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Che Sudaka im RZ-Interview: Utopisten, die an die Liebe glauben

Sozialkritik wohnt ihrer Musik inne: Die Kombo Che Sudaka nutzt Musik als Mittel zum Zweck. Ihre politische Botschaft ist auf eine Essenz zu reduzieren: Liebe ist die größte Rebellion in diesen Zeiten. Im RZ-Interview erzählen die Musiker, die am 7. März im Café Hahn auftreten, was sie künstlerisch an- und umtreibt.

Sie sprühen vor Energie: Nicht umsonst werden die Musiker von Che Sudaka zu den wichtigsten internationalen Festivals eingeladen. Ihr Mestizo-Sound, die dynamische Mischung von Ska-, Punk-, Latin- und Hip-Hop-Einflüssen ist unwiderstehlich. Die Musiker, die einst als Illegale nach Spanien kamen und mittlerweile in Barcelona leben, haben eine neue CD veröffentlicht: „Almas Rebeldes“ (rebellische Seelen). Im RZ-Interview erklären Leo, Kachafaz, Jota und Cheko warum und wogegen sie musikalisch rebellieren.

Tanzen und (Nach)Denken. Das ist Ihre Forderung. Sind aber die Menschen heutzutage oft nicht zu bequem, um über den Zustand der Welt nachzudenken?
Jeder, der sich eine Minute Zeit zum Nachdenken nimmt, wird feststellen, dass die gegenwärtige internationale Politik keine Probleme löst. Denn die Bürger nehmen niemals teil an den Entscheidungen. Das demokratische System lädt dazu ein, viele an Lösungsmöglichkeiten zu beteiligen, doch die Entscheidungen werden letztlich immer von wenigen getroffen. Wir glauben daran, dass Lösungen auf individueller Ebene der erste Schritt auf dem Weg zu Lösungen auf Kollektivebene sind. Wir glauben nicht, dass die Menschen zu bequem sind. Wir glauben nur, dass es viel Zerstreuung gibt. Musik ist ein hervorragendes Instrument, um eine bessere Realität zu schaffen. Deshalb machen wir Musik, um das Leben in Gemeinschaft zu feiern.

Am 7. März, 20 Uhr, gastieren die Musiker im Café Hahn.Karten kosten 22 Euro an der Abendkasse. Weitere Infos gibt es online unter www.cafehahn.de

Gibt es zu wenige mit rebellischen Seelen? Und von welcher Art Rebellion sprechen Sie?
Aus unserer Sicht ist eine rebellische Seele, diejenige, die gegen Traurigkeit, Angst und den über Generationen hinweg vererbten Egoismus ankämpft. Und das kann eigentlich jeder. Heutzutage ist die höchste Form der Rebellion die Liebe. Leider glauben viele, dass alles nur Hass und Krieg ist. Doch es gibt die Schönheit einer in Gemeinschaft erlebten Freude. Wer gemeinschaftliches Glück erlebt hat, wird nur schwer wieder zu seinem alten Leben zurückkehren.

Sie kritisieren Politiker allgemein als Lügner. Warum?
Wir singen darüber, dass die Jahre vergehen, ohne dass sich die Weltlage verbessert. Reiche werden immer reicher, Arme immer ärmer. Da erhebt sich die Frage: Ist Politik die Lösung? Wäre es nicht vernünftiger an das Bewusstsein zu appellieren und uns als eine große weltumspannende Familie zu erleben? Wir sind Utopisten, aber die Utopie hilft uns, unseren Weg weiter zu beschreiten, mit positiver Einstellung das Allgemeinwohl zu suchen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Sie sprechen von Frieden und Übereinkunft. Was muss Ihrer Ansicht nach geschehen, damit sich Menschen und Völker mit gegenseitigem Respekt begegnen?
Jeder Einzelne muss verstehen, dass die Lösung bei ihm selbst liegt. Daher singen wir „Der Krieg findet in deinem Inneren statt“. Dies ist der wichtigste aller Kriege. Wenn du mit dir in Frieden lebst, schreitest du friedlich durch die Welt. Wie Ghandi sagte: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg.“
Ihr lebt in Barcelona. Unterstützt ihr die Unabhängigkeitsbewegung?
Wir leben unser Leben als unabhängige Individuen. Wir lieben alle Kulturen dieser Welt. Wir sehen territoriale Kämpfe nicht als Problemlösungen an. Die Lösungen kommen von jenen Menschen, die bereit sind, zu teilen und sich zu vermischen. Das lernen wir täglich in unserem Viertel, in dem Menschen aus mehr als 100 Ländern dieser Erde friedlich zusammenleben.

Sie kommt aus Lateinamerika. Worin unterscheidet sich das Leben dort im Vergleich zu Europa am stärksten?
In unserem Fall ist es die Möglichkeit, seit 17 Jahren 24 Stunden am Tag Musik machen und davon leben zu können. Das wäre dort unmöglich. Auf sozialem Gebiet sind die Unterschiede grenzenlos und unüberbrückbar. In Lateinamerika ist die Lebensphilosophie eine völlig andere. Es gibt andere Werte, zum Guten wie zum Schlechten. Das Beste dort ist die Kunst, etwas ohne Mittel und Furcht zu schaffen. Das Schlechteste, die Aufspaltung der Menschen, vor allem durch Politik und Fußball. Das macht viel kaputt. Stärken der Lateinamerikaner sind Begeisterungsfähigkeit und Hoffnung. Aus diesem Grund denken und fühlen wir positiv, weil wir Lateinamerikaner sind. Und Weltbürger.

Die Fragen stellte Frank Blum

Kurzkiritik zur neuen Platte

„Almas Rebeldes“ (Carvernicola/Galileo), das neue Album von Che Sudaka,, ist eine Art Rückschau, eine Rückschau auf 15 Jahre Bandgeschichte und acht Alben. Einige bekannte Songs hat das Quartett neu eingespielt, einige neu komponiert. Dazu hat sich die Band mit Amparo Sanchez und Manu Chao sehr bekannte Unterstützer mit ins Studio geholt. Treu bleiben Che Sudaka auf den 15 Songs ihrem Mix aus lateinamerikanischer Folklore, jamaikanischen Rhythmen, Punk-Attitüde und den elektronischen Spielzeugen eines Sound Systems gepaart mit sozialkritischen Texten, in denen sie für eine gerechte und friedvolle Welt eintreten. Höhepunkte der CD sind das Titelstück, die Politikerschelte „Mentira Politika“ und das nachdenklich machende „La Guerra es por dentro“. fb

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