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    Eine Oper von Henze, ein Gedicht von Bachmann, ein Gemälde von Fleck

    Am Donnerstagmorgen betritt eine zarte, ältere Dame die Eingangshalle des Mainzer Staatstheaters. Ihr folgen zwei Helfer, die vorsichtig ein in durchsichtige Schutzfolie eingekleidetes, großformatiges Kunstwerk zur Tür hereintragen. Zielstrebig begibt sich das Trio die Stufen hinauf in das leere Foyer des Theaters.

    Die Malerin Fee Fleck (rechts) legt bei der Anlieferung ihre Bildes im Theaterfoyer selbst Hand an.
    Die Malerin Fee Fleck (rechts) legt bei der Anlieferung ihre Bildes im Theaterfoyer selbst Hand an.
    Foto: Bernd Eßling

    Mainz - Am Donnerstagmorgen betritt eine zarte, ältere Dame die Eingangshalle des Mainzer Staatstheaters. Ihr folgen zwei Helfer, die vorsichtig ein in durchsichtige Schutzfolie eingekleidetes, großformatiges Kunstwerk zur Tür hereintragen. Zielstrebig begibt sich das Trio die Stufen hinauf in das leere Foyer des Theaters. Dann dreht sich die Dame zu ihren Helfern und weist ein: „Dort können sie es dann abstellen. Bitte richtig herum.“

    Fee Fleck, die große Mainzer Malerin, bringt dem Staatstheater zwei Tage vor der Premiere der Henze-Oper „Prinz von Homburg“ eines ihrer Gemälde, das wie kein Zweites zum Samstag in Mainz anlaufenden Werk des am 27. Oktober 2012 in Dresden nach langer Krankheit verstorbenen Komponisten passt: Auszüge aus einer Henze-Partitur, tropfend und im Liegen silbrig dick mit schwerer Druckfarbe aufgetragen, zieren die tiefschwarze Leinwand.

    Das nicht betitelte Gemälde, zwei auf zwei Meter groß, stammt aus dem 2007 entstandenen Zyklus „Tafelbilder für Ingeborg Bachmann“. Unterhalb der schimmernden Noten steht, Schwarz auf Schwarz, ein Auszug aus „Ein Monolog des Fürsten Myschkin zu der Ballettpantomime ,Der Idiot'“, einem Gedicht von Ingeborg Bachmann: „Dich beschwör ich, Gesicht der einzigen Liebe.“

    Bachmann hatte den Text auf Anregung ihrer großen platonischen Liebe, Hans Werner Henze und als Neufassung des Librettos der Ballettpantomime „Der Idiot“ mit Musik von Henze 1953 verfasst. Der stets auch an gesellschaftspolitischen Themen interessierten Malerin Fleck diente eine Zeile aus dem Gedicht als textliches Element ihrer Bildkomposition, darüber prangt der Auszug aus der Henze-Komposition.

    So finden Henze und Bachmann auf Flecks Gemälde zusammen, wie sie es im Leben nur platonisch konnten. Eine tiefe Liebe der beiden zueinander, die aus einem großen gegenseitigen Respekt des einen Künstlers vor dem anderen resultierte, blieb zumindest körperlich unerhört. Henze war bekennender Homosexueller.

    Aber die Zusammenarbeit auf kreativer Ebene zwischen Henze und Bachmann war fruchtbar. So schrieb die Dichterin einige Libretti für ihren Freund, den Komponisten. Unter anderem eben auch für den „Prinz von Homburg“.

    „Als ich vor zwei Tagen meine Theaterkarten abholen wollte, da war mir noch gar nicht richtig bewusst, dass Bachmann ja das Libretto für die Oper geschrieben hat“, erzählt Fleck. Ein an der Theaterkasse ausliegender Flyer mit dem Programm des Premierensamstags machte ihr jedoch diese Tatsache deutlich. Fleck schlug sofort eine Brücke zu ihrem eigenen Werk und handelte spontan.

    „Ich bin direkt zu Volker Bierwirth ins Büro marschiert, um ihm mein Gemälde als Leihgabe anzubieten“, schildert Fleck. Bierwirth, kaufmännischer Leiter des Staatstheaters, ergriff diese Gelegenheit direkt beim Schopf. Nun steht das Gemälde im Theaterfoyer.

    „Das Gemälde passt wunderbar zum Thema des Prinzen von Homburg“, bekräftigt Christine Villinger, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Staatstheaters. „Es geht in der Oper um Krieg, und damit um ein gesellschaftspolitisches Thema, das für heutige Generationen nur schwer verständlich ist“, ergänzt sie. Und schlägt so den Bogen zu Fee Fleck, die im Oktober 2012 das Bundesverdienstkreuz am Band verliehen bekam. Für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Gesellschaftsthemen – insbesondere mit dem Krieg.

    Fleck hat Henze persönlich kennengelernt. „Leider nur sehr kurz. Monsieur hatten viel zu tun“, merkt sie lakonisch an. Die Liebe zur Lyrik Bachmanns hatte sie bereits vorher während eines längeren Aufenthalts in Österreich entdeckt. Und 2007 dann das Gemälde komponiert. „Musik, Lyrik, Malerei, das passt doch wunderbar“, sagt Fleck.

    Noch immer malt sie, auch mit ihren 81 Jahren. „Wenn ich aufhöre, künstlerisch aktiv zu sein, dann sterbe ich“, sinniert sie, „aber jetzt werde ich erst mal zur Premiere vom ,Prinz von Homburg' gehen“. Dort hätte sie Henze eigentlich treffen können. Der Komponist wollte unbedingt zur Aufführung seines Stücks nach Mainz kommen.

    Von unserem Mitarbeiter Dominic Schreiner

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