Archivierter Artikel vom 06.05.2011, 21:52 Uhr
Rheinland-Pfalz

Der Koalitionsvertrag als Wortwolke

Und, und, und: Das ist das häufigste Wort im 102 Seiten starken Koalitionsvertrag von Rot-Grün. SPD und Grüne kommen jeweils 113 mal vor, die „Menschen“ 143 Mal.

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Wortwolke: Der Koalitionsvertrag auf der Titelseite der Rhein-Zeitung.
Wortwolke: Der Koalitionsvertrag auf der Titelseite der Rhein-Zeitung.
Foto: Rhein-Zeitung

Rheinland-Pfalz. Und, und, und: Das ist das häufigste Wort im 102 Seiten starken Koalitionsvertrag von Rot-Grün. Die Koalitionäre SPD und Grüne kommen jeweils 113-mal vor, die „Menschen“ 143-mal.

Der Koalitionsvertrag als Wort-Wolke: Je häufiger ein Begriff vorkommt, umso größer ist er abgebildet. Worte wie "der", "die", "und" sind ausgeblendet.
Der Koalitionsvertrag als Wort-Wolke: Je häufiger ein Begriff vorkommt, umso größer ist er abgebildet. Worte wie „der“, „die“, „und“ sind ausgeblendet.

Wie verbindlich ist ein Koalitionsvertrag? Zumindest dürfen sich die Bürger darauf einstellen, dass die Partner SPD und Grüne in dem Vertrag (hier als PDF) fast doppelt so oft von „werden“ (662 Nennungen) wie von „wollen“ (361) sprechen – das etwas gebieterische „sollen“ haben Rot-Grün 65-fach verwendet, „müssen“ ließ sich wohl 30-mal nicht vermeiden. Aber immer noch deutlich seltener als „Bürger“, „Bürgerinnen“, „Bürgerrechte“, „bürgernah“ – und alles, was damit zusammen hängt und es zusammen auf 77 Erwähnungen bringt.

28 Begriffen mit Klima und Klimaschutz und 66 Erwähnungen von Nachhaltigkeit und Nachhaltigem stehen 37 Nennungen von „Unternehmen“ gegenüber, „Firmen“ finden sich gar nicht, Begriffe um die Betriebe werden 23-mal genannt – Betriebsräte mitgezählt. Worte rund um Forschung finden sich 20-mal.

Die öffentliche Diskussion um den Vertrag dreht sich vor allem um das Thema Justiz seit Bekanntwerden der Pläne, Oberlandesgericht und Generalstaatsanwaltschaft Koblenz bestenfalls zu Anhängseln zu machen. Im Koalitionsvertrag für „Rheinland-Pfalz“ (255 Nennungen) gehen die Begriffe zahlenmäßig fast unter: Justiz und Justizstruktur kommen sich zusammen genau so oft vor wie der Begriff Inklusion – 13-mal. Inklusion steht für den Ansatz, möglichst viele Bedürfnisse zu vereinen – etwa in Schulen, die Anforderungen möglichst aller Schüler befriedigt.

Bildung taucht 43-mal auf, Ausbildung findet sich an 23 Stellen. Der Nürburgring, eines der behrrschenden Themen im Wahlkampf, bringt es auf fünf Nennungen – ebenso wie der Flughafen Hahn. Das „Mittelrheintal“ findet sich einschließlich des kontroversen Projekts Mittelrheinbrücke/Mittelrheinquerung vier mal, der Hochmoselübergang wird 2-mal genannt.

Der Nachwuchs hat vor den Erwachsenen den Vorrang: Kinder finden sich 52-fach, dazu tauchen die Jugendlichen an 33 Stellen auf- Während Jungen (5) und Mädchen (5) gleich oft genannt sind, haben die Frauen (56) im Zeichen der Gleichstellung (12) eindeutig mehr Gewicht als Männer (16).

Weil im Vertrag aber nicht von „Ministerpräsidenten- und Ministerpräsidentinnen-Konferenz“ die Rede ist, macht Kurt Beck mit vier Erwähnungen von Ministerpräsident das Rennen vor Eveline Lemke, seine Vertreterin. „Ministerpräsidentin“ taucht an nur zwei Stellen auf... „Und“ findet sich übrigens 2166-mal – und ausgewertet ist das mit Hilfe einer Seite im Internet (8 Nennungen).

Lars Wienand