40.000
  • Startseite
  • » Ratgeber
  • » Reise & Tourismus
  • » RZ-Reisejournal
  • » Radeln in Südschweden: Ganz entspannt entlang der Wellen
  • Aus unserem Archiv

    Radeln in Südschweden: Ganz entspannt entlang der Wellen

    Touristikerin Emma Hakansson hat nicht zu viel versprochen: Die Sonne malt die Landschaft in wunderschönen Farben, Seeluft macht den Kopf frei, und immer wieder locken pittoreske Dörfer zur Fika, der unausweichlichen schwedischen Kaffeepause. Drei Tage sind wir unterwegs bei unserer Tour auf dem Kattegattleden-Radweg zwischen Helsingborg und Göteborg.

    Fototermin auf dem schwedischen Kattegattleden: Kilometerlange Sandstrände mit Felspartien begleiten den Radweg kurz vor Varberg.
    Fototermin auf dem schwedischen Kattegattleden: Kilometerlange Sandstrände mit Felspartien begleiten den Radweg kurz vor Varberg.
    Foto: Olaf Goebel

    Zur Einstimmung laufen wir durch Helsingborg. Mit 100.000 Einwohnern ist diese eine gelungene Komposition aus Kleinstadtidylle mit urigen Lokalen und heimeligen Fachwerkhäusern sowie moderner Architektur, Einkaufszentren, Boutiquen und dem quirligen Hafen, wo sich auf den Stufen des Dunkers-Kulturhauses die Abendsonne genießen lässt. Das schwedische Königshaus zeigte sich gegenüber den Helsingborgern spendabel und schenkte ihnen Schloss Sofiero. 1866 zog hier der Kronprinz und spätere König Oscar II. und Ehefrau Sofia von Nassau in die Sommerresidenz, die sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem botanischen Schmuckkasten entwickelte. Wer zwischen mächtigen Bäumen die weitläufige Anlage mit künstlichem Flusstal, Themengärten und einem Meer von Rhododendren die Natur genießt, den wundert es nicht, dass die Anlage 2010 zum schönsten Park Europas gewählt wurde.

    Bevor es morgens in den Fahrradsattel geht, huschen wir noch schnell ins „Chocolatte“, ein Geheimtipp für handgemachte Pralinen. Dann empfängt uns im Stadtzentrum Ingvar Ryggesjö von Travelshop, der geduldig die Räder einstellt und auch Sonderwünsche erledigt. Sein Tipp für den Kattegattleden: Zeit lassen, acht bis zehn Tage für die Gesamtstrecke einplanen, die Landschaft genießen, Kilometer fressen kann man woanders. Diese Worte kommen uns noch oft in den Sinn, während wir gemütlich durch die Landschaft rollen. Selbst als die Route mal weg vom Meer durch Felder und Wälder führt, bleibt ein Hauch salziger Luft in der Nase.

    Nahe dem Hauptbahnhof schickt uns die rote Nummer eins des Kattegattleden auf den Weg in Richtung Norden, immer entlang der Strandpromenade mit Sandstrand und schmucken Häusern. Der noch graue Himmel hat ein Einsehen und wechselt seine Farbe immer intensiver in ein strahlendes Blau. Da macht der Tritt in die Pedale gleich noch mehr Spaß. Das Fahren auf dem 372 Kilometer langen Kattegattleden, der im Herbst 2015 eingeweiht wurde, ist kein Kraftakt und auch für weniger geübte oder ältere Radler zu schaffen. Die wenigen kurzen Steigungen sind keine unüberwindbaren Hindernisse, nur eine frische Brise kann auch mal von vorn kommen. Selten führt die Strecke entlang von Autostraßen, selbst schmale Wege sind fast durchgängig asphaltiert.

    Mit Emma als Fährtenfrau macht die Tour Spaß. Sie zeigt uns das Steinzeit-Hünengrab am Wegesrand bei Kulla Gunnarstorp, kennt malerische Winkel und zaubert die passenden Fotomotive quasi aus dem Hut – bis hin zum alten Buckelvolvo 544. Bei der Rast mit herrlichem Ausblick auf den Hafen von Mölle, das sich Anfang des 20. Jahrhunderts vom Fischerdorf zum Kurbad mauserte, erzählt sie eine nette Begebenheit. So gab es nicht nur eine direkte Zugverbindung von Berlin ins kleine Mölle, sondern dort durften erstmals Männlein und Weiblein dem gemeinsamen Baden – mit Kleidung – in den Kattegattfluten frönen. Für prüde Zeitgenossen wurde der Ort so zum „sündigen Mölle“. Dies ist längst Geschichte. Normale Urlauber haben die Kurgäste abgelöst, über die Gleise rollte 1963 der letzte Zug, und heute führt der Radweg Nummer eins über die Trasse.

    Ein Muss ist in Höganäs die „Saluhall“. Früher eine Produktionsstätte für die klassische Höganäs-Keramik, sind die vier großen Rundöfen heute in eine Markthalle mit kleinen, hochwertigen Geschäften integriert. In einer Ecke locken schon wieder süße Leckereien. Doch zuvor ein Blick in die Werkstatt von Anders Johansson. Der Mittfünfziger hält die Tradition der salzglasierten Gebrauchskeramik aufrecht und hat ihr noch einen eigenen Pfiff gegeben.

    Wir haben die Provinz Skane verlassen, Emma ein Adjö zugerufen. In Halmstad, mit 96.000 Bewohnern die Hauptstadt der Provinz Halland, wartet auf uns Christian Westerling. „Ich habe noch eine Überraschung“, verrät er schon mal, „besonders für Musikfreunde“. Halmstad ist beliebtes Urlaubsziel der Schweden, eine pulsierende Stadt mit herrlichen Sandstränden in der Umgebung. Dazu zählen die Dünen von Tylösand, zu denen unsere Tour an herrlichen Buchten und Steinbrüchen vorbei und durch Nadelholzwälder führt. Im „Tylösand-Hotel“ inmitten der Dünenlandschaft löst sich das musikalische Rätsel. Miteigentümer ist Per Gessle, der aus Halmstad stammt und seit den 80er-Jahren zusammen mit Marie Fredriksson als Roxette Hits am laufenden Band schrieb. Aber Tylösand punktet nicht nur mit Meer, Spa und Pool. Den Gast begleitet auf Fotos, Plakaten und Schallplatten von Gold mit Platin die Roxette-Karriere. Damit nicht genug: Bilder international bekannter Fotografen dokumentieren im gesamten Haus die Rockgeschichte.

    Von Rock und Pop weiter in die beschauliche Naturlandschaft von Steninge. 2014 haben Catarina Arvidsson und Per Carlsson das „Vandrahem“ übernommen. Nur wenige Schritte von der See entfernt, ist es eine Ruheoase. Der Maler Carl Larsson scheint Pate bei der Einrichtung des schnuckeligen Hotels aus dem Jahr 1932 gestanden zu haben. Der kleine Lunch mit Salaten aus eigenem Anbau ist ein Gedicht, und Catarina schwört auf das Pfannkuchenrezept von Großmutter Judit Wahlgren, das ein wenig an Kaiserschmarren erinnert. Per hat es mit seinem Porridge sogar zu Weltmeisterehren in Schottland gebracht.

    Im Fischerdörfchen Träsvosläge steigt der Duft von geräuchertem Fisch in die Nase, aber zum Etappenziel Varberg ist es nicht mehr weit. Schon von Weitem taucht die mächtige Festung auf, die nie erobert wurde. In ihrem Schatten steht ins Meer gebaut das historische Kaltbadehaus mit orientalischen Türmchen. Den Besuch bei der Moorleiche Bockstenmannen im Festungsmuseum gönnen wir uns, aber eine Nacht in einer Zelle der Gefängnis-Jugendherberge muss nicht sein.

    Särö ist eines der kleinen Dörfchen mit Aussicht über die Klippen und Schären. Die Landschaft hat – Göteborg ist nicht mehr fern – ihr Gesicht geändert. Statt langer Strände nun Felsbuchten, der Wald zieht sich in Richtung Meer, und Ferienhäuser von einfach bis luxuriös säumen den Kattegattleden, auf dem wir unter der mächtigen Älvsborg-Brücke hindurch in die Hafenmetropole Göteborg radeln. Noch ein Abstecher zum schwimmenden Marinemuseum Maritiman, dann beißen wir zum letzten Mal vor dem Café Husaren in der Altstadt Haga in eine schwedische Zimtschnecke.

    Von unserem Mitarbeiter Olaf Goebel

    Wissenswertes für Reisende

    Anreise: Nach Kopenhagen fliegen von Köln-Bonn Air Berlin und Ryanair, von Düsseldorf fliegt Eurowings. Vom Flughafen Kopenhagen fahren im Stundentakt Züge über den Öresund nach Helsingborg.

    Unsere Ausflugstipps:

    • Helsingborg mit Besichtigung von Schloss Sofiero
    • Abstecher nach Mölle mit dem Naturschutzgebiet auf dem Felsrücken Kullaberg
    • Für Fans des schwedischen Duos Roxette ist der Besuch des Hotels Tylösand am gleichnamigen Dünenstrand bei Halmstad ein Muss. Miteigentümer und Bandmitglied Per Gessle hat daraus eine Roxette- und Kunstgalerie gemacht.
    • Besichtigung der Festung Varberg mit Museum und Ausklang bei Sonnenuntergang über dem Meer

    Weitere Infos: www.visitsweden.com, www.visitskane.com, www.helsingborg.se, www.kattegattleden.se/de

    Unser Autor ist geflogen mit Air Berlin und Eurowings und hat übernachtet im Radisson Blue Metropol Hotel Helsingborg, Best Western Grand Hotel Halmstadt und Stadshotell Varberg. Diese Reise wurde unterstützt von Visit Sweden.

    RZ-Reisejournal
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    Das Wetter in der Region
    Dienstag

    13°C - 15°C
    Mittwoch

    11°C - 19°C
    Donnerstag

    12°C - 18°C
    Freitag

    8°C - 16°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!

    Event-Kalender