Archivierter Artikel vom 26.02.2015, 05:56 Uhr
Doha

Die WM 2022 wird kälter und kürzer

Auch am Tag danach gibt es noch jede Menge Kopfschütteln und noch mehr Fragen: Die Task-Force des Fußball-Weltverbandes Fifa hat sich auf ihrer Sitzung in Doha dafür ausgesprochen, dass die WM 2022 in Katar von Ende November bis Ende Dezember ausgetragen werden soll. Die Verlegung des Turniers in den Winter muss von der Fifa-Exekutive am 19./20. März noch abgesegnet werden. Die wichtigsten Antworten auf Fragen:

Lesezeit: 3 Minuten

Futuristische WM: So soll das „Lusail Iconic-Stadion“ aussehen, das bei dem Fußball-Weltturnier 2022 insgesamt 86 250 Zuschauern Platz bietet – mitten im deutschen Winter.
Futuristische WM: So soll das „Lusail Iconic-Stadion“ aussehen, das bei dem Fußball-Weltturnier 2022 insgesamt 86 250 Zuschauern Platz bietet – mitten im deutschen Winter.

Warum war ein Turnier im November und im Dezember die einzig “brauchbare Lösung„?

Bei einer WM im Januar/Februar wäre es zur Kollision mit den Olympischen Winterspielen gekommen. Sponsoren und die TV-Anstalten hätte eine derartige Entscheidung abgeschreckt. Ein Termin im Mai war ebenfalls nicht die Ideallösung, da auch zu diesem Zeitpunkt Temperaturen von mehr als 30 Grad in Katar herrschen. Zudem beginnt im Jahr 2022 der Fastenmonat Ramadan am 2. April.

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Wann genau findet die WM nun statt?

Im Vorschlag der Task-Force ist bislang lediglich von einem Zeitraum “Ende November bis Ende Dezember„ die Rede, der exakte Termin muss noch ausgehandelt werden. Klar ist lediglich, dass das Turnier auf 28 Tage verkürzt wird. Die WM in Brasilien hatte noch 32 Tage gedauert. Damit müssten nun auch schon vor dem letzten Gruppenspieltag vier Partien an einem Tag gespielt werden.

Welche Termin-Szenarien sind vorstellbar?

Für den Abschluss des Turniers gibt es derzeit vor allem zwei mögliche Alternativen. Denkbar wäre ein WM-Finale kurz vor Heiligabend am 23. Dezember oder auch am Sonntag, 18. Dezember – dem Nationalfeiertag Katars. Dem entsprechend könnte sich ein Turnierstart zwischen dem 18./19. bis zum 26. November ergeben.

Was bedeutet das für den Spielplan der Bundesliga?

Die Bundesliga-Saison 2022/23 müsste schon Anfang/Mitte Juli beginnen, damit die erste Halbserie vor der WM abgeschlossen werden kann. Die vorige Saison würde demnach früher als gewohnt zu Ende gehen. Normalerweise muss der Ligabetrieb dreieinhalb Wochen vor dem Turnierstart eingestellt werden. Nach der Winterpause ginge es für die Bundesliga wie gewohnt weiter.

Können die Klubs die Abstellung ihrer Spieler für die WM verweigern?

Nein. Die Vereine sind verpflichtet, ihre Nationalspieler für Länderspiele abzustellen. Andernfalls drohen harte Strafen.

Wie ist die Situation in anderen Ligen?

Sollte sich die Fifa auf ein WM-Finale am 18. Dezember einlassen, könnte in England noch das nationale Fußball-Heiligtum, der Boxing Day, gerettet und der Spieltag am 26. Dezember eingeplant werden. In Spanien könnte die Liga wie gewohnt kurz nach Neujahr weitergehen.

Was sind weitere Knackpunkte?

Die europäischen Vereine drängen auf Entschädigungsansprüche. Bayern Münchens Karl-Heinz Rummenigge betonte, dass der Schaden für die Vereine “fair zu kompensieren„ sei. Die Fifa lehnt Entschädigungen noch kategorisch ab, könnte aber bei massivem Druck auch nachgeben müssen.

Was wird aus den TV-Rechten?

Die Verschiebung des Fußballturniers auf die Wintermonate hat keine Auswirkungen auf das Rechtepaket, das die beiden öffentlich-rechtlichen TV-Sender erworben haben. “Das ändert an unserem Vertrag nichts„, erklärte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. ARD und ZDF übertragen alle 64 Spiele der WM live.

Wie reagieren die WM-Gastgeber in Katar?

Die WM-Organisatoren haben die Debatte recht unaufgeregt verfolgt. “Wir können die WM zu jeder Jahreszeit ausrichten„, hieß es aus Katar. Im Sommer hätte man die Stadien heruntergekühlt.

Was halten andere Sportverbände von der WM-Verschiebung?

Die großen deutschen Sportligen werden prüfen, ob sie ihre Spielpläne verändern – bei der Termindichte ein fast unmögliches Unterfangen. “Im Moment dürfen wir uns keine Denkverbote auferlegen, wir müssen es so breit analysieren, wie es geht„, sagte der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, Jan Pommer. Schlimm trifft es auch die Wintersportler, deren Saison in der Regel Ende November anfängt. “Dass es zu Interessenskollisionen kommen wird, liegt auf der Hand", sagt Franz Steinle, Präsident des Deutschen Ski-Verbandes.

Ist an dem Vorschlag November/Dezember noch zu rütteln?

Die Antwort lautet: so gut wie nein. Es gilt als sicher, dass die Fifa-Exekutive in ihrer Sitzung am 19./20. März zustimmt.