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    Sia Korthaus: Können Männer nicht über Frauen lachen?

    Frauen scheinen im Kabarett immer noch eine seltene Spezies zu sein. Sia Korthaus gehört seit geraumer Zeit dazu. Die MRZ sprach mit ihr über die Kunst, die Kollegen und ihren Humor.

    "Wer einfach nur denkt: ,Ich bin lustig' kommt auf der Bühne oft gar nicht an" - Sina Korthaus.
    Foto: Wolfgang Weimar

    Mainz/Köln - Sia Korthaus tritt am am Donnerstag, 7. Juli, 20 Uhr, im Lilien Palais, Mainzer Straße 14, in Kastel auf. Tickets kosten 19 Euro. Vorab sprach sie mir der MRZ über Frauen in der Kabarettszene und Humor unter der Gürtellienie:

    Ihr aktuelles Solo heißt "Auch Glückskekse krümeln". Sie suchen darin nach den Haaren in verschiedensten Suppen. Dennoch bleibt der Grundtenor sehr fröhlich.

    Bei mir ist das so: Ich selbst möchte auf der Bühne Spaß haben und ich möchte mit den Leuten lachen. Ich kann schon kritisch sein und selbstironisch. Ich fühle den Menschen auch auf den Zahn. Aber so, dass es nicht weh tut.

    Manche Ihrer Kollegen wählen da andere Wege. Die gehen den Politikern recht rabiat an die Wäsche oder fingern gleich unter der Gürtellinie, Ingo Appelt etwa.

    Das mag ich überhaupt nicht. Darüber kann ich nicht lachen. Ich erlebe das oft, dass irgendwelche Witze unter der Gürtellinie kommen. Ich find's einfach nicht lustig.

    Was finden Sie denn lustig?

    Unvorhergesehene Situationen, Alltagsszenen, die jeder kennt, über die man sich gar keine Gedanken macht und dann erkennt man sie auf der Bühne wieder.

    Warum gibt es so wenige Frauen im Kabarett? Ihre Kollegin Lisa Politt meint, Frauen hätten zu gewissen Dingen immer noch zu schweigen. Ina Müller sagt, bei den Männern seien es die Klassenclowns, die sich auf die Bühne stellen, egal, ob es gut ist oder nicht. Frauen wollten eher zeigen, dass sie was können, deswegen zögerten sie oft.

    Ich sehe das ähnlich wie Ina Müller. Allerdings gehört immer eine Portion Darstellungssucht dazu, wenn man auf die Bühne geht, auch bei Frauen. Ich denke, es gibt übrigens viele Frauen, die Kabarett und Comedy machen, aber die sind nicht bekannt in der Medienwelt. Vielleicht können viele Männer nicht über Frauen lachen.

    Sie haben sich jedenfalls nicht einfach hingestellt. Sie haben gelernt.

    Ja, ich habe Schauspiel- und Gesangsunterricht genommen und die Kölner Comedy-Schule besucht, das hat auch schon einiges beigetragen. Aber letztlich bringt's die Praxis. Nun stehe ich seit mehr als 20 Jahren auf der Bühne, seit 1996 mit Soloprogrammen.

    Comedy und Kabarett sind Genres, in denen sich Laien gern vors Publikum stellen nach dem Motto: Komisch sein ist keine Kunst.

    Ich weiß, ich war mal auf so einer "Open Stage"-Veranstaltung, wo Leute auftreten, die bei einer Geburtstagsfeier gemerkt haben: Ich bin lustig. Das kommt auf der Bühne überhaupt nicht an. Ich muss mich da immer fremd schämen. Das tut mir wahnsinnig leid, aber die Leute müssen es durchmachen. Das ging mir am Anfang ja genauso. Da war ich eine Katastrophe.

    Im Fernsehen waren Sie in Krimserien zu sehen - und vor allem "T.V. Kaiser" bleibt in Erinnerung.

    Das haben wir 1998, 1999 gedreht. "T.V. Kaiser" war eine Persiflage auf die aufkommenden Talkshows. Ich fand es damals sehr lustig. Aber das wird ja nach zehn Jahren immer noch wiederholt. Viele Leute sprechen mich gerade darauf an.

    Bei "T.V. Kaiser" schlüpften Sie in sehr unterschiedliche Rollen. Das ist auch heute auf der Kabarettbühne noch so?

    Ich hatte mir schon mal überlegt, eine spezielle, durchgehende Figur zu schaffen. Aber dafür schauspielere ich viel zu gern. Also spiele ich lieber gleich eine ganze Reihe von Figuren.

    Sie waren auch am Theater zu sehen. Was ist daraus geworden?

    Das klassische Schauspielern mache ich fast gar nicht mehr. Mittlerweile habe ich einfach als Kabarettistin zu gut zu tun. Man muss ja fünf, sechs Wochen proben. Aber das ist ein gutes Handwerk, das man manchen Comedians nahe legen sollte.

    Welche Rolle spielt die Musik in Ihren Programmen?

    Ich liebe es zu singen. Im "Glückskekse"-Programm habe ich zum Beispiele ein melancholisches Lied. Mein Regisseur meinte, das passt nicht rein. Ich bin total froh, dass ich es trotzdem reingenommen habe. Ich werde permanent darauf angesprochen. Die Leute fragen mich immer, ob es das auf CD gibt. So ein Lied bietet einen entspannten Moment, in dem Sie sich zurücklehnen können, bevor es wieder lustig weiter geht. Mir gefallen diese Gegensätze. Ich mag auch besonders gern Theaterstücke, in denen ich heulen und lachen kann.

    "Auch Glückskekse krümeln" ist nicht politisches Kabarett.

    Das liegt daran, dass ich ein bequemer Mensch bin und nicht immer neue Nummern schreiben will, jedoch gibt es in dem Programm zwei politische Nummern. Ich erkläre zum Beispiel als Dingsda-Kind die Bundesregierung. Mein nächstes Programm "VorLieben" wird ein wenig böser sein und ansatzweise politisch.

    In Mainz waren Sie zuletzt als Spielerin der Kabarett-Bundesliga zu Gast, wo pro Abend zwei Künstler gegeneinander angetreten sind. Wie war das?

    Es hat mir großen Spaß gemacht. Es war toll, Kollegen kennen zu lernen und in hervorragenden Häusern zu spielen. Ich habe nur Vorteile daraus gezogen. Die Zuschauerzahlen waren leider etwas mau, besonders in Mainz. In Goslar etwa war immer ausverkauft. Aber da findet ja auch sonst nicht viel statt.

    Ihr neues Programm kommt im Herbst, in Kastel lassen Sie aber noch mal Glückskekse krümeln.

    Am 9. September ist die allererste Vorpremiere von "VorLieben", am 16. Oktober ist Premiere in Köln im Senftöpfchen Theater beim Köln Comedy Festival. Ich kann jedem empfehlen in die Premiere zu gehen und sich dann das Programm nach einer Weile noch mal anzuschauen, um die Entwicklung zu sehen. Ich brauche an die zehn Vorstellungen, um ein Gefühl zu entwickeln, was rein soll ins Programm und was nicht. Man wird da betriebsblind und weiß nicht mehr, was lustig ist. "Auch Glückskekse krümeln" ist inzwischen sehr rund, das werden Sie merken. Das Gespräch führte Gerd Blase

     

    Hinweis: Sia Korthaus kommt am 7. Juli, 20 Uhr, ins Lilien Palais, Mainzer Straße 14, Kastel. Tickets (19 Euro): www.lilien-palais.de

     

    Zur Person: Sia Korthaus, am 13. Oktober 1968 in Gevelsberg geboren, studierte Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Theaterpädagogik. Anschließend nahm sie Schauspiel- und Gesangsunterricht und besuchte die Köln-Comedy-Schule. Schon 1991 trat sie mit den Bochumer „Dilletanten“ auf die Kabarettbühne. Seit 1996 ist sie auch Solo unterwegs. Im Fernsehen war Korthaus unter anderem in „Die Wache“, „SK Kölsch“ und „T.V. Kaiser“ zu sehen. Korthaus lebt in Köln.

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