Archivierter Artikel vom 06.04.2022, 12:00 Uhr
Hochtaunuskreis

Lärmpausen: Feldberg wird künftig an bestimmten Tagen für Biker gesperrt

Einzelne Strecken im Feldberggebiet werden am jeweils zweiten Wochenende eines Monats bis einschließlich Oktober für Motorräder gesperrt sein. Mit dieser Maßnahme hoffen der Landkreis und die Kommunen im Feldberggebiet, Lärmemissionen entgegenzuwirken und Unfallzahlen zu senken laut einer Pressemitteilung.

Einige Streckenabschnitte rund um den Feldberg werden an bestimmten Wochenenden für Motorradfahrer gesperrt.
Einige Streckenabschnitte rund um den Feldberg werden an bestimmten Wochenenden für Motorradfahrer gesperrt.
Foto: privat

Unter Motorradfahrern ist der Große Feldberg ein beliebtes Ausflugsziel. Kurvenreiche Straßen und schöne Landschaften laden aber nicht nur zu entspannten Genussfahrten ein, sondern lockten auch unerwünschte Gäste an: überambitionierte Fahrer, die mit hochgetunten Maschinen deutlich über den zugelassenen Geschwindigkeiten unterwegs sind und gerne mal akustisch zeigen, wozu diese Maschinen in der Lage sind.

Und hier beginnt der Ärger. Anwohner und Naturliebhaber, die den Taunus in der Regel für die Ruhe und den Erholungswert schätzen, fühlen sich gestört. Besonders die Lärmspitzen durch Hochziehen der Motoren stellen eine Belastung dar. Hinzu kommen erhöhte Unfallzahlen mit auffällig häufiger Beteiligung von Motorradfahrern.

Im Jahr 2019 wurde bereits eine Versuchssperrung der Feldbergzufahrten im Frühjahr und Herbst für jeweils neun Tage eingerichtet. Mit diesem Verkehrsversuch wurde getestet, ob und in welchem Rahmen die Belastungen und Auswirkungen der Motorradverkehre durch einzelne Streckensperrungen reduziert werden können. Den Versuch begleitete der TÜV Hessen mit Geräuschmessungen. Eine Auswertung wurde durch die ivm GmbH (Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Rhein-Main) durchgeführt.

Lärmpausen und wann sie stattfinden

Ende des vergangenen Jahres haben Erster Kreisbeigeordneter im Hochtaunus Thorsten Schorr und Heike Mühlhans, Geschäftsführerin der ivm, gemeinsam mit den beteiligten Kommunen und weiteren Akteuren die Auswertung zum Verkehrsversuch „Motorradsperrung am Feldberg“ mit Maßnahmenvorschlägen den Interessenvertretungen der Anwohner und Motorradfahrer vorgestellt.

Um dem Problem zu begegnen und dem Ruhebedürfnis der Anwohner und Erholungsuchenden Rechnung zu tragen, werden in diesem Jahr auf Empfehlung der ivm GmbH sogenannte „Lärmpausen“ am jeweils zweiten Wochenende der Monate April bis Oktober eingeführt. Konkret werden an den Wochenenden 9./10. April, 7./8. Mai, 11./12. Juni, 9./10. Juli, 13./14. August, 10./11. September und 8./9. Oktober die Landstraßen

  • L 3004 zwischen Ortsschild Oberursel (Taunus) bis Schmitten im Taunus „Sandplacken“,
  • L 3004 ab Ortsschild Schmitten im Taunus „Arnoldshain“ bis „Hegewiese“,
  • L 3004 zwischen Schmitten „Hegewiese“ und „Sandplacken“ (mit dem Zusatz Anlieger frei bis „Hegewiese“) und die
  • L 3024 ab „Sandplacken“ bis „Sprungbrett“ gesperrt.

Der Sandplacken und der Abschnitt der L 3004 zwischen Schmitten Hegewiese und Sandplacken ist für Anlieger mit Motorrad über die L 3276 (Siegfriedstraße) anfahrbar. Das Feldbergplateau bleibt auch während der Sperrungen für alle Verkehrsteilnehmer erreichbar.

“Die unterschiedlichen Interessenlagen werden auch in Zukunft schwer vereinbar sein"

Die Maßnahme würde als Verkehrsversuch durchgeführt und durch eine systematische Erhebung von Verkehrsdaten in Form von Querschnittszählungen begleitet. Dabei würden an neun Standorten im Feldberggebiet die vorbeifahrenden Fahrzeuge erfasst und klassifiziert. Im Anschluss würden die Daten ausgewertet und für standardisierte Lärmschutzberechnungen verwendet. Die Berechnungen seien notwendig, um über dauerhafte Streckensperrungen entscheiden zu können. Darüber hinaus wird das Unfallgeschehen beobachtet.

In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von unterschiedlichen Maßnahmen umgesetzt. Höchste Priorität hatte die Verkehrssicherheit. So wurden die Leitplanken in gefährlichen Kurven mit einem Unfallschutz ausgestattet, Straßenbeläge erneuert, Rüttelstreifen angebracht, Geschwindigkeiten begrenzt und Verkehrskontrollen eingerichtet.

Erster Kreisbeigeordneter und Verkehrsdezernent Schorr sieht in den Lärmpausen einen guten Kompromiss: „Mit dem anstehenden Verkehrsversuch sind wir bemüht, allen Interessengruppen gerecht zu werden. Die Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen können weiterhin zu jeder Zeit alle relevanten Ziele erreichen, lediglich auf alternativen Strecken. Damit wird den Anwohnerinnen und Anwohnern, die zum Teil stark unter den Lärmemissionen leiden, an einem Wochenende pro Monat eine Ruhepause ermöglicht. Die unterschiedlichen Interessenlagen werden auch in Zukunft schwer vereinbar sein, mit Verständnis und gegenseitiger Rücksichtnahme lassen sich die Konflikte zumindest entschärfen.“