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    Gesundheit: Falsches Essen und zu wenig Sport lassen Leber leiden

    Die schlechte Nachricht: Die Fettleber, eine krankhaft vergrößerte Leber, ist in unserer bewegungsarmen Konsumgesellschaft immer mehr verbreitet. Wirksame Medikamente und Behandlungen sind noch nicht in Sicht.

    Bei jedem dritten Erwachsenen ist zentrales Stoffwechselorgan krankhaft vergrößert.
    Bei jedem dritten Erwachsenen ist zentrales Stoffwechselorgan krankhaft vergrößert.
    Foto: dpa

    Doch Experten wie Prof. Dr. Volker Schmitz, Chefarzt am Krankenhaus St. Marienwörth in Bad Kreuznach, haben auch eine gute Nachricht: Betroffene haben es selbst in der Hand, dass die Leber nicht schwerer erkrankt, indem sie ihre Ernährung umstellen und zumindest etwas Gewicht verlieren. Über das Volksleiden Fettleber spricht Schmitz im Interview:

    Experten schätzen, dass jeder dritte Erwachsene eine krankhaft vergrößerte Leber hat. Wie kommt es denn zu einer solchen Fettleber?

    Wie an anderen Stellen des Körpers entsteht vor allem durch Fette und Kohlenhydrate ein Nettokalorienüberschuss. Dieser wird im Fettgewebe, aber auch in den Leberzellen abgespeichert. Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan und ist für den gesamten Fetttransport aus dem Darm und die weitere Verarbeitung von Kohlenhydraten in Speicherstoffe verantwortlich. Diese Speicherung braucht Platz. Gibt es einen Überschuss dieser Stoffe, macht das die Leber groß und kräftig. Im Ultraschall ist dies in der Leber dann meist weißlich zu erkennen.

    Welche Menschen leiden typischerweise unter einer Fettleber?

    Die Mehrzahl der Patienten sind übergewichtig. Es gibt aber keinen bestimmten Wert, einen Body-Mass-Index, ab dem es dazu kommen muss. Doch die Wahrscheinlichkeit, eine Fettleber zu haben, steigt, wenn ein Patient stark übergewichtig ist, also ab einem Body-Mass-Index von 30. Aber: Auch ein Idealgewicht schützt nicht vor einer Fettleber, zugleich muss ein adipöser Mensch nicht daran erkranken. Das zeigt, dass neben einer Nahrung mit einer hohen Energiedichte auch andere Faktoren eine Rolle spielen: die genetischen Eigenschaften und vor allem Alkohol. Daher wurden die Grenzen des noch verträglichen täglichen Alkoholkonsums heruntergesetzt: Früher lagen diese bei 20 Gramm Alkohol für eine Frau und bei 
40 Gramm für einen Mann. Heute empfehlen wir 10 (Frauen) und 20 Gramm (Männer).

    Was bedeutet das konkret?

    Das sind für eine Frau ein bis zwei Gläser Wein, für einen Mann drei bis vier. Beim Bier etwas mehr.

    Das wäre täglich erlaubt?

    (schmunzelt) Nein. Zu bedenken ist, dass es verschiedene Faktoren gibt, die eine Rolle spielen. Dadurch ist die Organreserve für Belastungen bereits ausgereizt. Will heißen: Ein Mensch, der eine Vorerkrankung in der Leber wie eine Hepatitis, eine Autoimmunerkrankung oder eine medikamentöse Belastung hat, der muss das verändern, was er selbst beeinflussen kann: die Ernährung und den Alkoholkonsum. Außerdem ist zu bedenken, dass die Fettleber Teil eines Gesamtkrankheitsbildes ist – des metabolischen Syndroms.

    Das heißt?

    Das ist eine Überanstrengung des Körpers, die vor allem durch eine hyperkalorische Ernährung ausgelöst wird – das heißt, dass durch die Nahrung mehr Energie aufgenommen wird als der Körper verbraucht. Dies führt zu Vorstufen oder einer manifesten Diabetes sowie zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Leber ist dann Teil eines aus dem Gleichgewicht geratenen Systems und leidet. Ab einem gewissen Grad schädigt die Leber das Gesamtsystem aber auch selbst, indem sie etwa das Hormonsystem, den Kreislauf, die Herzaktivität oder die Nierenfunktion negativ beeinflusst. Das ist bei der Fettleber noch nicht der Fall. Aber bei einem Fünftel der Patienten entwickelt sich daraus eine fortschreitende Lebererkrankung. Das heißt: Die Überanstrengung der Leber muss nicht in einem Schaden enden. Aber je mehr das Organ belastet ist, umso wahrscheinlicher ist dies.

    Welche Funktion hat die Leber in diesem größeren System?

    Die Leber übernimmt die Verarbeitung aller über den Magen-Darm-Trakt aufgenommenen Stoffe. Sie ist das Kraftwerk des Körpers, das zentrale Stoffwechselorgan. Es wandelt etwa Zucker oder Kohlenhydrate, etwa Brot, zu Fett um und kann es einlagern. Damit nimmt die Leber Einfluss auf den Glukosestoffwechsel, in Verbindung mit anderen Organen wie der Bauchspeicheldrüse. Und die Leber entgiftet.

    Merken Patienten, wenn ihre Leber krankhaft vergrößert ist?

    In der Regel bemerken sie das nicht. Allenfalls gibt es Symptome wie Abgeschlagenheit oder Müdigkeit, die sich bei einer fortgeschrittenen Erkrankung bemerkbar machen können, die aber auch bei anderen Krankheiten und auch bei Gesunden auftreten können. Feststellen lässt sich die Fettleber erst durch einen Ultraschall oder eine Veränderung der Leberwerte, wenn es bereits zu einer Entzündung gekommen ist.

    Wie entsteht diese Entzündung?

    Mit einem bestimmten Maß an Fetteinlagerung kommt die Leber zurecht. Wenn diese Kapazitäten aber überbeansprucht werden, werden vermehrt Sauerstoffradikale, also schädliche Formen des Sauerstoff freigesetzt. Außerdem löst zu viel Fett ab einem gewissen Grad in der Leber einen programmierten Zelltod aus. Warum dies geschieht, ist noch nicht endgültig geklärt. Wir wissen nur, dass es zu Entzündungsreaktionen kommt. Dies setzt Leberenzyme frei, die in den Kreislauf gelangen und als erhöhte Blutwerte auffallen.

    Wie kann dies zu Krebs führen?

    In der Regel führt eine Entzündung zu einer vermehrten Zellteilung und zu einer Wiederherstellung zerstörten Gewebes. Doch nicht immer heilen geschädigte Leberteile. In 20 Prozent der Fettleber-Fälle entsteht über 10 bis 25 Jahre eine Fibrose, eine krankhafte Vermehrung des Gewebes, oder sogar eine Zirrhose, eine Vernarbung und krankhafte Schrumpfung des Gewebes. Beides sind Vorstufen von Krebs. Das Risiko, dass sich daraus ein Karzinom entwickelt, liegt aber nur bei etwa 3 bis 5 Prozent pro Jahr. Es gibt aber auch Krankheitsverläufe, bei denen sich direkt aus einer Fettleber heraus ein Karzinom entwickelt, ohne dass es vorher zu einer Zirrhose kommt. Das sind zwar sehr wenige, aber zunehmend mehr Fälle. Bei den über 65-Jährigen ist die Fettleber mit ihren Komplikationen mittlerweile die häufigste Ursache, die zu einer Lebertransplantation führt. Das liegt unter anderem daran, dass bei einer Fettleber das verbleibende Restgewebe nicht immer ausreicht, um bei einer sonst üblichen teilweisen Leberentfernung die volle Funktion zu gewährleisten.

    Wäre ein Früherkennungsprogramm bei der Fettleber sinnvoll?

    Das ist nur unter drei Bedingungen sinnvoll: Erstens müssen viele Menschen betroffen sein. Das ist der Fall. Zweitens muss es adäquate diagnostische Mittel geben. Das ist schon schwieriger. Goldstandard ist die Leberbiopsie, eine relativ invasive Untersuchung. Hier sind wir Ärzte noch gefordert. Drittens braucht man aber griffige und gut verfügbare Therapieansätze. Das bleibt eine große Herausforderung. Lange Zeit wurden Medikamente für Diabeteserkrankungen oder Fettstoffwechselstörungen eingesetzt. Doch sie haben bislang nicht zu einer flächendeckenden Verbesserung der Probleme geführt. Daher ergibt eine Früherkennung nur insofern Sinn, wenn man Betroffene zu einer gesunden Lebensführung bringen kann. Mehr Bewegung, weniger Kalorien und weniger Alkohol.

    Ist das nur Vorsorge?

    Nein. Es ist auch eine sehr wirksame Therapie. Bei einer Fettleber handelt es sich keineswegs um eine Erkrankung, die sich nicht zurückdrehen lässt, zumal die Zeit, bis es zu einer Schädigung der Leber kommt, sehr lang ist. Eine Veränderung des Lebensstils ist daher sehr wirksam. Eine deutliche Gewichtsreduzierung ist im ersten Schritt gar nicht nötig. Es reicht oft schon, drei bis fünf Kilo abzunehmen, um die Größe der Leber zu reduzieren und die Werte zu verbessern. Das sollte jedem Mut machen. Zu empfehlen ist eine Gewichtsreduktion von einem halben Kilo pro Woche durch gesunde, kalorienreduzierte Mischkost und viel Bewegung. Wer also den Kalorien- und Alkoholkonsum einschränkt, kann viel erreichen. Das ist bisher deutlich wirksamer als die Einnahme von Medikamenten, vor allem ist es ohne Nebenwirkungen und gesund.

    Das Gespräch führte Christian Kunst

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