Archivierter Artikel vom 25.04.2013, 07:00 Uhr

Geschichte: Chronik eines Skandals

Januar 1980: „Stern“-Reporter Gerd Heidemann kommt mit einem NS-Devotionalien-Sammler in Kontakt und erfährt von einem Hitler-Tagebuch sowie der Quelle, einem Herrn „Fischer“. April 1980: Thomas Walde, Ressortleiter Zeitgeschichte der Zeitschrift „Stern“, erfährt von Heidemann von den vermeintlichen Tagebüchern.

Konrad Kujau, der Fälscher der Hitler-Tagebücher
Konrad Kujau, der Fälscher der Hitler-Tagebücher
Foto: dpa

Januar 1980:

„Stern“-Reporter Gerd Heidemann kommt mit einem NS-Devotionalien-Sammler in Kontakt und erfährt von einem Hitler-Tagebuch sowie der Quelle, einem Herrn „Fischer“. April 1980: Thomas Walde, Ressortleiter Zeitgeschichte der Zeitschrift „Stern“, erfährt von Heidemann von den vermeintlichen Tagebüchern.

27. Januar 1981:

Statt zur „Stern“- Chefredaktion marschieren Heidemann und Walde direkt zur Leitung des Hamburger Verlages Gruner + Jahr. Für den Ankauf der Tagebücher macht Verlagschef Manfred Fischer 2 Millionen Mark locker. Die Chefredaktion bleibt vorerst außen vor.

13. Februar 1981:

Die ersten drei Tagebücher werden von Konrad Kujau alias „Fischer“ an Heidemann übergeben, der ohne Quittung bar zahlt – 85 000 Mark pro Band. Später wird Heidemann vor Gericht vorgeworfen, Kujau maximal 60 000 Mark gezahlt und den Rest unterschlagen zu haben.

13. April 1982:

Der Zürcher Kriminalwissenschaftler Dr. Max Frei- Sulzer wird von Walde für eine Begutachtung der Tagebücher hinzugezogen. Der Vergleich von Auszügen aus den Kladden mit Hitler-Handschriften bestätigt die Echtheit der Handschrift. Jedoch fällt Frei-Sulzer ebenfalls auf Kujau herein, da die Vergleichsdokumente auch aus dessen Fälscherwerkstatt stammen.

16. April 1982:

Der US-Schriftexperte Ordway Hilton bestätigt ebenfalls die Echtheit der Tagebücher – ihm lagen dieselben Vergleichshandschriften vor wie dem Schweizer Kollegen Frei-Sulzer.

28. März 1983:

Fachleute des Bundeskriminalamts geben Heidemann den Hinweis, dass einige Seiten der Tagebücher optische Aufheller aufweisen, die erst seit den 1950er-Jahren in der Papierherstellung eingesetzt werden.

21. März 1983:

Ressortleiter Walde erhält die Nachricht, dass die Vergleichsdokumente für die Schriftgutachten ebenfalls gefälscht sind.

25. April 1983:

Große Pressekonferenz von Chefredaktion und Verlagsleitung des „Sterns“ zu einer Sensation: Die Entdeckung von Hitlers Tagebüchern. Sofort wird die Echtheit der schwarzen Kladden mit den goldenen A.H.-Initialen in Zweifel gezogen.

28. April 1983:

Der „Stern“ Nr. 18/1983 erscheint mit großer Titelaufmachung: „Hitlers Tagebücher entdeckt“. Die Story mutmaßt vollmundig, dass Teile der Geschichte des Dritten Reiches neu geschrieben werden müssten.

6. Mai 1983:

Der Schwindel fliegt auf: Nachrichtenagenturen melden am frühen Nachmittag, dass es sich bei den Hitler-Tagebüchern um Fälschungen handelt. Zu dieser Einschätzung waren das Koblenzer Bundesarchiv und das Bundeskriminalamt gekommen. Bemängelt werden historische Fehler der Handschriften sowie das eindeutige Nachkriegspapier, auf dem sie geschrieben sind.

Archiv: Frank Girmann