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    Mainz

    Archaische Skulpturen zeigen Vergängliches

    Die Ausstellung „Reflexion und Dialog“ zeigt Arbeiten des Wiesbadener Künstlers Andreas Koridass in der Galerie Mainzer Kunst. In seinen Fotografien, Zeichnungen und Skulpturen betont er das Vergängliche.

    Risse und Jahesringe löscht der Künstler Andreas Koridass in seinen archaischen Skulpturen nicht.
    Risse und Jahesringe löscht der Künstler Andreas Koridass in seinen archaischen Skulpturen nicht.
    Foto: Harry Braun

    Mainz - Putz und Farbe bröckeln von der alten Mauer. Der Betrachter ahnt, dass sie einmal weiß gewesen sein muss. Eine verrostete leere Bierdose liegt in einer Einkerbung, einer Art zugemauerte Schießscharte in der dicken Steinwand.

    In dem lichtlosen, kargen Fensterchen daneben gammelt eine Konservendose vor sich hin. "Unterwelten-Schrein", so heißt die geheimnisvolle Fotografie-Serie von Andreas Koridass. Bis zum 21. April stellt der Wiesbadener Künstler Skulpturen, Zeichnungen und Fotografien unter dem Titel "Reflexion und Dialog" in der Galerie Mainzer Kunst aus.

    Eigenartig befremdlich wirken seine Objekte. Die Foto-Trilogie "Dachenau" scheint auf den ersten Blick idyllisch, ja beinahe romantisch. Die Aufnahmen stammen aus dem Naturschutzgebiet Mönchbruch bei Walldorf-Mörfelden. Sie zeigen kleine, moosbewachsene Inseln inmitten eines Tümpels, aus denen Bäume ragen. Doch zwischen zwei dicken Ästen tritt kümmerlich ein geborstener, abgebrochener Stumpf hervor. Nicht das Ästhetische, sondern das Vergängliche dominiert Koridass‘ Werke.

    Aber Kunst soll ja nicht nur schön sein. "Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen, ein Weg, die Welt zu durchdringen", zitiert die freie Journalistin Angelika Wende den Schriftsteller Paul Auster zur Eröffnung der Schau. Für Koridass selbst sei Kunst auch ein Stück Eigentherapie. Somit trifft der Titel der Ausstellung ins Schwarze: Kunst als Mittel zum Nachdenken und um in einen Dialog mit seinem Betrachter zu treten.

    Der Bildhauer und Designer arbeitet bevorzugt mit Holz. Aus dem natürlichen Werkstoff formt er archaische Skulpturen. Eine lebensgroße, weiße Figur aus Pappelholz liegt auf dem Boden der Galerie. Dicke Kerben ziehen sich über den leblosen Körper und legen dessen grobe Konturen frei. Arme und Beine der menschlichen Gestalt scheinen wie gefesselt. "Freiheit" steht in dicken, blauen Lettern auf einem Geschwulst an der Stelle, wo sich das Herz befindet. Sieht der Betrachter genau hin, wirkt die lebensgroße Holzfigur tatsächlich so, als wolle sie sich aufrichten.

    Koridass‘ Vater war Förster. "Ich bin viel in der Natur", sagt der Künstler. Vor allem die Struktur von Holz übe Faszination auf ihn aus: "Sie findet sich überall wieder." Am deutlichsten wird das in den Fotografien "Taube auf dem Dach". Sie zeigen eine im Tageslicht metallisch glänzende Parkhausfassade. Akkurat angeordnete Scharten ziehen sich durch die fensterlose Umkleidung des ordinären Gebäudes. Ähnliche Kerben zieren Koridass‘ hölzerne Skulptur mit dem Titel "Portal Phönix". Tore und Portale bilden das Thema auf vielen seiner Objekte. Risse, Jahresringe und Löcher in der Oberfläche der Hölzer integriert der Künstler dabei bewusst in seine Plastiken. Er löscht die Spuren der Vergänglichkeit nicht und öffnet so die Tür zu einer verborgenen, mystischen Welt. Josefine Sack

    Hinweis: "Reflexion und Dialog" von Andreas Koridass, noch bis zum 21. April in der Galerie Mainzer Kunst, Am Weihergarten 11, Informationen unter www.mainzerkunst.de. Josefine Sack

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