40.000
  • Startseite
  • » Kultur
  • » Ende auf absehbare Zeit: "Koblenz liest ein Buch" bald noch intensiver
  • Aus unserem Archiv

    Ende auf absehbare Zeit: "Koblenz liest ein Buch" bald noch intensiver

    Lesungen an ungewöhnlichen Orten, musikalische Begegnungen und ein reger Austausch über Literatur – all das sollte die Leseaktion „Koblenz liest ein Buch“ leisten. Geglückt ist dieses Vorhaben, mehr als 1000 Romane wurden seit März laut Verlagsangaben verkauft.

    So viel wurde öffentlichkeitswirksam noch nie in Koblenz gelesen: Die Aktion "Koblenz liest ein Buch" ist zu Ende. Doch nur auf absehbare Zeit.
    So viel wurde öffentlichkeitswirksam noch nie in Koblenz gelesen: Die Aktion "Koblenz liest ein Buch" ist zu Ende. Doch nur auf absehbare Zeit.

    Von unserer Redakteurin 
Melanie Schröder

    Ob beim Friseurbesuch, beim Picknick vor dem Kurfürstlichen Schloss oder während der Mittagspause in der Kantine – überall konnte Koblenzern in den vergangenen drei Monaten vor allem eine Figur begegnen: der immer leicht bis mittelschwer frustrierte Musiklehrer Herr Beck. Mal betrübt und desorientiert, mal berauscht vor Glück.

    Der Protagonist aus Benedict Wells Roman „Becks letzter Sommer“ schlich sich über Wochen selbst in jene Ecken städtischen Lebens, die mit Literatur auf den ersten Blick nicht viel zu tun haben. Insofern: Mission geglückt. So bewerten zumindest die Organisatoren des nun beendeten Großprojekts „Koblenz liest ein Buch“ den zweiten Versuch, Literatur über einen längeren Zeitraum zum kreativen Gemeinschaftserlebnis reifen zu lassen – eine Initiative des Kultur- und Schulverwaltungsamts und der Buchhandlung Reuffel. Die Macher sind sogar so zufrieden, dass die Veranstaltung künftig wachsen soll.

    Nächste Ausgabe 2019 geplant

    Bereits 2015 fiel der Startschuss der Aktion mit John von Düffels „Das permanente Wanken und Schwanken von eigentlich allem“, an Fahrt nahm sie erst in diesem Jahr auf mit Wells 2008 erschienenen Roman und einem breiten Begleitprogramm. Aufbauend auf dieser Erfahrung soll das Projekt nun voraussichtlich alle zwei Jahre stattfinden, erklärt Kulturdezernentin Margit Theis-Scholz: „Zwei Jahre sind ein guter Zeitraum, um die Planung und Organisation sinnvoll angehen zu können. Zudem soll so eine Aktion ja auch weiterhin Interesse erzeugen und nicht zu einer Übersättigung führen.“

    Für die Zwischenjahre sind zudem dennoch Leseaktionen geplant, die Theis-Scholz unter dem Arbeitstitel „Koblenzer Lesenächte“ fasst. Mehr verraten will sie dazu noch nicht, klar ist aber, dass die Buchhandlung Reuffel erneut eng eingebunden wird. So wie auch in „Koblenz liest ein Buch“. Reuffel-Buchhändler und Mitorganisator Rainer Marquardt zieht zur ersten öffentlich breit wahrgenommenen Ausgabe der Reihe eine positive Bilanz: „Mein Eindruck ist, dass die Aktion tatsächlich zu vielen lohnenden Begegnungen geführt hat. Wir haben geschafft, dass sich Menschen mit dem Buch auseinandersetzen und das nachhaltig. In den Laden kommen immer noch Menschen, die über das Buch sprechen wollen.“

    Hintergrund zum Roman

    Mit der Aktion „Koblenz liest ein Buch“ Leseförderung für Erwachsene zu betreiben, liegt dem Literaturprojekt zugrunde. Ausgewählt wurde Benedict Wells' Roman „Becks letzter Sommer“, in dem ein Musiker, der inzwischen Lehrer ist, seinem Lebenstraum von der großen Bühnenkarriere nachhängt. In einem talentierten Schüler entdeckt Beck plötzlich ein unerschöpfliches Potenzial und versucht mit ihm gemeinsam den Traum des Rockstarlebens doch noch zu verwirklichen. Wie die Organisatoren erklären, war es vor allem die Vielfalt an Themen auf einer subtilen inhaltlichen Ebene, die zum Ausgangspunkt für vielfältige Diskussionen genommen werden konnten: Verhandelt werden Sinn- und Lebensfragen, die jeden Menschen einmal umtreiben.

    Dass das Interesse an Wells nicht nur auf einem Bauchgefühl, sondern auch auf Zahlen beruht, freut ihn: „Der Diogenes Verlag hat uns gemeldet, dass das Buch seit März in Koblenz und Umgebung mehr als 1000 Mal verkauft wurde. Auch wenn kommerzieller Erfolg kein Gradmesser für den Erfolg des ganzen Projekts sein kann, zeigt das schon, dass das Buch im Alltagsgeschehen angekommen ist. Das ist enorm. Auch andere Titel Wells' wurden bei uns im Laden nachgefragt und mitgezogen.“ Eine gute Ausgangslage, um künftig Autoren zu gewinnen.

    Nachjustieren bei der Planung

    Wachstumspotenzial sieht auch Elena Heth, Hauptorganisatorin der Leseaktion. Ihrem Eindruck nach gibt es aber durchaus Stellschrauben, an denen nachjustiert werden kann: „Wir wollen weiterhin viele Künstler, Institutionen und Initiativen einbeziehen, aber mit einem größeren Vorlauf. Das ermöglicht eine ganz andere Auseinandersetzung mit Romanthemen. Ich denke, dass wir beim Begleitprogramm auch noch ganz andere Dinge auf die Beine stellen können. Schon jetzt war es toll, dass es nicht nur Lesungen gab, sondern auch einen Schreibsalon, Diskussionsrunden oder auch viele musikalische Begegnungen.“ Ob dabei der Projektzeitraum von drei Monaten bestehen bleibt, ist jetzt noch nicht absehbar. „Wir wollen keinen Festivalcharakter“, erklärt etwa Marquardt und Theis-Scholz fügt hinzu: „Unser Ziel ist, möglichst viele Menschen zu erreichen. Eine längere Projektphase schafft da natürlich viel mehr Anlässe.“

    Auch soll in jedem Fall die organische Struktur der Aktion beibehalten werden – jeder soll etwas beitragen können, auch spontan. „Das macht den Charakter aus: ,Koblenz liest ein Buch’ ist eine Aktion, die sich entwickelt – auch während des Prozesses. Das wollen wir fortführen. Eine unserer Intensionen ist, Teilhabe zu ermöglichen und den Austausch zu fördern. Das soll nicht künstlich durchgestaltet werden“, sagt Heth. Auch im Jahr 2019 wollen die Veranstalter deshalb vor allem eins versuchen: ein Buch gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern zum Stadtgespräch zu machen.

    Kultur
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!