40.000
Aus unserem Archiv
Mainz

Archiv: Die Sicherheit steht an erster Stelle

Die Fußball-Fanszene will künftig kontrolliert Bengalos in den Stadien abbrennen dürfen. BAG-Sprecher Thomas Beckmann äußert sich dazu in der MRZ.

Mainz – Der Deutsche Fußballbund (DFB), der Ligaverband (DFL), die Polizeigewerkschaft (GdP) und Fangruppierungen stehen in Kontakt: Hintergrund ist die mögliche Legalisierung von kontrollierter Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien. Die MRZ sprach mit Thomas Beckmann, Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) und Leiter des Fanprojekts Mainz, über die neue Entwicklung.

Herr Beckmann, worin liegt der Reiz, bengalische Feuer im Fußballstadion abzubrennen?

Das war in der Vergangenheit, noch in den 80ern, Gang und Gebe. Es gibt ein sehr farbenfrohes Bild und schafft eine ganz besondere Atmosphäre. In anderen Ländern ist Pyrotechnik im Stadion noch erlaubt, in Deutschland herrscht seit einigen Jahren ein striktes Verbot, weil es zu gefährlich ist und Personen auch durch die Rauchentwicklung zu Schaden kommen können. Trotzdem hört man immer wieder, dass in der TV-Berichterstattung im Zusammenhang mit Pyrotechnik von südländischer Atmosphäre gesprochen wird, einer besonderen Stimmung.

In der Vergangenheit gab es immer mal wieder die Idee von Seiten der Fans, Pyrotechnik zu erlauben. Was ist diesmal anders?

Das ist eine konzentrierte Aktion verschiedener Ultra-Gruppierungen. Das Besondere daran ist, dass sich über 50 Gruppen zusammengeschlossen haben und sich ernsthaft mit der Thematik beschäftigen. Sie zeigen Gesprächsbereitschaft und fordern nicht wild: Wir wollen Bengalos abfeuern. Sondern sie haben abseits jeglicher Rivalität ein gemeinsames Ziel und suchen nach Möglichkeiten zur Umsetzung.

Wie sieht diese Suche aus?

Beispielsweise stehen die Fans mit Herstellerfirmen in Kontakt und erkundigen sich, ob es Bengalofeuer gibt, die leichter zu löschen sind und weniger Rauch entwickeln. Die Sicherheit steht bei der Umsetzung an erster Stelle. Niemand darf im Stadion gefährdet werden. Die Ultras wollen in ihren Reihen darauf achten, dass der erlaubte Umgang mit Pyrotechnik vernünftig ablaufen würde. Aber alle müssen sich sehr vernünftig verhalten.

Wie ist diese Sicherheit in einem Fanblock mit vielen Menschen zu gewährleisten, wenn dort bengalische Feuer abgebrannt werden sollen? Wird es einen separaten Bereich geben?

Das ist eine Möglichkeit, doch alles hängt von den jeweiligen Örtlichkeiten ab. In Chemnitz funktioniert das kontrollierte Abbrennen im Fanblock schon sehr gut, aber dort ist kein Dach drüber. Da hat man in Mainz oder bei Schalke ganz andere Voraussetzungen. Wir haben Mainz 05 bei unserem runden Tisch mit den Fanprojekten über die Idee informiert und der Verein beschäftigt sich nun damit. Eine Lösung könnte auch sein, dass nur bestimmte Leute mit einer Qualifizierung die Pyrotechnik abbrennen dürfen. Es wird alles angedacht. Das Gute ist: Man setzt sich zusammen. Der DFB hat Gesprächsbereitschaft signalisiert und ich betonne immer, mit offenem Ergebnis, man will den Vorschlag ernsthaft prüfen. Das gilt auch für die Gewerkschaft der Polizei.

Warum hat der DFB umgedacht?

Man hat in den letzten Jahren festgestellt, dass das strikte Verbot negative Folgen hatte: Feuerwerkskörper wurden ins Stadion geschmuggelt, heimlich gezündet und schnell weggeworfen in die Menschenmenge. Das ist sehr gefährlich. Es wurden viele Stadionverbote ausgesprochen, aber das Verbot bringt nicht den erwünschten Erfolg. Dazu kommt, dass Knallkörper ungemein gefährlich sind. In vielen Szenen, auch in Mainz, haben sich die Fans davon klar distanziert.

Der größte Teil der Fußballfans nimmt keine bengalischen Fackeln mit ins Stadion. Der Rauch stört durch den Geruch oder die Sichtbehinderung aber viele. Ist der Wunsch nach Pyrotechnik wirklich so groß?

Die Initiatoren sind die Ultra-Gruppierungen, aber sehr viele Fan-Organisatoren unterstützen diese Kampagne. Der überwiegende Teil findet bengalische Feuer gut. Aber man muss Wege finden, die alle Interessen berücksichtigen. Und dieser Dialog ist jetzt angeschoben. Das Gespräch führte Katja Puscher

Mainz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Wetter in Mainz und Region
Mittwoch

6°C - 10°C
Donnerstag

4°C - 9°C
Freitag

3°C - 9°C
Samstag

2°C - 9°C
Sporttabellen
Radball

Alle Sportarten, alle Ligen, alle Plätze im Überblick

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach