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Münster

Tatort-Preview: In der Gewalt eines Kollegen – Boerne zwischen Leben und Tod

Als sie klein war, erzählt Therapeutin Dr. Corinna Adam Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl), ist sie mit ihren Eltern sonntags in den Wald gefahren. Sie saß immer hinten im Auto und schaute aus dem Fenster. Eines Tages sah sie diesen Schäferhund am Straßenrand. Sie hatte das Gefühl, sagt sie, dass er sie anschaut, als ob er ihr etwas sagen wolle.

In der Gewalt des Kollegen: Prof. Harald Götz richtet die Waffe auf Prof. Karl-Friedrich Boerne. Foto: ARD/ WDR/ Wolfgang Ennenbach/ dpa
In der Gewalt des Kollegen: Prof. Harald Götz richtet die Waffe auf Prof. Karl-Friedrich Boerne.
Foto: ARD/ WDR/ Wolfgang Ennenbach/ dpa

Als sie auf seiner Höhe fuhren, sprang er plötzlich vor das Auto. Der Vater wich aus, steuerte das Auto vor einen Baum. Beide Eltern starben. "Deshalb bin ich Ärztin geworden", sagt sie, "ich hätte den Tod verhindern können. Ich habe ihn gesehen, bevor er eingetroffen ist. Ich glaube, dass ich eine Gabe habe – eine besondere Verbindung zu dem Bereich zwischen Leben und Tod."

Dr. Adam ist die Therapeutin von Prof. Harald Götz. Und er berichtet ihr in seinen Sitzungen immer wieder von seinen Mordgelüsten. Seine Zielscheibe: sein Kollege Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers). In seinen Träumen tötet er den eitlen Gerichtsmediziner mit einer Pumpgun bei einem Vortrag. Wenig später stirbt Götz' Frau durch die Schüsse einer Pumpgun. Sie ist durch die unheilbare Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) an den Rollstuhl gefesselt. Schnell stellt sich heraus, dass die Frau Suizid beging.

In den Fängen eines Kollegen

Doch wenig später gerät Boerne tatsächlich in die Fänge des Kollegen Götz. Als Boerne mit seinem Dekan und anderen Professoren in einer Münsteraner Gastwirtschaft gerade eine 3 Millionen Euro große Förderung für ein Mumienforschungsprojekt feiert, kidnappt Götz die feine Gesellschaft und verabreicht ihnen mit den Häppchen eine nervenschädigende Substanz. So will sich der erfolglose Professor dafür rächen, dass sie ihn nicht bei der Suche nach einem Mittel gegen die Krankheit seiner Frau unterstützten. Es scheint, dass seine Therapeutin das Gefühl für die besondere Verbindung zwischen Leben und Tod verloren hat – glaubt sie doch noch immer, dass Götz niemanden etwas antun würde. Da tötet dieser.

Foto: frei

Der 30. Fall des Erfolgsduos Thiel und Boerne hat alles, was ein solches Jubiläum ausmacht: starke Darsteller, witzig-tiefgründige Dialoge und eine rasante Geschichte. So entwickelt sich langsam ein Kammerspiel wie in guten Durbridge-Zeiten. Thiel hat Rücken, Boerne ist für kurze Zeit sprachlos und richtig nett. Und doch wird der "Tatort" zum Ende wirr und unlogisch. Darunter leidet die Spannung etwas. Doch wer das Münsteraner Duo mag – und das sind ja nicht wenige Zuschauer -, der wird wieder auf seine Kosten kommen.

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