Archivierter Artikel vom 19.11.2011, 08:20 Uhr
Rheinland-Pfalz

„Sicherheitsschuhe für die Seele“: Psyche der Mitarbeiter bleibt in vielen Firmen ein Tabu

Die psychologische Betreuung und Beratung von Arbeitnehmern steckt in rheinland- pfälzischen Unternehmen noch in den Kinderschuhen. Doch sie lernt langsam laufen, berichtet Dr. Nadine Schuster vom Institut für Personal- und Gesundheitsentwicklung in Mainz.

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Rheinland-Pfalz. Die psychologische Betreuung und Beratung von Arbeitnehmern steckt in rheinland- pfälzischen Unternehmen noch in den Kinderschuhen.

Doch sie lernt langsam laufen, berichtet Dr. Nadine Schuster vom Institut für Personal- und Gesundheitsentwicklung in Mainz.

Wirtschaft baut Beratungsnetzwerk im Land auf

Zusammen mit dem Wirtschaftsministerium versucht die Diplom-Psychologin, Führungskräfte im Land für das Thema seelische Leiden von Arbeitnehmern zu sensibilisieren. 25 Firmen, darunter auch etliche kleine mittelständische Betriebe, beteiligen sich mittlerweile an dem Projekt.

Einmal pro Quartal treffen sich Vertreter der Firmen, um sich auszutauschen und um Vorträge von Experten zu hören. Vor allem bekommen sie Tipps und Beratung im Umgang mit dem Stress und den psychischen Leiden ihrer Mitarbeiter.

Anti-Stress-Coaching für Führungskräfte

Auch ein Anti-Stress-Coaching gehört zum Angebot. Doch trotz dieser zarten Fortschritte weiß auch Schuster: „Psychische Erkrankungen sind in Unternehmen weiterhin mit vielen Tabus verbunden.“ Und dies, obwohl viele große Versicherungen und selbst kleine Betriebskrankenkassen das Gesundheitsmanagement in Unternehmen fördern. Rückenschule, Nordic-Walking oder Fitnessstudio – all dies ist bei großen Unternehmen längst gängige Praxis, aber eben auch unverfänglich.

Bei seelischen Leiden stößt Schuster indes „auf große Widerstände und Hemmungen bei Mitarbeitern und Vorgesetzten, diese im Unternehmensalltag anzusprechen“. Ehe dies gelingt, bedarf es oft vieler vertrauensbildender Maßnahmen. Kein einfaches Unterfangen in einer zunehmend durch Konkurrenz und Zeitdruck geprägten Arbeitswelt.

Da liest sich die Forderung der Landespsychotherapeutenkammer zwar als einleuchtender, aber auch schwer umsetzbarer Wunsch: „Im Führungsverhalten ist die soziale Rückendeckung der Mitarbeiter zu berücksichtigen, ebenso die Vermeidung von Kompetenzgerangel und eine klare Definition von Handlungsspielräumen.“ Kammerpräsident Alfred Kappauf fragt: „Warum keine Sicherheitsschuhe für die Seele? Die Konzepte dafür liegen vor.“

Unterm Strich dürfte es sich für die Unternehmen auch rechnen, wenn sie zufriedene Mitarbeiter beschäftigen, die sich seltener als derzeit wegen seelischer Leiden krankmelden müssen.

Christian Kunst