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    LONDON

    Lukrativ und “moralisch verwerflich”: Britische Promis müssen Steuerflucht aufgeben

    Britischer Humor vom feinsten: „Bin ich der Einzige, der enttäuscht ist? Zehn Jahre nach dem Tschernobyl-GAU, und es gibt noch immer keine Superhelden“. Eine Zugabe gefällig? „Katzen haben neun Leben, was sie ideal für Experimente macht“.

    LONDON. Britischer Humor vom feinsten: „Bin ich der Einzige, der enttäuscht ist? Zehn Jahre nach dem Tschernobyl-GAU, und es gibt noch immer keine Superhelden“. Eine Zugabe gefällig? „Katzen haben neun Leben, was sie ideal für Experimente macht“.
    Normalerweise lachen sich die Briten schlapp über die spritzigen Einzeiler des berühmten Komikers Jimmy Carr, der seine skurrilen und bitterbösen Bonmots im Fernsehen oder auf der Bühne stets mit einer todernsten Miene vorträgt. Doch den neuesten Scherz des 39-jährigen Stars aus London fand keiner lustig.

     

    „Wessen ,moralischer Kompass‘ soll ich sein? Wenn Murdoch deine Moral hinterfragt, dann hast du ein Problem“, sagte am Dienstag Carr bei einer Stand-up-Comedyshow in Tunbridge Wells. Es klang verzweifelt. Am selben Tag hatte die Times dem beliebten Unterhalter in einem Bericht „unmoralische“ Steuerflucht im gewaltigen Ausmaß vorgeworfen. Jimmy Carr, so fanden investigative Reporter heraus, schleust jährlich 3,3 Millionen Pfund (4 Millionen Euro) am Fiskus vorbei, indem er einen Teil seiner Einnahmen in einen Fonds namens K2 im Steuerparadies Jersey transferiert, der dem Star das Geld „zurück leiht“. Nach Medienberichten werden solche Darlehen in Großbritannien gar nicht oder nur zum geringen Satz von einem Prozent versteuert.

     

    Carr ist keineswegs der Einzige, der von diesem dubiosen, aber völlig legalen Schema profitieren soll. Laut den Times-Recherchen sollen weitere etwa 1000 britische Großverdiener mit Hilfe von K2 auf der 14 mal 8 Kilometer großen Insel im Ärmelkanal mehr als 200 Millionen Pfund außer Reichweite der Steuerbehörde HMRC gebracht haben. Andere Reiche und Prominenten aus dem Königreich machen sich nicht einmal die Mühe, den „Kronbesitz“ der Queen aufzusuchen. Sie nutzen einfach die offenen Steuerschlupflöcher in London. Besonders pikant: Nach Times-Angaben sollen auch der Popstar Gary Barlow und zwei weitere Bandmitglieder von „Take That“ (aber nicht Robbie Williams) als Kunden eines obskuren Unternehmens in der City „mindestens 26 Millionen Pfund“ vor der HRMC versteckt haben. Barlow, der ein Riesenkonzert der BBC zum Diamantenen Thronjubiläum der Queen organisiert hat, hat erst vor einer Woche von der dankbaren Elizabeth II. den Orden "Officer of the British Empire" (OBE) bekommen. Jetzt fragen sich viele Briten, ob der 41-jährige Musiker die hohe Auszeichnung verdient hat.

     

    Es ist die neue Lieblingsbeschäftigung der Medien in London: die „gierigen“ Künstler, Sportler oder Unternehmen an den Pranger zu stellen, die sich in wirtschaftlich harten Zeiten unsolidarisch mit den ehrlichen Steuerzahlern zeigen. Neben Carr und Osborne wurden jetzt in diesem Zusammenhang auch der frühere Fußball-Nationaltrainer Terry Venables, der Stürmer Wayne Rooney und der Ex-Weltmeister im 110-Meter-Hürdenlauf, Colin Jackson, genannt. Selbst David Cameron konnte es sich nicht nehmen, in der Bloßstellungskampagne ein Wörtchen mitzureden. Was Jimmy Carr und andere Steuerflüchtlinge machen würden, sei „moralisch verwerflich“, sagte der Premier in einem Interview: „Die Leute arbeiten hart, um Tickets für seine Shows kaufen zu können. Es ist moralisch falsch von Carr, die Einnahmen in suspekte Steuerfluchtmodelle zu stecken”, kritisierte am Mittwoch Cameron.

     

    Der ungewöhnliche Rüffel des Regierungschefs zeigte Wirkung: Der beschämte Star gestand gestern seinen „furchtbaren Fehler“ und gelobte, in Zukunft „verantwortungsvoll“ mit seinen Finanzen umzugehen. „Ich bin kein K2-Kunde mehr und bitte alle um Entschuldigung“, schrieb der Komiker im sozialen Netzwerk Twitter. Jetzt fragen sich die Briten: Wer wird der Nächste sein?

     

    Von ALEXEI MAKARTSEV

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