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    KONTRA: Beleidigung fürs aufgeklärte Netz

    Christian Kunst hält nichts von der Kony-Kampagne

    Autor: Christian Kunst
    Christian Kunst kommentiert.

     

    In den 80er- und 90er-Jahren gab es in linken Tageszeitungen eine Anzeigenkampagne: Mit Unterschriften oder Geldspenden konnten Gutmenschen ihre Solidarität abwechselnd für Kuba oder Lateinamerika bekunden. Heute reicht ein Klick im Internet aus, um sein schlechtes Gewissen als reicher, von Freiheit und Konsum verwöhnter Mensch des Westens zu beruhigen. Die besonders emsigen Gutmenschen bestellen noch ein Aktionspaket, um ihre Abscheu gegen den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony auch mit Armbändern und Plakaten in die Öffentlichkeit zu tragen.

    Wie für den Aktionismus der deutschen Linken in der Vergangenheit gilt auch für die neue, von der kalifornischen Organisation Invisible Children gesteuerte Kampagne: Sie ist gut gemeint, basiert aber auf einem drolligen, positiv ausgedrückt erschreckend naiven Verständnis von Weltpolitik. Die ist komplexer, als dass man sie mit einem Klick ändern könnte.

     

    Was aber noch viel schlimmer ist: Den Machern scheint es vor allem um ihre Selbstvermarktung zu gehen. Eingekleidet in eine bunte Folge von Facebook-Fetzen, erzählt Kampagnenmacher Jason Russell neben der Geschichte des zweifellos verachtenswerten Rebellenführers vor allem seine eigene Biografie – und schreckt dabei nicht einmal vor Bildern der Geburt seines eigenen Sohns zurück. Schlimm ist, dass ein Großteil des Spendengeldes offenbar in die Produktion solcher Videos fließt. Dass Russell jetzt ob des Ruhms auch noch, völlig übergeschnappt, in der Öffentlichkeit masturbiert, spricht für sich. Menschen, die sich für eine Sache wirklich engagieren, muss der Ruhm nicht zu Kopfe steigen.

     

    In Teilen der US-Öffentlichkeit mag Russells, von unkritischer Emotionalität triefendes Video verfangen. Dies mag auch daran liegen, dass seine Botschaft dem Sendungsbewusstsein der USA entspricht – nach dem Motto: Jetzt zeigen wir den Afrikanern mal, wie man einen Rebellenführer vom Hof jagt – ein seltsame Wiederkehr imperialistischer Ideen. Für eine aufgeklärte Internetöffentlichkeit ist diese Kampagne der Bevormundung allerdings eine Beleidigung. Denn sie weiß von der komplexen Lage in Ostafrika, die sich nicht mit einem Klick verändern lässt.

     

    E-Mail an: christian.kunst@rhein-zeitung.net

     

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