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    Missbrauchsdrama von Fluterschen: Unter Heulkrämpfen – Detlef S. gesteht alles

    Koblenz/Fluterschen - War es ein taktisches Geständnis in letzter Minute, Todesfurcht nach Drohungen von Mithäftlingen, die von "Aufschlitzen" sprachen, oder wirklich das "Umdenken", das der Verteidiger bei seinem Mandanten gesehen haben will?  Kurz vor Prozessende im Missbrauchsdrama von Fluterschen (Westerwald) hat Detlef S. (48) jedenfalls überraschend ein vollständiges Geständnis abgelegt.

    Westerwälder Missbrauchsfall
    Detlef S. (r), im Landgericht in Koblenz:
    Foto: DPA

    Koblenz/Fluterschen - War es ein taktisches Geständnis in letzter Minute, Todesfurcht nach Drohungen von Mithäftlingen, die von "Aufschlitzen" sprachen, oder wirklich ein "Umdenken", das der Verteidiger bei seinem Mandanten gesehen haben will:  Kurz vor Prozessende im Missbrauchsdrama von Fluterschen (Westerwald) hat Detlef S. (48) jedenfalls überraschend ein vollständiges Geständnis abgelegt.

    Der Familienvater gab im Landgericht Koblenz zu, seine Tochter (18), seine Stieftochter (27) und seinen Stiefsohn (27) in mehr als 160 Fällen missbraucht zu haben. Er entschuldigte sich bei allen Opfern, die aber nicht anwesend waren. Der Mann, der bei seinen Sextaten keinerlei Mitgefühl zeigte, brach im Gerichtssaal in lautes Wehklagen aus: „Ich will mich entschuldigen. Es tut mir wirklich leid.“ Heulkrämpfe raubten ihm mehrfach die Stimme. Heute will das Gericht das Urteil im Prozess verkünden.

    Niemand glaubt Detlef S., dass er seine Verbrechen tatsächlich bereut – trotz seiner Tränen. Der Staatsanwalt sagte: „Das ist der klassische Fall eines taktischen Geständnisses in letzter Minute.“ Der psychiatrische Gutachter betonte: „Ich bin der Ansicht, dass das Geständnis sich nicht auf tiefgreifende Reue stützt.“ Eine Nebenkläger-Anwältin spottete: „Das war wirklich eine große schauspielerische Leistung!“

    Für immer hinter Gitter?

    Nur einer hält das Geständnis von Detlef S. für aufrichtig – sein Anwalt Thomas Düber. Er forderte am siebten Prozesstag neuneinhalb Jahre Haft und blieb damit deutlich unter dem Antrag des Staatsanwalts. Der Anwalt bezweifelte auch, dass S. ein so gefährlicher Sexverbrecher ist, dass er in Sicherungsverwahrung gehört. Staatsanwalt und Nebenkläger-Anwälte hatten am Donnerstag 14,5 Jahre Haft und Sicherungsverwahrung gefordert. Wenn das Gericht die Sicherungsverwahrung gegen S. verhängt, muss er auch nach der Haft hinter Gittern bleiben.

    Mit seinem Geständnis räumte Detlef S. ein, dass er seine Tochter, seine Stieftochter und seinen Stiefsohn zwischen 1987 und 2010 in 162 Fällen sexuell missbraucht hat. Beide Töchter hat er zur Prostitution mit fremden Männern gezwungen. Mal stand er daneben und drehte sich eine Zigarette, mal machte er bei den Orgien sogar mit. In jedem Fall kassierte er ab. Bisher hatte S. nur die Übergriffe auf seine Tochter eingeräumt. Überdies gab er zu, acht Kinder mit seiner Stieftochter gezeugt zu haben.

    Schändliche Lüge eingeräumt

    Hätte S. das Geständnis früher abgelegt, hätte er seinen Kindern die quälende Aussage vor Gericht erspart. Und: Er hätte Ende Februar im Gespräch mit dem Gutachter vielleicht nicht derart schändlich gelogen, wie er es allem Anschein nach getan hat. Damals behauptete er: Seine Stieftochter habe ständig Sex mit ihm gewollt und sich freiwillig mit Männern prostituiert.

    Warum räumte S. jetzt alle Vorwürfe ein? Sein Anwalt ist überzeugt, dass bei S. ein „Umdenken“ begonnen hat. Grund: Die emotionale Aussage seiner Tochter und das riesige Medieninteresse, das ihn bundesweit als „Horror-Vater“ bekannt machte. Zudem hätten ihm Mithäftlinge im Gefängnis in Koblenz gedroht, ihn „aufzuschlitzen“. Er sei völlig isoliert, sitze in Einzelhaft. „Herr S. wurde erstmals selbst Opfer von Gewalt – wenn auch nicht in physischer Form“, so der Anwalt. „Dieses Gefühl der Hilflosigkeit kannte er bisher nicht.“ S. wolle sein Unrecht aufarbeiten, er stehe am Beginn eines langen Weges. Hartmut Wagner

    Urteil: Sicherungsverwahrung für MissbrauchsvaterKurz vor Prozessende: Missbrauchsvater Detlef S. gestehtStaatsanwalt fordert für Detlef S. mehr als 14 Jahre Haft Fluterschen: Im Missbrauchsprozess in Koblenz plädiert Verteidiger von Detlef S.Detlef S. brachte eigenes Kind zum Kunden - Wurde Tochter von Freier vergewaltigt?weitere Links
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