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    RZ-KOMMENTAR: FDP pokert um ihre neue Spitze und um einen neuen Kurs

    Auf jedem Schiff, das dampft oder segelt, gibt es einen, der die Sache regelt“, sagte Guido Westerwelle mit dem Zusatz „Ich“. Nur: Nach dem Desaster bei drei Landtagswahlen schaukelt das FDP-Schiff in der Glaubwürdigkeitskrise so stark, dass die Mannschaft laut meutert und dem Kapitän doch „den Schneid abkauft“.

    Auf jedem Schiff, das dampft oder segelt, gibt es einen, der die Sache regelt“, sagte Guido Westerwelle mit dem Zusatz „Ich“. Nur: Nach dem Desaster bei drei Landtagswahlen schaukelt das FDP-Schiff in der Glaubwürdigkeitskrise so stark, dass die Mannschaft laut meutert und dem Kapitän doch „den Schneid abkauft“.

    Am Ende blieb ihm nur noch das Kommando, vor und nicht nach der Präsidiumssitzung seinen Abgang anzukündigen. Auffallend: Er kämpft nur noch um das Amt als Außenminister, das des Vizekanzlers sprach er in seiner kurzen Rede gar nicht an. Das lässt ahnen, welcher Machtkampf hinter den Berliner Kulissen tobt.

     

    Mit 49 Jahren muss Westerwelle ankündigen, dass er für einen Generationswechsel sorgen will. Dabei hat er die „Boygroup“ mit Philipp Rösler (38), Christian Lindner (32) und Daniel Bahr (34) im Auge, die mit den Hufen scharrt. Nur, die Liberalen sind keine „Boygroup“. Die vielen jungen Leute, die mit Guidos Höhenflug einen Triumph von 14,6 Prozent bei der Bundestagswahl erlebten, haben der Partei längst wieder enttäuscht den Rücken gekehrt. Mit ihnen hat sich auch das Bürgertum gleich abgewendet, das Westerwelle mit seinen schrillen Tönen und den Illusionen von Steuersenkungen abgeschreckt hat und das eine Klientelpartei zunehmend unsympathisch fand.

     

    In der Politik zählt eben auch verlässliche Glaubwürdigkeit. Die FDP braucht neben einem neuen Vorsitzenden auch Erfahrung, auch die, dass sich die Partei inhaltlich erneuern muss, ohne beliebig zu werden. Die FDP ist traditionell nicht nur eine Wirtschaftspartei. Es war auch einmal ihre Stärke, mit Bildungsfragen zu punkten und für Bürgerrechte zu kämpfen. Diese Themen haben weiter Hochkonjunktur, nur die FDP eben nicht.

     

    Ob Gesundheitsminister Rösler oder Generalsekretär Lindner jetzt die Stunde schlägt, wird sich vielleicht schon heute zeigen. Vieles spricht nach Lindners plötzlichem Atom-Schwenk für den ruhigen Rösler. Aber hat der 38-Jährige nicht erklärt, dass er mit 45 mit der Politik Schluss machen will? Der Niedersachse, der sich auch einmal an der Gesundheitsreform messen lassen wollte, kann sein asiatisches Motto jedenfalls gut brauchen: „Bambus wiegt sich im Wind, biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht.“

     

    Da der im Umfragetief steckende Arzt jetzt auch aufs populärere Amt von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle spekuliert und Lindner ein großes Talent für den Fraktionsvorsitz ist, wird in Berlin nun hart um Machtpositionen in Koalition und Partei gepokert.

     

    E-Mail an: ursula.samary@rhein-zeitung.net

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