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Koblenz

Intensive Proben am Theater Koblenz: Mehr Schmerz in die "Tosca" bringen

Claus Ambrosius

Wiederaufnahme am Theater Koblenz: Enrico Delamboye probt mit der Rheinischen Philharmonie für drei konzertante Vorstellungen der Puccini-Oper.

Mit Humor und Feinarbeit unterwegs zu drei konzertanten Aufführungen der Puccini-Oper „Tosca“: Enrico Delamboye, Chefdirigent des Theaters Koblenz, feilt gemeinsam mit der Rheinischen Philharmonie Koblenz an den Feinheiten der Partitur.
Mit Humor und Feinarbeit unterwegs zu drei konzertanten Aufführungen der Puccini-Oper „Tosca“: Enrico Delamboye, Chefdirigent des Theaters Koblenz, feilt gemeinsam mit der Rheinischen Philharmonie Koblenz an den Feinheiten der Partitur.
Foto: Theater Koblenz

Das deutsche Theatersystem genießt in der Welt einen hervorragenden Ruf, gerade in Hinsicht auf die Vielzahl von Häusern, die die aufwendige Kunstform Oper auf die Bühne bringen. In keinem Land der Welt werden so viele Opernvorstellungen pro Jahr gegeben – und bei allen Vorzügen dieser Vielzahl kam es in der Vergangenheit dadurch auch zu einem weniger erfreulichen Phänomen: Selbst an renommierten Opernhäusern konnte es Besuchern passieren, in der x-ten Wiederbelebung einer Produktion aus dem Repertoire eine nicht nur szenisch, sondern auch musikalisch ziemlich fragwürdige Vorstellung zu erleben. Im Graben ein Orchester, das das Werk schon lange nicht mehr gespielt hat, auf der Bühne Sänger, die noch nicht mit dem Orchester und womöglich auch nicht mit dem Dirigenten des Abends in Ruhe proben konnten – das schafft nur sehr selten Hochspannungsmomente und viel öfter Pleiten, Pech und Pannen auf hohem Niveau.

In Koblenz wird jetzt wieder ein Stück hervorgeholt, das in der Saison 2015/16 zu den absoluten Erfolgen gehörte: Puccinis „Tosca“. Die war damals in einer packenden Inszenierung zu sehen – mit dem kleinen Kompromiss, dass in den Koblenzer Graben nur die kleinstnötige Streicherbesetzung Platz fand.

Vorstellungen am 2., 18. und 25. Dezember, Tickets: Tel.0261/129 28 40

Nun steht „Tosca“ an drei Abenden konzertant, also ohne szenische Aktion und Bühnenbild, auf dem Spielplan – dafür aber mit vollem Klang der auf der Bühne platzierten Rheinischen Philharmonie. Und es gibt noch mehr Neuerungen: Einmal sind die zentralen Hauptrollen des Baron Scarpia und der Sängerin Floria Tosca neu besetzt – und am Pult steht diesmal der Koblenzer Chefdirigent Enrico Delamboye.

Damit aus der konzertanten Wiederaufnahme keine orchestrale Hängepartie wird, sind einige Proben angesetzt – zum Beispiel für die „neu Hinzugestiegenen“ im Orchester, wie es Dirigent Delamboye bei der Probe im Görreshaus ausdrückt.

Solch eine Probe ist auf der einen Seite hochinteressant – wenn es etwa darum geht, wie die gefährlichen Stellen der Partitur, etwa krasse Tempoänderungen im Orchester, die mit dramatischen Gesangsstellen koordiniert werden müssen, detailgenau mehrfach ausgeputzt und perfektioniert werden. Oder wenn Delamboye die Kontrabässe um ein eigentlich nicht verlangtes Fortissimo bittet, um „an dieser Stelle mehr Schmerz“ in das Stück zu bringen. Und auch dann, wenn überraschend das einzige Mal in der Probe ein Teil der Musiker tatsächlich falsch spielt und nach der Arie des Cavaradossi im dritten Akt in Dur statt in Moll landet – wie es eigentlich auch notiert ist. „An dieser Stelle machen wir einen richtig schönen Konzertschluss zum Klatschen für die Zuschauer“, kündigt Delamboye an – und alle Musiker, die das noch nicht wussten, vermerken das flugs in den Noten.

Für andere Beteiligte der Proben bedeutet diese Feinarbeit, die letztlich die Tiefenqualität eines Abends ausmachen kann, vor allem eines: warten. Etwa für den in Koblenz bestens bekannten Tenor Deniz Yilmaz. Genau 54 Minuten hört er geduldig bei den Korrekturen des Finales des zweiten Aktes zu, bevor er, quasi aus dem Stand und ohne erneutes Einsingen, die Arie „E lucevan le stelle“ im Görreshaus erstrahlen lässt – und dafür von seiner Tosca, der derzeit auch als Puccinis Mimì in der Koblenzer Produktion von „La Bohème“ gastierenden Sopranistin Sara Rossi Daldoss und vielen Orchestermusikern Applaus erhält.

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius
Handlung:
Nach der Verhaftung des Konsuls Cesare Angelotti kontrolliert der römische Polizeichef Scarpia die ewige Stadt Rom. Angelotti flieht aus dem Gefängnis und findet in dem Maler Mario Cavaradossi einen Verbündeten. Doch Cavaradossi fällt in die Hände Scarpias. Intrigant spielt Scarpia die Eifersucht der Geliebten des Malers aus: Es ist die bekannte Sängerin Floria Tosca. Um Cavaradossi vor der Folter zu retten, verrät sie das Versteck Angelottis. Doch anstatt den Maler freizulassen, lässt Scarpia ihn zum Galgen abführen. Tosca könne ihren Geliebten nur retten, indem sie sich Scarpia ausliefere. Sie willigt ein – und tötet den Tyrannen. Scarpias Terrorherrschaft aber überdauert selbst seinen Tod: Entgegen seinem Versprechen erfolgt Cavaradossis Hinrichtung nicht nur zum Schein. Damit ist auch Toscas Schicksal besiegelt.

Musikalische Leitung:
Enrico Delamboye
Choreinstudierung: Ulrich Zippelius, Kinderchor: Manfred Faig

Mit:
Sara Rossi Daldoss, Deniz Yilmaz/Ricardo Tamura, Nico Wouterse, Tae-Oun Chung, Jongmin Lim, Junho Lee, Christoph Plessers
Opern- und Extrachor, Kinderchor (Singschule Koblenz) Staatsorchester Rheinische Philharmonie

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