40.000
  • Startseite
  • » Als sich die Boeing 720 in den Acker bohrte
  • Aus unserem Archiv

    Als sich die Boeing 720 in den Acker bohrte

    Ebersheim - Ein trüber Wintertag, die Ebersheimer Landwirte Peter und Johann Herdt bewirtschaften mit einem Pferd ihren Acker.

    Einen Gedenkstein hat man in Ebersheim aufgestellt, um an den Absturz der Passagiermaschine zu erinnern. 
Foto: Stadtarchiv Mainz
    Einen Gedenkstein hat man in Ebersheim aufgestellt, um an den Absturz der Passagiermaschine zu erinnern.
    Foto: Stadtarchiv Mainz

    Plötzlich schreckt sie ein Brummen auf, und sie sehen am Himmel eine große Passagiermaschine auf sich zukommen. Die Boeing des Typs 720 B sackt plötzlich ab, bäumt sich noch einmal kurz auf und schlägt dann im Sturzflug und mit einer starken Tragflächenneigung auf. Dabei bohrt sich die rechte Tragfläche in den lehmigen und aufgeweichten Boden. Das Flugzeug versinkt förmlich in der Erde. Im gleichen Moment beobachtet ein Gendarmeriebeamter vom Nachbardorf aus, dass sich eine schwarze Detonationswolke in den Himmel hebt. Sekunden später wirbeln Lehm und Aluminiumteile durch die Luft.

    Der 4. Dezember 1961, an dem zwei Flugkapitäne und ein Bordingenieur getötet wurden, zieht jetzt, fünfzig Jahre später die Ebersheimer wieder in seinen Bann, allen voran Dr. Rudolf Büllesbach, Betreiber des Blogs www.ebersheimer-geschichte.de, und Hans Brack,wie Büllesbach ein Ortshistoriker und Autor. Die Zwei haben recherchiert und sich mit Zeitzeugen getroffen, um Fakten und Hintergründe des mittlerweile in Vergessenheit geratenen Unglücks zu Tage zu fördern. "Anhand alter Zeitungsartikel haben wir begonnen, Stück für Stück dieser Geschichte zusammenzutragen, die für uns immer noch Fragen aufwirft." Zu danken haben sie dem 81-jährigen Georg Bertz: "Herr Bertz ist einer von den letzten alten Ebersheimern und ein Medium der Ortsgeschichte. Er gab uns detaillierte Einsicht in die Quellen."

    Rätselhaft am Absturz der viermotorigen Boeing mit Namen "Düsseldorf": Die 720 B war eines der modernsten Flugzeuge und die genaue Absturzursache konnte nie geklärt werden. Die Lufthansamaschine startete ab Frankfurt um 12.22 Uhr für einen Trainingsflug nach Köln. Um 12.25 Uhr wurde das letzte Mal Funkkontakt zur Crew aufgenommen. Um 12.27 Uhr meldete sich die Besatzung dann noch ordnungsgemäß über dem Kontrollpunkt Nierstein. Dann brach der Kontakt ab. Im Unfallbericht steht: "The reason for the transition into a nose-dive could not be stated with sufficient certainty." Übersetzt: Die Ursache des Absturzes kann nicht ausreichend sicher festgestellt werden.

    Außerdem verwunderlich: Der 1. Kapitän, der vierzigjährige Pilot Sussmann, hatte noch im Oktober vor dem Unglück einen Beinahe-Absturz mit einer Boeing 707 abgewendet. Wieder näherte er sich Ebersheim, als Teile der Ladung verrutschten. Nur im letzten Moment gelang es ihm, das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen, und der Flug wurde fortgesetzt.

    Aber selbst das ist nicht der Höhepunkt von Sonderbarkeiten, denn am 2. Dezember 1961, nur zwei Tage vor dem Unglück gaben die Sirenen Ebersheims Katastrophenalarm zum Übungseinsatz, die Probe für den Ernstfall, der möglichst nie kommen sollte. Noch am Tag des Unglücks berichtete daher die Tagespresse dramatisch überspitzt: "Ein Flugzeug stürzte auf Ebersheims Schule - Feuerwehrlöschzüge, Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk und Gendarmerie eilten zur Hilfe - Katastrophenalarm im Landkreis, doch nur zur Probe …" Dass am selben Tag tatsächlich ein Flugzeug abstürzt, konnte indes niemand ahnen, aber genau das war der Fall.

    Rudolf Büllesbach kommentiert: "Kurios, wenn es nicht so tragisch wäre. Die erstaunliche Verkettung von Zufällen, und was die Unfallursache angeht, tappen selbst die Experten im Dunkeln. Keine Theorie hat sich bewahrheitet. Die Boeing 720 B war das erste Passagierflugzeug mit Düsenantrieb, aber Sussmann war einer der besten Piloten der Lufthansa." Hans Brack, der schon bald ein ausführliches Buch zum Absturz der Boeing bei Ebersheim veröffentlichen wird, erläutert: "Das Flugzeug bohrte sich bei vollem Betrieb und hoher Geschwindigkeit mehrere Meter tief in den Acker, bevor es im Boden explodierte. Die Witterung erschwerte die Bergungsarbeiten enorm. Die Maschine liegt wahrscheinlich noch im Acker. Die ganze Sache bleibt in vielerlei Hinsicht mysteriös und die Lufthansa hält sich bis heute bedeckt." Mit seinem Buch, das bald erscheint, will der ehemalige Polizeibeamte für mehr Aufklärung in dem Fall sorgen. Henning Berg

     

    Info: Unter www.ebersheimer-geschichte.de ist noch mehr an Informationen rund um den Flugzeugabsturz zusammengetragen worden.

    Mainz
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Wetter in Mainz und Region
    Samstag

    4°C - 9°C
    Sonntag

    3°C - 9°C
    Montag

    6°C - 8°C
    Dienstag

    3°C - 10°C
    Sporttabellen
    Radball

    Alle Sportarten, alle Ligen, alle Plätze im Überblick

    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach