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Mainz

Ein rauschendes Fest der Kostüme: „La Cage aux Folles“ im Staatstheater Mainz

Axel Zibulski

Neuproduktion „La Cage aux Folles“ verzichtet am Staatstheater Mainz zum Glück auf erzwungene Aktualisierungen. Was somit auf die Bühne kommt, ist ein amüsanter Abend, der mit Applaus überschüttet wird.

Flotte zweieinhalb Stunden, die viel fürs Auge bieten: „La Cage aux Folles“ am Staatstheater Mainz ist ein beglückendes Knallbonbon.
Flotte zweieinhalb Stunden, die viel fürs Auge bieten: „La Cage aux Folles“ am Staatstheater Mainz ist ein beglückendes Knallbonbon.
Foto: Andreas Etter

Seit fast einem Vierteljahrhundert hat der „Käfig voller Narren“ seinen festen Platz auf den internationalen Musicalbühnen. New York, London, schließlich im Jahr 1985 das Berliner Theater des Westens. Seither echauffieren sich Georges, der Besitzer des Nachtklubs La Cage aux Folles, und sein Lebenspartner Albin, der dort als Dragqueen Zaza zugleich Star der Bühnenshow ist, über Jean-Michel, den Sohn aus einer Liaison von Georges und einer Künstlerin. Der junge Mann hat seinen schwulen Eltern nämlich angekündigt, Anne zu heiraten – ausgerechnet die Tochter des homophoben Politikers Edouard Dindon.

Keine erzwungenen Aktualisierungen

Auf den Bühnen der Staats- und Stadttheater ist Jerry Hermans Musical längst zum modernen Klassiker geworden. Auch das Staatstheater Mainz kann sich über regen Publikumszuspruch in der gegenwärtigen Vorstellungsserie einer Neuproduktion freuen, in der Christopher Tölle für Regie und Choreografie verantwortlich ist. In seiner Inszenierung versucht er sich trotz kleiner Anti-Trump-Pointe zwischendurch zum Glück nicht an erzwungenen Aktualisierungen. Vielmehr wird der „Käfig voller Narren“ zum rauschenden Fest der Kostüme (von Lena Brexendorff), der Travestie, aber auch der flotten Dialoge und des eloquent über die Rampe gebrachten Gesangs. Aus dem Mainzer Opernensemble haben der Bass Stephan Bootz als Georges, aber auch der Countertenor Alin Deleanu, der sich hier ganz auf sein baritonales Register verlässt, keine Mühe, sich als Darsteller in die Revue einzufügen.

Infos zu Karten und Terminen unter www.staatstheater-mainz.com

Schließlich gibt es in der auf flotte zweieinhalb Stunden gestrafften Produktion jede Menge fürs Auge, zum Beispiel die Gruppe der Cagelles, die sich Odette, Loulou oder Hanna aus Hamburg nennen und für die sich das Mainzer Haus einige Musicaldarsteller als Gäste leistet. Allen voran den aus Brasilien stammenden Tänzer Fausto Israel, der die wunderbar überdrehte Rolle der Hauszofe Jacob schon in der Berliner „Bar jeder Vernunft“ gegeben hat und nun auch in Mainz zum heimlichen Star des Abends wird.

Zugeständnis auf musikalischer Ebene

Da lässt es sich leicht vergessen, dass es eine Weile dauert, bis sich der eigentliche Konflikt der Handlung zuspitzt: Albin soll für einen Abend zusammen mit allem möglichen phallischen Mobiliar das Haus verlassen, damit Sohn Jean-Michel (Johannes Mayer) den konservativen Eltern seiner Verlobten ein heterosexuelles Heim vorspielen kann. Dass Albins trotziges Statement, das zur berühmtesten Nummer des gesamten Stücks gewordene „I Am What I Am“ auf Deutsch singen muss, ist ein verschmerzbares Zugeständnis an die Aufführung in der Publikumssprache.

Wer sich danach über den stockbiederen und von Armin Dillenberger herrlich steif gegebenen Edouard Dindon amüsiert, der alle Nachtklubs schließen und das Töchterchen Anne (Alexandra Samouilidou) lieber anderweitig unter die Haube bringen möchte, sollte nicht vergessen: Die Dindons sind unter uns, und in nicht wenigen Gesellschaften dieser Welt sind sie sogar in der ziemlich erdrückenden Mehrheit. Dass Edouard und seine entfesselte Gemahlin Marie (Ellen Kärcher) zum großen Finale also plötzlich entfesselt die nackten Schenkel schwingen, ist immer noch eine Utopie. Auf der Mainzer Bühne freilich eine herrlich schräge, die akustisch vom Philharmonischen Staatsorchester unter Paul-Johannes Kirschner leicht bis prächtig gestützt wird: Riesenapplaus auch in der besuchten Repertoirevorstellung!

Von unserem Mitarbeiter Axel Zibulski

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