlich wurde dieser Beitrag aber wegen des Digitalisierungsfonds des Landes nicht benötigt.

Zusammenwirken aller Partner

Michels betonte, dass das Citymanagement „keine One-Man-Show“ ist. Vielmehr komme es auf das fruchtbare Zusammenwirken aller Partner an, zu denen zuvorderst die Stadt und die Kaufmannschaft zählen (in Wissen ist zudem die VG-Verwaltung tatkräftig mit im Boot). Da die Stadt Mayen hoch verschuldet ist (Wissen ebenfalls), geht ohne Förderprogramme so gut wie gar nichts. Ein Schwergewicht ist das Bund-Länder-Programm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, von dem auch Wissen seit ein paar Jahren profitiert (zum Beispiel Zuschüsse für öffentliche und private Maßnahmen). Als ungemein bürokratisch kritisierte Michels hingegen das europaweite Leader-Verfahren.

Derweil stehen die Wissener vor der Frage, wie sie die Stelle eines Citymanagers ausgestalten wollen – mithilfe eines Fachbüros (drei hatten sie vorgestellt), mit einem professionellen Kümmerer aus der Region, mit einem Ehrenamtler oder etwa mit einer Kombination? „Wichtig ist, jetzt zu handeln und nicht zu zögern“, lautete ein Fazit von Thomas Kölschbach, Vorsitzender der Wissener Werbegemeinschaft Treffpunkt. Seine Vorstandskollegen Britta Bay und Manfred Kern blickten voraus: „So etwas muss von Nachhaltigkeit geprägt sein, über die zweijährige Projektphase hinaus.“ Stadtbürgermeister Neuhoff hatte zuvor die Rechnung aufgemacht, mithilfe der 70-prozentigen Förderung aus dem Programm „Aktive Stadt“ könne sich die Stadt Wissen einen Citymanager lediglich zwei Tage pro Woche leisten, und das zwei Jahre lang. Demgegenüber waren sich die Teilnehmer des Kaufmannsessens weitgehend einig, dass eine solche Mammutaufgabe nicht als Teilzeitjob zu schaffen ist. Die vielfältigen Facetten einer erfolgreichen Innenstadtentwicklung bedingten ein Vollzeitengagement. Idealerweise, so der Wunsch des Treffpunkt-Vorstandes, finde sich jemand, der die Stadt und ihre Menschen gut kennt.

Von unserem Redakteur Elmar Hering

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