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Koblenz

Mehr Zeit für mehr Texte: Neues Slam-Format wird im Café Hahn präsentiert

Poetry-Slammer und Moderator Philipp Herold präsentiert am 1. März ein neues Slam-Format in der Stadt. Dabei sollen die populärsten Künstler der Szene im Fokus stehen.

Der Wettstreit kann beginnen: Philipp Herold begrüßt im Café Hahn vier Alltagspoeten, die aus der Poetry-Slam-Nische herausgewachsen sind.
Der Wettstreit kann beginnen: Philipp Herold begrüßt im Café Hahn vier Alltagspoeten, die aus der Poetry-Slam-Nische herausgewachsen sind.
Foto: Café Hahn

Von unserer Redakteurin 
Melanie Schröder

Koblenz. Noch eine Bühne für Poetry-Slam in der Stadt? Das ist vielleicht nicht unbedingt die erste Antwort, die einem auf die Frage „Was würde das Koblenzer Kulturleben bereichern?“ einfällt. Denn im Circus Maximus und auf dem Koblenzer Campus der Universität wird die Kunst der Alltagspoesie bereits regelmäßig gefeiert; beim Gauklerfest finden Texte junger Poeten ebenso seit 2015 Gehör. Und dennoch sieht Poetry-Slammer und Moderator Philipp Herold eine Lücke, in die eine weitere Slam-Veranstaltung gut passen könnte.

Herold, der den Uni-Slam moderiert und auch beim Gauklerfest die Organisation wie Moderation des Slams gestaltet, erklärt die Motivation eines Best-of-Poetry-Slam, der am Mittwoch, 1. März, zum ersten Mal im Café Hahn über die Bühne geht, wie folgt: „Es ist der Versuch ein Publikum für Poetry-Slam zu begeistern, das beispielsweise gern Kabarett oder Comedyveranstaltungen im Café Hahn besucht und sich auch für Poetry-Slam interessieren würde, aber weder den Weg in die Uni noch in den Circus Maximus findet.“

Mehr Zeit für die Künstler

Zudem sollen die auftretenden Künstler, die aufgrund ihres Bekanntheitsgrades und ihrer gewachsenen Popularität bereits zu groß für die kleinen Bühnen geworden sind, eine Plattform erhalten, auf der ihnen mehr Zeit für mehr Texte geboten wird. „Jeder wird mindestens zweimal zu hören sein, bevor das Publikum entscheidet, wer weiterkommt“, erklärt Herold. Auch das beim Poetry-Slam vorgeschriebene Zeitlimit von etwa sechs Minuten pro Auftritt soll in der ersten Abendhälfte eine untergeordnete Rolle spielen. Anhand des Publikumsapplauses soll erst nach der Pause entschieden werden, welche Slammer weiter um den Sieg kämpfen und welche aus dem Wettbewerb ausscheiden.

Dieses Konzept ist in Zusammenarbeit mit Berti Hahn, dem Chef der Gülser Kleinkunstbühne, gewachsen. Und die Zahlen scheinen den Veranstaltern und ihrem Gespür für einen Poetry-Slam dieser Art recht zu geben: „Dass wir für Aschermittwoch bereits 100 Karten im Voraus verkauft haben, hätte ich absolut nicht erwartet“, erklärt Berti Hahn, der bereits für den 8. Oktober eine zweite Ausgabe des Formats geplant hat. Sowohl Hahn als auch Herold ist dabei aber eines wichtig: Sie wollen keine Konkurrenz befördern und anderen Veranstaltern das Publikum wegschnappen. Ohnehin seien dafür nach Ansicht Herolds die Zielgruppen zu gegensätzlich: „Bei so einer traditionsreichen Veranstaltung wie dem Reimstein im Circus werden unter anderem Nachwuchs-Slammer präsentiert. Das ist für die Szene unheimlich wichtig, um einen Stillstand zu vermeiden. Im Café Hahn geht es aber doch eher darum, ausschließlich etablierten Künstlern eine Bühne zu bieten.“

Poeten wachsen aus der Nische heraus

Der Best-of-Poetry-Slam findet erstmals am Mittwoch, 1. März, um 20 Uhr im Café Hahn statt. Der Eintritt beträgt 16 Euro. Weitere Infos unter www.cafehhahn.de

Als natürliche Entwicklung beschreibt Herold diesen Trend in der Poetry-Slam-Szene. Irgendwann wachsen Literaten aus den kleinen Klubs heraus, verlassen die Nische, um ihr Talent im größeren Maßstab zu entfalten: „Viele heute erfolgreiche Kabarettisten, Comedians oder Schriftsteller haben zuerst als Poetry-Slammer Fuß gefasst. Das zeigt zum Beispiel ein Karrieresprung, wie ihn Nora Gomringer hingelegt hat. Sie hat als Slammerin angefangen und 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen.“

Zu groß für die Nische sind inzwischen auch Paul Bokowski (Berlin), Jule Weber (Darmstadt), Florian Cieslik (Köln) und Stefan Dörsing (Görlitz). Sie treten im Café Hahn gegeneinander an und messen sich in Sachen Wortkunst, Humor, Tiefsinn und Unterhaltungswert.

Die Künstler:

Jule Weber (Darmstadt) wurde 1993 in Bensheim (Hessen) geboren und zählt zu den jungen Talenten der deutschen Poetry-Slam-Szene, die sie seit 2009 bereichert. Als Siegerin ging sie 2012 aus den hessischen Poetry-Slam-Meisterschaften für den Nachwuchs unter 20 Jahren hervor und setzte sich auch bei den internationalen deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften der unter 20-Jährigen durch.

Paul Bokowski (Berlin) wurde 1982 in Mainz geboren und ist vielmehr Schriftsteller als Poetry-Slammer. Er lebt in Berlin und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht – 2012 „Hauptsache nichts mit Menschen“ und 2015 „Alleine ist man weniger zusammen“. Wenn er nicht in seinem Arbeitszimmer sitzt und schreibt, tummelt er sich auf den Berliner Lesebühnen „Brauseboys“ oder „Fuchs und Söhne“.

Stefan Dörsing (Görlitz) wurde 1988 in Görlitz geboren und ist nicht nur als Poetry-Slammer in ganz Deutschland unterwegs, sondern auch aktiver Veranstalter. Vor allem an der gewachsenen Team-Slam-Szene, wobei mehrere Slammer zusammen auf der Bühne stehen, hat er einen großen Anteil. Im Jahr 2015 wurde er zudem für sein Hörspiel „Die Reise des kleinen Menschen“ mit dem rheinland-pfälzischen Martha-Saalfeld-Förderpreis geehrt.

Florian Cieslik (Köln) wurde 1975 in Düsseldorf geboren und veröffentlichte 2001 seinen ersten Lyrikband mit dem Titel „Dynamit in der Schublade“, der zweite, „Über den Tellerrand“, folgte 2002. Für Philipp Herold, Organisator des Best-of-Poetry-Slams im Café Hahn, ist Cieslik vor allem eins: ein großartiger Poet und Tausendsassa: „Wie er seine Texte performt ist einzigartig, zudem ist er pädagogisch sehr engagiert und vermittelt kreatives Schreiben.“

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