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    US-Kaserne: Nierstein macht Druck beim Bund

    Sie würden jetzt gerne Nägel mit Köpfen machen: Ortsbürgermeister Thomas Günther, VG-Bürgermeister Klaus Penzer und Landrat Claus Schick. Seit fast drei Jahren steht das Gelände der Anderson Barracks leer.

    Nierstein - Sie würden jetzt gerne Nägel mit Köpfen machen: Der Niersteiner Ortsbürgermeister Thomas Günther (CDU), Verbandsbürgermeister Klaus Penzer (SPD) und Landrat Claus Schick.

    Seit fast drei Jahren steht das Gelände der Anderson Barracks, die ehemalige US-Kaserne in Sichtweite von Dexheim, leer. 75 Hektar sind dies. "Für die Region ist das eine große Entwicklungschance", sagte Schick. Allein: Passiert ist dort oben seither noch nichts.

    Verantwortlich dafür ist nach Meinung der Kommunalpolitiker die Bundesanstalt für Vermögensangelegenheiten (BIMA). In ihr Eigentum ist das Gelände gefallen, nachdem die Amerikaner weg waren und die Nato sowie die Bundeswehr keine Verwendung dafür hatten. Oberster Dienstherr der BIMA ist Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

    Einen grundsätzlichen Konflikt zwischen Kommunen und Bundesbehörde gibt es nicht. Beide wollen das Gelände entwickeln - Gemeinde, Kreis und VG, um die "Region nach vorne zu bringen" (Günther), die Behörde, um möglichst viel Geld herauszuschlagen.

    Aber genau das ist der Knackpunkt: Um dies zu erreichen, will die Behörde offenbar, dass die Kommunen zunächst genauere Pläne vorlegen, was da oben passieren soll. Damit soll klar sein, welcher Bodenpreis bei einem Verkauf zu Grunde liegt und wie viele Euro in Schäubles Kasse klingeln.

    "Wir wollen aber zuerst kaufen, damit wir schneller handeln können", sagte Günther. Schließlich habe seine Gemeinde Nierstein, in deren Gemarkung das Gelände zu 100 Prozent liegt, sowieso die Planungshoheit. Ohne Nierstein sowie den Kreis und die VG laufe nichts. Der Kaufpreis würde sich demnach am Ackerpreis orientieren.

    "Wir würden der BIMA einen sogenannten Besserungsschein ausstellen", machte Schick aber deutlich, dass der Bund keinesfalls übers Ohr gehauen werden soll. Wenn die Kommunen Grund und Boden am Ende für einen höheren Preis an einen oder mehrere Investoren weiterverkaufen, soll der Bund selbstverständlich an dem Erlös beteiligt werden.

    Was genau am Ende auf das Gelände kommen soll, ist derzeit noch nicht absehbar. Ein erster Teil einer Machbarkeitsstudie hat aber schon mal ergeben, was es nicht geben soll: "Wir wollen keinen weiteren Ortsteil, der weitab vom Rest der Gemeinde zum Getto wird", sagte Günther. Außerdem sollen keine Windkraftanlagen gebaut werden, und ein reiner Einzelhandelsstandort wird es auch nicht.

    Am Ende wird es wohl auf eine Mischung hinauslaufen. Ein kleines Gewerbegebiet für den örtlichen Bedarf, landwirtschaftliche Fläche und Ausgleichsflächen sieht ein Plan vor, der aus dem ersten Teil der Machbarkeitsstudie hervorgegangen ist. Und eine Sonderfläche, auf der die bestehendenden Gebäude nachgenutzt werden können, etwa für Schulungen oder Weiterbildungen.

    Ansonsten müssen aber die meisten Gebäude abgerissen werden, der Zahn der Zeit nagt heftig an ihnen. Zumal die BIMA nichts in den Erhalt oder den Schutz investieren will. Entsprechende Anregungen hat die Behörde vor drei Jahren abgelehnt. "In der Zwischenzeit waren schon einige Goldjäger drin und haben für Verwüstungen gesorgt", sagte Verbandsbürgermeister Klaus Penzer, der letztlich einen Imageschaden befürchtet.

    Um den Weg hin zu einer eventuellen Erschließung ein wenig abzukürzen, hat die Verbandsgemeinde jetzt das Verfahren zur Abwassererschließung in Gang gebracht. Denn eine Kläranlage der US-Amerikaner hat die SGD-Süd längst geschlossen: "Wir müssen jetzt prüfen, ob das Abwasser über Mommenheim oder Hahnheim entsorgt wird", sagte Penzer. Eine Machbarkeitsstudie speziell dazu, soll der VG-Rat demnächst in Auftrag geben. Und dann sind für Penzer auch Zwischennutzungen vorstellbar - zur Überbrückung, bis eine endgültige Lösung gefunden worden ist. Alles weitere wollen die Kommunen erst klären, wenn die Sachlage mit der Bundesanstalt geklärt worden ist. Und dann am besten als Zweckverband, in dem dann über die Zukunft des Geländes entschieden werden soll. Die entsprechenden Beschlüsse zur Gründung des Verbandes haben Kreistag, Verbandsgemeinderat und Gemeinderat bereits gefasst.

    Geht es nach Thomas Günther, soll der Grundstücksdeal noch 2013 über die Bühne gehen. Ein nächstes Gespräch mit der Bundesanstalt soll Klarheit schaffen, sind die Politiker verhalten optimistisch. Denn der Bund müsse ja auch ein Interesse daran haben, dass es in Nierstein voran geht. Ansonsten wollen sie eventuell auch zum Finanzminister nach Berlin fahren. Ein Besuch bei Wolfgang Schäuble soll helfen.

    Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben konnte am Freitag keine Stellungnahme mehr abgeben.  Bardo Faust

    Wie auf Zeitreise: Bilder von der US-Kaserne in Nierstein
    Mainzer Rhein-Zeitung
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