Archivierter Artikel vom 26.02.2015, 05:56 Uhr
Berlin

Gewinner und Verlierer

Die umstrittene Winter-WM in Katar 2022 produziert Gewinner und Verlierer:

Rock am Ring: Wer hat den Blues, wer feiert?

Die Gewinner

  • Spieler: Die europäischen Spielpläne geraten zwar komplett aus den Fugen, doch den Spielern bleiben durch die Verlegung zumindest Sommer-Temperaturen um 40 Grad erspart. Im Winter herrschen in Katar moderate Temperaturen bis 25 Grad.
  • IOC: Als Alternative war auch der Januar/Februar 2022 im Gespräch. Dann wäre die Fußball-WM mit den Olympischen Winterspielen kollidiert. Das Winterspektakel soll vom 4. bis 20. Februar in Almaty oder Peking ausgetragen werden.
  • Sommersportverbände: Eine WM im Sommer hatte bislang alles überlagert. Sportarten wie der Radsport profitieren von einer Winter-WM, schließlich findet die Tour de France stets im Juli statt.
  • Bars, Cafés, Restaurants: Statt Biergärten werden sie im Winter zum öffentlichen Wohnzimmer für Millionen Fans. Die Bierbrauer sind trotz fehlender Hitze erfrischend gelassen: „Dafür muss sich beim Public Freezing niemand Sorgen machen, dass das Bier nicht kalt genug ist“, scherzt der Deutsche Brauerbund.

Gipfelwahnsinn oder sinnvolles Treffen?

Die Verlierer
  • Vereine: Die Topklubs müssen in einer Zeit, in der Hochbetrieb im Klubfußball herrscht, fast zwei Monate ihre Topspieler an die Nationalmannschaften abstellen. Entsprechend fordern die Vereine eine Entschädigung – die die Fifa aber ablehnt. Eine Winter-WM werde das Vereinsgeschäft beeinflussen, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Diese Kosten können nicht durch die Klubs bezahlt werden.“
  • Europäische Topligen: Sie müssten ihren Spielplan komplett ändern. Die Bundesliga müsste beispielsweise von Ende Oktober bis in den Januar hinein aussetzen. In England würde beispielsweise der Boxing Day, einer der lukrativsten Spieltage des Jahres, am zweiten Weihnachtsfeiertag wegfallen.
  • Uefa: Die Geldmaschine Champions League müsste ihren Spielplan ebenfalls umkrempeln. Im November/Dezember fallen normalerweise die Entscheidungen in der Gruppenphase.
  • Fifa: Fifa-Chef Sepp Blatter wird die Schatulle für Kompensationszahlungen an die Ligen und Vereine für seinen Terminwunsch öffnen müssen. Dazu kommen die bereits seit Jahren anhaltenden negativen Schlagzeilen wegen der Katar-WM.
  • Wintersportverbände: Im November/Dezember laufen hochkarätige Wintersport-Veranstaltungen bereits auf vollen Touren. „Dass es hier zu Interessenskollisionen kommen wird, liegt auf der Hand“, bemerkte der Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), Franz Steinle.
  • TV-Markt: ARD und ZDF bekommen Probleme, weil sie im November und Dezember lange Wintersport-Strecken zeigen. Programmplanung und Personaleinsatz werden schwierig. In den USA ist Football-Time. Das Sommerloch im US-Sport wäre für den übertragenden US-Sender Fox lukrativer. Für die TV-Anstalten in England ist der Boxing Day am 26. Dezember ein wesentlicher Bestandteil.