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Kreis Altenkirchen

Ärzte fürchten nicht um ihr Leben

„Erschreckend und höchst bedauerlich“, so kommentiert Dr. Michael Fink die Schießerei am Montagnachmittag in einer Arztpraxis im pfälzischen Weilerbach. Dort hatte ein 78-jähriger Patient zwei Internisten erschossen und sich anschließend selbst gerichtet. Der geistig verwirrte Mann war wegen einer Krebserkrankung bei den Medizinern in Behandlung. Zeugen wollen gehört haben, dass er sich über zu lange Wartezeiten beschwerte.

Kreis Altenkirchen – „Erschreckend und höchst bedauerlich“, so kommentiert Dr. Michael Fink die Schießerei am Montagnachmittag in einer Arztpraxis im pfälzischen Weilerbach. Dort hatte ein 78-jähriger Patient zwei Internisten erschossen und sich anschließend selbst gerichtet. Der geistig verwirrte Mann war wegen einer Krebserkrankung bei den Medizinern in Behandlung. Zeugen wollen gehört haben, dass er sich über zu lange Wartezeiten beschwerte.


Auch bei den Medizinern hier im Kreis sind Wutausbrüche und verbale Entgleisungen seitens der Patienten keine Seltenheit mehr. „Es ist schon eine andere Qualität in die Beziehung gekommen“, weiß Fink. Der in Gebhardshain praktizierende Allgemeinmediziner hat in seiner 32-jährigen Berufstätigkeit schon des Öfteren Aggressionen und Gewaltbereitschaft bei seinen Patienten beobachtet. Sogar eine schriftliche Morddrohung habe er mal bekommen. Und die latente Unzufriedenheit beim Patienten werde durch die engen Vorschriften bei Medikationen und Therapiemaßnahmen noch geschürt. Trotzdem, resümiert der Mediziner, könne man jetzt „ja nicht mit Schutzweste rumlaufen“. Solche Fälle wie in Weilerbach würden einen aber daran erinnern, Vorsicht walten zu lassen und nicht blauäugig zu sein. „Ich habe abends auch schon mal Notdienst mit Polizeischutz gemacht, wenn mir die Situation dubios vorkam“, sagt Fink.
Auch Dr. Wolfram Johannes aus Kirchen, Obmann der Kreisärzteschaft und niedergelassener Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin, kann eine Zunahme von verbalen Entgleisungen und Aggressionen bei den Patienten beobachten „aufgrund des Mangels, den wir zu verwalten haben“, wie er sagt. Wartezeiten, schlechte Erreichbarkeiten, Medikamente mit Rabattverträgen – das alles führe zum Frust beim Patienten. Die Ärzte stehen unter dem Druck der Wirtschaftlichkeit, da seien Konflikte programmiert. Wirkliche körperliche Gewalt oder massive Bedrohungen hat er aber während seiner 27 Praxisjahre noch nicht erlebt. Doch: „Der Ton ist sicherlich schärfer geworden“, so Johannes.
Dr. Birgit Brandenburger-Feilke, Allgemeinmedizinerin mit Praxis in Hamm, verspürt am ehesten bei Nachteinsätzen im Notdienst eine gewisse Beunruhigung. Sie sage dann auch ihrem Mann, wo sie wann zu finden sei.
Bedroht oder attackiert worden ist die Ärztin aber während ihrer 25-jährigen Berufstätigkeit noch nie. Die Drohungen gingen eher in die Richtung „Dann komm ich nicht mehr“ wenn sie zum Beispiel nicht das gewünschte Medikament verschreibe oder weniger akute Fälle aus der Sprechstunde wieder heimschicke. „Aber die Probleme hat es schon immer gegeben.“
Auch Bassam Mostafa, Allgemeinmediziner aus Altenkirchen, glaubt, dass es Konflikte und Missverständnisse zwischen Arzt und Patient schon immer gegeben hat. Allerdings, so Mostafa, seien die Patienten heute aufgeklärter. Oft hätten sie vorab schon alles selbst im Internet recherchiert oder etwas im Fernsehen mitbekommen und die Diagnose quasi schon allein gestellt. Der Arzt soll dann diese nach Möglichkeit nur noch bestätigen. „Wenn er das nicht macht, dann werden manche schon mal aggressiv“, so der Altenkirchener. Den Fall in Weilerbach sieht er als tragischen Einzelfall. „So etwas passiert, deshalb können wir ja jetzt nicht alle mit einem Leibwächter herumlaufen.“
Weder verbale noch körperliche Bedrohungen hat Dr. Heiko Mohr aus Weyerbusch bisher in seiner Praxis erlebt. Der Arzt für Naturheilverfahren findet, dass es Ärger schon zu allen Zeiten gegeben hat. Es werden lediglich öfter Enttäuschungen darüber geäußert, wenn bestimmte Medikamente nicht mehr verschrieben werden können, so Mohr. Er selbst mache sich zwar in so einem Fall, wie er jetzt durch die Medien geht, aktuell Gedanken, aber bedroht fühle er sich dadurch nicht. Sonja Roos

Altenkirchen Betzdorf
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