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    Kleinkunstpreis: Trophäen für Träumer und Sarkasten

    Die Kleinkunstszene feiert wieder ihre Größten: Das Mainzer Unterhaus verleiht im März den Kleinkunstpreis. Preisträger sind Klaus Peter Schreiner, Rainald Grebe, Frank Lüdecke, Ulan & Bator und Dota Kehr.

    Mal wieder unter den Preisträgern: Rainald Grebe.
    Mal wieder unter den Preisträgern: Rainald Grebe.
    Foto: DPA

    Mainz - 1949 studierte Klaus Peter Schreiner Chemie an der Mainzer Uni. Auf dem Campus erlebte er den Auftritt eines jungen Mannes.

    „Damals lernte ich Hanns-Dieter Hüsch kennen“, erinnert er sich. „Er ließ den Samen des Kabaretts in mir keimen.“ Tatsächlich keimte es gewaltig. Unter anderem gründete der Zweibrücker die Lach- und Schießgesellschaft mit, später schrieb er für Dieter Hildebrandts „Notizen aus der Provinz“ und den „Scheibenwischer“.

    „Das ist es vor allem, was mich ausmacht.“ Für all dies bekommt der 80-Jährige im März 2011 den Deutschen Kleinkunstpreis, just die Auszeichnung, die Hüsch 1972 als erster Künstler überhaupt entgegennahm. Ein Kreis schließt sich.

    Der vom Mainzer Unterhaus ins Leben gerufene Preis ist die älteste und mit insgesamt 25.000 Euro die höchst dotierte Auszeichnung der Kleinkunstszene. Eine 19-köpfige Fachjury vergibt ihn in fünf Sparten. Schreiner erhält den vom Land gestifteten Ehrenpreis. Dass er bisher noch nicht so viele Trophäen wie sein Kollege Hildebrandt sammelte, liegt wohl daran, dass er als Autor eher im Hintergrund bleibt.

    Seit 1950 lebt Schreiner in München. „Der Pfälzer in mir ist fast verdrängt.“ Aber für die Preisverleihung kommt er gern zurück nach Mainz. „Das ist eine Ehre.“

    2006 wurde Rainald Grebe noch in der Kategorie Förderpreis ausgezeichnet, diesmal bekommt er die Trophäe in Form der Unterhaus-Glocke für seine Chansons. Der 39-jährige Wahlberliner bringt in seinen Stücken den kreativen Wahnsinn in Perfektion auf die Bühne, mal mit Band, mal solo und neuerdings mit Sinfonieorchester. Seine Spezialität: die konsequente Verunsicherung des Publikum.

    Bei Frank Lüdecke, dem Preisträger in der Sparte Kabarett, fühlt sich das Publikum gut aufgehoben – erst mal. In seinem adretten Anzug wirkt der Berliner eher harmlos. Umso mehr überrascht sein scharfes politisches Kabarett. Der 49-Jährige versorgte Ensembles wie das Kom(m)ödchen und die Distel mit Texten, aber vor allem steht er mit seinen Soli selbst auf der Bühne. „Verwilderung“ heißt sein aktuelles Programm, in dem er sich gern auch am Publikum reibt.

    Den von der Stadt Mainz ausgelobten Förderpreis bekommt Dota Kehr. Sie begann als Straßenmusikerin mit dem Saxofon. Damals entstand ihr Spitzname Kleingeldprinzessin. Dann drückte ihr jemand eine Gitarre in die Hand, und sie sang ihre eigenen Chansons. Als kritische Stimme ist die 31-Jährige vor allem einem jungen Publikum bekannt. Sie glaubt, dass Lieder etwas verändern können, zumindest an dem Abend, an dem sie gespielt werden.

    Ulan & Bator alias Sebastian Rüger und Frank Smilgies sind Meister der Improvisation. „Wir machen Theater in der Form von Jazz mit dem Inhalt von Comedy“, sagt Rüger. Mit seinen sich ständig verändernden Shows will das Duo einen schrägen Blick in die Welt eröffnen. Dennoch ist das Programm „Wirrklichkeit“ urkomisch. Dafür bekommen die beiden den Preis in der Kategorie Kleinkunst. „Wenn er am 13. März verliehen wird, gibt es uns auf den Monat genau zehn Jahre“, sinniert Rüger. „Die Auszeichnung ist eine Belohnung dafür, dass wir so lange durchgehalten haben“, sagt der 43-jährige Schauspieler, zögert kurz und fügt hinzu: „Auch wirtschaftlich wird es angenehme Folgen haben.“ Das sei nicht nur den beiden gegönnt.

    Gerd Blase

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