Archivierter Artikel vom 07.12.2013, 06:00 Uhr

Abschied: Die Welt trauert um Mandela

Die Welt trauert mit Südafrika um Nelson Mandela: Rund um den Globus ist der frühere südafrikanische Präsident als Kämpfer für Freiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung gewürdigt worden. Flaggen wurden auf halbmast gesetzt.

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Trauer und Stolz: Vor Nelson Mandelas Haus in der Ostkap-Provinz sangen, tanzten und beteten Hunderte Südafrikaner.
Trauer und Stolz: Vor Nelson Mandelas Haus in der Ostkap-Provinz sangen, tanzten und beteten Hunderte Südafrikaner.
Foto: DPA

Der „Vater der Regenbogennation“ war am Donnerstagabend im Alter von 95 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Im Gedenkgottesdienst dankte der frühere anglikanische Erzbischof Desmond Tutu Gott für „das Geschenk Madiba“, wie Mandela ehrenvoll mit seinem Clannamen genannt wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Mandela einen „Giganten der Geschichte.

Sein Weg vom Gefangenen auf Robben Island zum Gründungsvater eines neuen, freien Südafrikas und zum Friedensnobelpreisträger zeigt, was die Kraft einer Persönlichkeit in der Geschichte eines Landes ausrichten kann“, sagte sie. „Er war weise, warmherzig und humorvoll.“ US-Präsident Barack Obama erklärte, Mandela habe Geschichte geschrieben. Bei einem Afrika- Gipfel in Paris legten rund 40 Staats- und Regierungschefs des Kontinents sowie Gastgeber François Hollande eine Schweigeminute ein.

Papst Franziskus äußerte die Hoffnung, der erste schwarze Präsident Südafrikas möge auch künftigen Generationen ein Vorbild sein. Auch die Staats- und Regierungschefs von Afghanistan, China, Indien und Russland zollten ihm Respekt. In Johannesburg versammelten sich Hunderte Südafrikaner vor Mandelas Haus. Sie sangen, tanzten, beteten und entzündeten Kerzen. In Soweto mischten sich in die Trauer auch Freude, Stolz und Dankbarkeit über Südafrikas großen Staatsmann.

Präsident Jacob Zuma rief für Sonntag zu einem Tag des Gebets und des Nachdenkens auf. „Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren“, sagte er bei der Bekanntgabe der Todesnachricht. Mandela wird am 15. Dezember in seinem Heimatort Qunu in der Ostkap-Provinz mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt. Die offizielle Trauerfeier ist für Dienstag im Fußballstadion von Johannesburg geplant.

Mandela war am Donnerstag um 20.50 Uhr Ortszeit im Kreis seiner Familie in Johannesburg gestorben. Die britische Königin Elizabeth II. äußerte sich „zutiefst betrübt“ über den Tod Mandelas, der 1996 zum ersten Mal offiziell Großbritannien besucht hatte. „Sein Vermächtnis ist das friedvolle Südafrika, das wir heute erleben“, heißt es in einer Erklärung des Buckingham-Palastes. Bundespräsident Gauck schrieb an Mandelas Witwe Graça Machel: „Die Welt verliert einen großen Staatsmann, der wie nur wenige Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit in seiner eigenen Person verkörperte.“

Sein Erbe sei Auftrag an alle. Auch die Kirchen äußerten Trauer. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, würdigte Mandela als „Botschafter des Gewissens und der guten Hoffnung“, der sich stets auch für religiöse Toleranz eingesetzt habe. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Erzbischof Robert Zollitsch, lobte Nelson Mandela als eine „Symbolfigur des Friedens von weltweiter Strahlkraft“.

Die EU würdigte Mandela als „eine der größten politischen Figuren unserer Zeit“. Mandela steht für den Kampf gegen Rassismus, politische Gewalt und Intoleranz, erklärten EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EURatspräsident Herman Van Rompuy. Der Tod Mandelas wurde während der Europa-Premiere des Films „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ bekannt, der Ende Januar in die deutschen Kinos kommt.

Unter den Gästen waren auch Prinz William und seine Frau Kate sowie Mandelas Tochter Zindzi. Viele Zuschauer verließen schweigend das Kino am Leicester Square. Prinz William äußerte seine Trauer um Mandela: „Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihm und seiner Familie.“ Amnesty International erklärte, Mandelas Mut habe dazu beigetragen, die ganze Welt zu verändern.

„Die Menschenrechtsbewegung rund um die Welt schuldet Nelson Mandela größte Dankbarkeit“, sagte der Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty in London. Für den Tag der offiziellen Trauerfeier kündigte die Bundesregierung Halbmast-Beflaggung für Bundestag, Bundeskanzleramt und Bundesministerien an. Für Mittwoch laden die südafrikanische Botschaft und die Evangelische Kirche in Deutschland zu einem Trauergottesdienst im Berliner Dom ein.