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    Jury hat entschieden: Burgenbloggerin wird „Wortwalz“ Jessica Schober aus München

    Jessica Schober wird die Burgenbloggerin auf Burg Sooneck. Die 26-Jährige aus München hat sich im Auswahlverfahren unserer Jury aus insgesamt 743 Bewerbungen durchgesetzt. Sie wird von Mai an für ein halbes Jahr als Bloggerin das Mittelrheintal erkunden und darüber berichten. 

    Burgenbloggerin: Jessica Schober
    Burgenbloggerin: Jessica Schober.
    Foto: Marcus Schwarze

    Schober ist Absolventin der Deutschen Journalistenschule. Vor Kurzem hat sie sich einen Namen als "Wortwalz" gemacht: Dabei unternahm sie eine mehr als dreimonatige Tour durch Deutschland nach Art der Handwerker und Wandergesellen; sie besuchte dabei Lokalredaktionen im gesamten Bundesgebiet, schrieb einige Artikel und wanderte dann weiter. 

    Ihre Bewerbung als Burgenbloggerin hatte sie unter der Adresse burgenblogger.tumblr.com veröffentlicht, über ihre Wanderung schreibt sie unter www.wortwalz.de. "Meine Wortwalz ist das beste Gesellenstück für meine Bewerbung als Burgenbloggerin", schrieb Schober. "Ich will immer Neues ausprobieren. Mal bin ich ein Teebeutel und teste neue Sportarten, dann Dating-Apps oder auch mal ein Single-Hotel". Sie hat dabei ein seltsames Hobby, wie sie bekennt: "Ich sammele Menschen. Ich kann nicht genug von ihnen bekommen, den Scheiternden, den Lachenden, den Suchenden. Über solche Menschen schreibe ich."

    Die Burgenbloggerin hat im Mittelrheintal einiges vor: "Ich will das Haus beleben, den Burgfrieden stören." Sie will einen Geo-Cache auf dem Gelände verstecken und gucken, wer ihn suchen kommt, ein "biologisch abbaubares Moos-Graffiti" an der Burgmauer anbringen ("300 g Moos, 120 ml Buttermilch"), und sie will "die Güterwaggons aller Züge an einem Tag" zählen.

    Letzteres deutet darauf hin, das es bei der Arbeit als Burgenbloggerin nicht ums "Schönschreiben" der Region und ihrer Menschen geht, sondern um authentische, ehrliche Beobachtungen – ganz so, wie es die Initiatoren der Burgenblogger-Aktion sich vorstellen: Beobachtungen im Spannungsfeld zwischen Rhein-Romantik und Mittelrhein-Realität.

    Das ist die Aktion Burgenblogger

    Die Generaldirektion Kulturelles Erbe des Mittelrheintals, die Rhein-Zeitung und die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz hatten im vergangenen August die Stelle eines Burgenbloggers ausgelobt. Für eine Aufwandsentschädigung von 2000 Euro soll die Bloggerin im kommenden Jahr von der Burg aus "der Seele und dem Pulsschlag des Mittelrheintals nachspüren", wie es in der Ausschreibung geheißen hatte. Auf den Aufruf, sich zu bewerben, waren 743 Bewerbungen eingegangen – eine stattliche Zahl auch wegen der zahlreichen redaktionellen Berichte, die in überregionalen Medien und sogar im Ausland veröffentlicht wurden. Bewerbungen kamen aus der ganzen Welt, vielfach wurden bereits eigene Blogs zum Thema begründet. Die Jury war schier überwältigt von der Kreativität der Menschen, die sich schon vor dem eigentlichen Start im nächsten Jahr stark mit dem Mittelrheintal auseinandersetzten. 

    Von Marcus Schwarze

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