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    RZ-INTERVIEW Experte: Korruption ist das Hauptproblem – Drogen Kartell Südamerika

    Der Drogenkrieg in Mexiko fordert jedes Jahr Tausende Tote. Die großen Kartelle operieren weltweit und setzen Milliarden um.

    Foto: dpa

    Berlin. Der Drogenkrieg in Mexiko fordert jedes Jahr Tausende Tote. Die großen Kartelle operieren weltweit und setzen Milliarden um. Rein militärisch lässt sich dieser Konflikt nicht lösen, sagt Friedemann Schirrmeister, Politikwissenschaftler am Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung, im Interview. Das Hauptproblem ist aus seiner Sicht die Korruption im Land.

    Wie kam der Drogenkrieg nach Mexiko?

    Die meisten Drogen kommen aus Lateinamerika. Kokain wird zum Beispiel vor allem in Kolumbien, Peru und Bolivien produziert. Anfang der 90er-Jahre wurde der größte kolumbianische Drogenbaron, Pablo Escobar, erschossen und sein Kartell durch das Militär zerschlagen. In dieses Machtvakuum sind die Mexikaner vorgestoßen, vor allem als Logistiker. Mexiko ist eine Drogendrehscheibe, hauptsächlich in Richtung USA, aber auch über Afrika nach Europa.

    Wie konnten die mexikanischen Kartelle so mächtig werden?

    Sie haben von Kolumbien gelernt. Die mexikanischen Drogenkartelle verdienen nur noch 50 Prozent ihres Umsatzes mit Drogen. Die andere Hälfte ist organisierte Kriminalität – von Schutzgelderpressung bis hin zum Menschenhandel. Besonders illegale Grenzübertritte in die USA sind ein ganz großes Geschäft. Es gibt auch schon Beweise, dass die mexikanische Drogenmafia beim Ölgeschäft mitmischt. Sie stiehlt Öl vom staatlichen Ölkonzern Pemex. In Guatemala versuchen mexikanische Kartelle sogar, die Macht zu übernehmen.

    Ist Korruption im Zusammenhang mit den Kartellen Mexikos größtes Problem?

    Ja. 50 Prozent der lokalen Administration sind unterwandert. Das dramatischste Beispiel ist der Bundesstaat Sinaloa mit dem mächtigen Sinaloa-Kartell. Dort haben sich die Leute daran gewöhnt, vom Staat fast nichts zu erwarten. Das Kartell kümmert sich um Schulen und Kindergärten, um Häuser und Straßen. Für viele arbeitslose Jugendliche sind die Kartelle die einzige Möglichkeit, sich das Überleben zu sichern. Die Drogenmafia ist also ganz tief in der Zivilgesellschaft verwurzelt. Die Kartelle machen sich beliebt, und deshalb ist es unglaublich schwierig, ihre Bosse zu fassen.

    Also ist es ein Armutsproblem?

    Ja. Ein Polizist auf dem Land mit drei Kindern kann seine Familie von seinem Lohn nicht durchbringen. Dann schaut er eben mal weg, wenn ein bestimmter Lastwagen die Straße entlangfährt – und schon bekommt er ein zweites Gehalt. Der Staat greift jetzt zwar härter gegen Korruption durch. 2010 sind zum Beispiel auf einen Schlag 1000 Zollbeamte entlassen worden und auch Polizisten. Aber damit löst man das Problem nicht. Es ist doch klar, wo die hingehen. Es muss einen Anreiz geben, sich nicht von der anderen Seite bezahlen zu lassen. Jetzt ist es genau umgekehrt.

    Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?

    In Mexiko wehrt sich der Staat seit 2006 mit einer Militäroffensive gegen die Kartelle. Da sind mittlerweile über 30 000 Soldaten im Einsatz. Die USA unterstützen diesen Kampf sowohl mit Geld als auch mit Waffen. US-Außenministerin Hillary Clinton hat bereits von einer Mitschuld gesprochen, weil es in den USA einen großen Hunger nach Drogen gibt und das die Kriminalität in Mexiko fördert. Aber selbst ohne den US-Konsum würde sich das Problem nicht lösen. Das Geschäft expandiert dann eben über Afrika. Rein militärisch ist dieser Krieg nicht zu gewinnen.

    Es gibt also gar keine Chance?

    Es ist sehr schwierig. Der Staat könnte sich darauf konzentrieren, die Korruption in den eigenen Reihen in den Griff zu bekommen. Und finanzielle Mittel sollten nicht derart massiv ins Militär fließen. Viel wichtiger wäre es, Stück für Stück das Vertrauen der Menschen in den Staat wieder zurückzugewinnen.

     

    Die Fragen stellte Ulrike von Leszczynski

    Mexiko versinkt im DrogenkriegDie Macht der mexikanischen Drogenkartelle
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