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Mainz

Archäologe Rupprecht: Verein gefährdet Unterwelt

Die Gründung eines Vereins "Mainzer Unterwelten" bereitet dem Stadtarchäologen Gerd Rupprecht große Sorgen. "Man kann nicht einfach mit Spaten und Lunch-Paket losziehen und schürfen", warnt er vor Gefahren in den unterirdischen Anlagen.

Faszination Unterwelt: Die Sicherheit bei Führungen muss gewährleistet sein. Archivbild: Harry Braun
Faszination Unterwelt: Die Sicherheit bei Führungen muss gewährleistet sein. Archivbild: Harry Braun
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Mainz – Als Gerd Rupprecht am Donnerstag in der MRZ den Artikel "Mainzer retten ihre Unterwelt" las, wurde es dem Stadtarchäologen ganz mulmig in der Magengegend.

Denn ein gerade gegründeter Verein "Mainzer Unterwelten" um ihren Vorsitzenden Rainer Sauer kündigte an, die Stadt bei der Erschließung und Pflege unterirdischer Anlagen zu unterstützen und dabei auch die Muskelkraft ihrer Mitglieder zu nutzen. Auch eine Zusammenarbeit mit der Initiative Zitadelle werde angestrebt.

Rupprecht, langjähriger Landesarchäologe und inzwischen ehrenamtlicher Stadtarchäologe, hält dieses Vorhaben für gefährlich in mehrfacher Hinsicht. So sei unklar, wem die unterirdischen Gänge gehören: der Stadt, dem Land oder den Eigentümern der Grundstücke? Die meisten Anlagen wurden im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker genutzt und blieben auch in der Nachkriegszeit geöffnet. Doch 1962 wurde ein Obdachloser in einem der Gänge unterhalb der Zitadelle ermordet. Daraufhin machte die Stadt alle Anlagen dicht.

Wenn nun die Gänge öffentlich zugänglich gemacht würden, würden wildes Rumwühlen, Randale und Vermüllung folgen, warnt Rupprecht. Die Unterwelt würde also keineswegs gerettet, wie der Verein es auf seine Fahne geschrieben hat, sondern gefährdet.

Und auch die Besucher. Denn da ragt schon mal der eine oder andere Eisenstab hervor. "Oder man kann stürzen und sich den Schädel aufschlagen."

Die Gänge sind teilweise seit Jahrzehnten mit Schutt verfüllt. "Sie einfach zu öffnen, wäre fatal. Es kann zu Einstürzen kommen. Wer haftet dann? Die Stadt? Die Eigentümer der Grundstücke?" Rupprecht hat durchaus Verständnis für unterirdische Abenteuer, aber Grabungen müssten fachgerecht durch Archäologen erfolgen.

Im Oktober ist ein Treffen Rupprechts mit Liegenschaftsdezernent Christopher Sitte geplant. Es soll darum gehen soll, die beiden frei gelegten Gänge unterhalb der Zitadelle dauerhaft für Besucher begehbar zu machen. Mit ordentlicher Beleuchtung, sicheren Wegen und kompetenter Führung.

Im Jahr 2007 hatte Rupprecht beim Tag des offenen Denkmals Führungen durch die Gänge der Bastion Albani unter dem Römischen Theater angeboten. Die Menschen standen damals Schlange am Südbahnhof, um sich die Anlage anzuschauen. "Es gibt Überlegungen, eine unterirdische Erlebniseinheit einzurichten, bei der die Gänge der Bastion Albani mit der Bastion Drusus verbunden werden können." Darüber wird Rupprecht Gespräche mit der Stadt führen.

Dass jetzt Leute losziehen wollen "mit Spaten und Lunchpaket, um in der Unterwelt zu schürfen, das geht nicht", betont Rupprecht. "Es können sich nicht verschiedene Gruppierungen um eine Sache kümmern."

Armin Thomas

Der Verein "Mainzer Unterwelten" will sich am Sonntag, 9. September, mit einem Stand beim Zitadellenfest vorstellen.

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