Lebensart: Ein Stück vom Glück

Einfach nur unendlich glücklich – so beschreibt der Lottomillionär aus der Nähe von Ludwigshafen seinen momentanen Schwebezustand. Unvorstellbare 21 Millionen Euro hat er in dieser Woche im Lotto gewonnen. Ein zufälliger Glücksmoment.

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Von Angela Kauer

Aber wird er den Mann dauerhaft zufrieden machen? Nicht unbedingt, sagt der Neurowissenschaftler Prof. Tobias Esch. Glück ist von solchen Ereignissen nur in geringem Maße abhängig. Äußere Umstände beeinflussen unser Glück nur zu etwa 10 Prozent. Ob ein Mensch grundsätzlich glücklich ist, entscheidet sich an anderer Stelle: Denn Glück entsteht, vereinfacht gesagt, im Gehirn.

Das Gefühl ist – so unromantisch das klingt – ein biologischer Prozess. Ein körpereigenes Belohnungssystem, das Glücksbotenstoffe wie Dopamin, Serotonin oder körpereigene Opiate ausschüttet, sorgt für die begehrte wohlige Empfindung, erläutert Esch. Deshalb kann man Glück tatsächlich messen.

Nicht nur, indem man Menschen fragt, wie sie sich gerade fühlen, sondern auch, indem man zum Beispiel in ihrem Blut nach Glücksbotenstoffen sucht. Oder beobachtet, was im Gehirn eines glücklichen Menschen passiert. „Wissenschaftlich geht das nur, wenn ich weiß, dass ein Zustand wie ,Glücklichsein' bestimmte Korrelationen mit Dingen hat, die ich messen kann“, sagt Esch. „Das klingt banal, aber wenn ich etwas im Hirn messe, muss ich ja wissen, wonach ich suche.

Das ist sehr kompliziert, aber wir wissen inzwischen sehr wohl, wonach wir suchen müssen, wenn wir Glücklichsein oder Zufriedenheit messen wollen.“ Ob wir glücklich sind oder nicht, ist durchaus kein Zufall. Die Fähigkeit, glücklich zu sein, wird uns sozusagen in die Wiege gelegt: Etwa zur Hälfte ist sie angeboren und in der genetisch festgelegten Struktur unseres Gehirns begründet.

Esch nennt das die „Werkeinstellung zum Glücklichsein“. Die gute Nachricht: Die restlichen 40 Prozent liegen im Bereich unserer Möglichkeiten. Das heißt, wir können unser Glücksempfinden aktiv beeinflussen. „Glücklich zu sein, kann man lernen“, sagt Esch. Von einer Pille, die etwa die chemischen Vorgänge im Körper verändert, hält er deshalb gar nichts.

„Glücksgefühle haben auch damit etwas zu tun, dass man selbst etwas geschafft oder erreicht hat“, sagt der Glücksexperte. Er rät vielmehr dazu, den „Glücksmuskel zu trainieren“ – etwa durch positives Denken, Genuss und Achtsamkeit. „Es lohnt sich, sein körpereigenes Belohnungssystem zu aktivieren, denn die Auswirkungen – nicht nur auf die seelische, sondern auch auf die körperliche Gesundheit – sind ganz unmittelbar“, meint Esch.

Als ganz praktische Übung, die jeder in seinen Alltag integrieren kann, empfiehlt der Experte das Trainieren von Dankbarkeit: „Machen Sie sich jeden Tag drei Dinge bewusst, für die Sie dankbar sind oder die besonders gut gelaufen sind. Am besten schreiben Sie sie auf“, erklärt Esch die Regeln. Die Wahrnehmung verschiebt sich, man sieht plötzlich nicht mehr nur das, was schlecht ist – und ist glücklicher.

Für die stressigen Momente und Tiefen des Lebens könne jeder ein solches Korrektiv finden, etwas, mit dem er sich belohnen kann, sei es die Familie, Sport, Musik, Beten, Meditation, kurz: etwas, was ihn – jenseits aller materiellen Güter – glücklich und zufrieden macht. Probieren Sie es doch mal aus. Wir wünschen Ihnen viel Glück!

Archivierter Artikel vom 21.11.2013, 06:29 Uhr