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    Drogen oder Waffen – Im Darknet gibt es alles

    Die Landeszentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz hat die 
kriminellen Seiten des Internetmarktplatzes im Visier. Dort sind die Ermittler Kriminellen im Internet auf der Spur. Unsere Chefreporterin Ursula Samary hat die Landeszentrale Cybercrime besucht.

    Im großen Stil werden nach den Worten von Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer und Staatsanwalt Alexander Fassel vor allem Drogen über illegale Onlinehändler umgeschlagen.
    Im großen Stil werden nach den Worten von Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer und Staatsanwalt Alexander Fassel vor allem Drogen über illegale Onlinehändler umgeschlagen.
    Foto: Thomas Frey

    Der Großhandel mit Drogen, Waffen, Pässen oder Pornografie verlagert sich in immer größeren Dimensionen von zwielichtigen Spelunken ins sogenannte Darknet – in eine dunkle und parallele Internetwelt. Immer stärker nutzen auch Erpresser die abgeschotteten Kanäle, um mit – ebenfalls käuflicher Software für Hackerangriffe – bei Firmen wie bei Krankenhäusern das große Geld abzuzocken. Die für den illegalen Handel notwendigen Computerprogramme lassen sich legal und gratis aufs heimische Gerät laden. Der Anonymisierungsdienst "Tor" beispielsweise hilft, die Spuren beim Datenaustausch zu verwischen oder auch Rechnerstandorte sowie IP-Adressen zu verschleiern. Um das dunkle Netz der professionell agierenden Kriminellen gezielter auszuleuchten, hat die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz vor zwei Jahren die Landeszentralstelle Cybercrime (LZC) mit inzwischen drei Spezial-Staatsanwälten aufgebaut.

    Ob Waffen, Pässe oder Drogen: Auf den Online-Marktplätzen des Darknets gibt es alles

    Schon beim ersten Blick aufs Darknet zeigt sich für Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer erschreckend: Per Mausklick lässt sich – wie bei Angeboten von normalen Onlineversandhändlern oder im digitalen Otto-Katalog – wählen, ob man illegale Waffen, Drogen oder Pässe kaufen will. Wie auf einem (Online-)Marktplatz orientieren sich Käufer an Bewertungen anderer Kunden. Die Kommunikation über das Programm läuft etwas zäh an – denn die digitalen Wege laufen über mehrere Knotenpunkte in den unterschiedlichsten Ländern der Erde, bis sich die Seite öffnet.

    Umso rasanter wächst das dunkle Internetgeschäft, wie auch erste Erfolge der LZC belegen: Allein bei dem aufgeflogenen Onlinehändler "Chemical Love" konnten Fahnder aus Koblenz und Verden feststellen, dass aus dem Drogenlager in Rülzheim (Kreis Germersheim) täglich bis zu 50 Postsendungen mit Drogen verschickt wurden – im geschätzten Wert von mindestens 1,3 Millionen Euro. Der über höchst konspirative Adressen angebahnte Deal läuft über Vorkasse – gegen Bitcoins, eine digitale Währung. Mit bundesweiten Razzien, bei denen zuletzt Ende August 300 Polizisten 68 Objekte von 63 Tatverdächtigen durchsuchten, wurde dieser Onlineshop ausgehoben, der zu Deutschlands größten gezählt wurde.

    Bereits zuvor hat die Koblenzer Zentralstelle vier mutmaßliche Drogendealer, die auch Kunden in Rheinland-Pfalz belieferten, in Bayern verhaften lassen. Bei dem Quartett konnte sie noch Drogen im Schwarzmarktwert von etwa 130.000 Euro und Bitcoins im Gegenwert von rund 340.000 Euro beschlagnahmen. Um Bitcoins für die Landesjustizkasse bei einer Münchener Bank umzutauschen, hat die Generalstaatsanwaltschaft übrigens inzwischen auch ein Bitcoin-Wallet, eine virtuelle Brieftasche.

    Spätestens beim Warenversand müssen die Täter wieder in die reale, analoge Welt

    Mit welchen verdeckten Methoden und Lockvögeln die Cyberkriminalisten den Gangstern auf die Spur kommen, verraten Generalstaatsanwalt Brauer und einer der Spezialisten, Staatsanwalt Alexander Fassel, nicht. Ihre verdeckte Kampfansage lautet nur: "Wir nutzen alle, aber wirklich alle Mittel der Strafprozessordnung aus." Was dies bedeutet, behalten die Staatsanwälte für sich. Wie es offiziell immer wieder heißt, lassen sich die Adressen und E-Mails in der kryptierten Geheimwelt der Internetforen nicht knacken. Aber: "Einmal müssen die Onlinehändler auch zurück in die reale, analoge Welt", etwa beim Verschicken der heißen Ware, wie Brauer sagt.

    Das Darknet ist ein Quell illegaler Machenschaften. Diese Waffe von SIG Sauer ist nur eine aus dem riesigen Arsenal, das im Darknet erhältlich ist.
    Das Darknet ist ein Quell illegaler Machenschaften. Diese Waffe von SIG Sauer ist nur eine aus dem riesigen Arsenal, das im Darknet erhältlich ist.
    Foto: Thomas Frey

    Dies musste auch der Waffenhändler erfahren, der dem späteren Münchener Amokläufer übers Darknet die Pistole Glock 14 samt 350 Patronen verkaufte. Damit erschoss Ali David S. (18) neun Menschen und sich selbst. Der Waffenverkäufer flog bei einem Scheingeschäft bei der Übergabe einer MP in Marburg auf. An einer Packstation von Bad Kreuznach klickten für einen 25-Jährigen aus Idar-Oberstein die Handschellen, der aber noch keine Menschenleben auf dem Gewissen hatte: Er wollte an der Packstation eine Handgranate abholen – nicht ahnend, dass er sie im Darknet bei einem verdeckten FBI-Ermittler bestellt hatte, der die Waffe ohne Sprengstoff lieferte. Zur Abschreckung verhängte das Amtsgericht Bad Kreuznach eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

    Das Darknet hat eben auch seine ausgeleuchteten Seiten: Allein die noch junge Koblenzer Zentralstelle hat in den vergangenen zwei Jahren 1500 Fälle aus der Schattenwelt bearbeitet. Wie schnell sich die Internetkriminalität entwickelt, zeigen auch Zahlen des Bundeskriminalamts: Danach gab es 2015 bereits mehr als 45.000 erfasste Cybercrime-Fälle. Dabei ist die Dunkelziffer hoch – denn bundesweit gibt es noch relativ wenige Spezialisten, die bei Justiz und Polizei ermitteln. Hinzu kommt: Viele Opfer digitaler Erpressung erstatten keine Anzeige – und zahlen lieber das geforderte Schutzgeld für ihre Daten, ohne aber sicher zu sein, sie auch wiederzuerhalten.

    Auch Hacker-Software wie Trojaner wird im Darknet gehandelt

    Um Privatpersonen, Firmen oder auch Kliniken abzuzocken, müssen die Täter nicht unbedingt Internetprofis sein. Wie ein Fall aus Mayen zeigt, lassen sich solche digitalen Hackermethoden auch im Darknet bestellen. Nach akribischen Ermittlungen der Mayener Polizei wurden im April in 16 Bundesländern sowie in den Niederlanden, Frankreich und Kanada 175 Wohnungen und Firmen von 170 Verdächtigen durchsucht. Als mutmaßlicher Kopf des Hacker-Rings gilt ein 22-Jähriger aus dem Raum Mayen. Die Täter sollen mit Trojanern gehandelt haben, die für Antivirenprogramme unsichtbar waren und mit denen sich Passwörter und Bankdaten ausspionieren ließen. Wie hoch der Schaden ist, der mit dieser Schadsoftware von den Käufern angerichtet wurde, steht bisher noch nicht fest. Denn bislang konnten in dem Massenverfahren noch nicht alle Daten und Spuren zu den Kunden des Hacker-Rings ausgewertet werden.

    Keine Frage: Der Generalstaatsanwalt sieht die Zentralstelle Cybercrime mit der Arbeitskraft von 2,5 Staatsanwälten angesichts der komplexen Fälle, der rechtlichen Probleme und der vielen Auslandsbezüge samt Rechtshilfeersuchen nicht gerade üppig besetzt. Ob er aber auf einen Staatsanwalt mehr hoffen kann, ist angesichts der schwierigen Haushaltsberatungen noch völlig offen.

    Aktuelle Warnung vor einer neuen Betrugsmasche

    Aktuell warnen Generalstaatsanwalt Brauer und sein Spezialist Fassel Firmen vor einer neuen, bundesweit bereits grassierenden Methode. Mit der Masche „CEO-Frauds“ geben sich Betrüger „in täuschend echt wirkenden E-Mails“ als Unternehmenschef aus und bitten ihren Finanzchef, möglichst diskret und ohne Rücksprache eine hohe Geldsumme für einen angeblich geplanten Firmenkauf auf das Konto einer ausländischen Bank zu überweisen. Wird eine Firma nicht transparent geführt oder fehlen klare Abspracheregeln, können die Verluste in die Millionen gehen. Wer Geld überweist, hat es in der Regel auch schon für immer verloren. Brauer kann deshalb nur zu Vorsicht raten.

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