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    Kommentar: Eine "unsichtbare" Energiewende kann es nicht geben

    Wenn es um die Energiewende geht, ist Otto Normalbürger ein gespaltenes Wesen: Fast jeder ist nach der Katastrophe von Fukushima für den Ausstieg aus der Atomenergie. Doch wenn es um die Auswirkungen der Abschaltung der Reaktoren geht, dann erfolgen reflexhafte Abwehrreaktionen: ein Windrad bloß nicht in Sichtweite und ein Strommast auf gar keinen Fall in meinem Ort.

    Marcelo Peerenboom
    Marcelo Peerenboom

    CSU-Chef Horst Seehofer, der gern den populistischen Vorreiter gibt, hat dafür gesorgt, dass der massenhaft im Norden produzierte Windstrom nicht, wie ursprünglich geplant, mittels überirdischer Stromtrassen in Richtung Süden transportiert werden soll, sondern über Erdkabel. "Monstertrassen" wolle er damit verhindern, gab er zu Protokoll. Das gilt auch für die riesige Stromautobahn zwischen Emden in Niedersachsen und Philippsburg in Baden-Württemberg. Netzbetreiber Amprion hat am Mittwoch mitgeteilt, dass zumindest der Nordteil der Leitung von Emden bis in der Nähe von Düsseldorf unterirdisch verlegt werden soll. Dazu ist auch eine Untertunnelung des Rheins vorgesehen - verbunden mit einer Verteuerung des kompletten Projekts um den Faktor drei bis vier. Was mit dem südlichen Abschnitt, der auch durch Weißenthurm über Wallersheim, Urbar und Eitelborn in Richtung Hessen führt, ist noch offen. Derzeit ist von Überlandleitungen die Rede. Noch. Denn auch im nördlichen Rheinland-Pfalz regt sich Widerstand. Man fürchtet Gesundheitsschäden und kritisiert die Nähe zu Wohngebieten.

    Dabei muss eines klar sein: Die Energiewende gibt es weder "unsichtbar" noch zum Nulltarif. Natürlich hört es sich verlockend an, die Stromautobahn einfach unter die Erde zu verlegen - ganz nach dem Motto: "Aus dem Auge, aus dem Sinn". Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Technik der Erdverkabelung noch so gut wie unerforscht ist. Man habe keine belastbaren Betriebserfahrungen, räumt Amprion ein. Wie sich das elektromagnetische Feld unter der Erde und die Erwärmung auswirken, ist unklar. Und Erdkabel machen einen gewaltigen Eingriff in die Landschaft notwendig.

    Wir brauchen also nicht nur einen gesellschaftlichen Konsens über den Ausstieg aus der Atomenergie, sondern auch dazu, welchen Preis wir für die Energiewende zu zahlen bereit sind.

    marcelo.peerenboom@rhein-zeitung.net

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