Archivierter Artikel vom 23.04.2013, 07:00 Uhr

Chronologie: Steuer-CDs verhelfen zu Millioneneinnahmen

Die deutschen Behörden haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Steuersünder mithilfe angekaufter CDs und Bankdaten aus der Schweiz überführt. Auf diese Weise sind Millionen Euro in die klammen Staatskassen geflossen. Eine Chronologie der bisherigen Fahndung nach Steuersündern:

Februar 2013

Rheinland-Pfalz kauft eine CD mit rund 40 000 Datensätzen für 4,4 Millionen Euro. Das wird Mitte April durch Hausdurchsuchungen in ganz Deutschland bekannt. Es werden dem Mainzer Finanzminister Carsten Kühl (SPD) zufolge Gesamteinnahmen von einer halben Milliarde Euro erwartet.

August 2012

Nordrhein-Westfalen kauft zwei CDs, berichten Medien. Die Datenträger sollen überwiegend deutsche Steuersünder bei der Schweizer Großbank UBS belasten – und angeblich auch das Institut selbst. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bochum ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen Anleger. In den folgenden Wochen melden die Behörden in mehreren Bundesländern vermehrt Selbstanzeigen reuiger Steuerbetrüger.

Juli 2012

Nordrhein-Westfalen soll nach Angaben von „Spiegel“ und „Financial Times Deutschland“ zunächst für 3,5 Millionen Euro Namen und Konten von 1000 deutschen Kunden der Privatbank Coutts in Zürich erworben haben.

Oktober 2011

Nordrhein-westfälische Finanzbehörden kaufen Bankdaten von rund 3000 mutmaßlichen Steuersündern. Auf dem Datenträger befinden sich Medienberichten zufolge Informationen über deutsche Kunden einer Tochter der britischen HSBC in Luxemburg.

Oktober 2010

Das Land Nordrhein-Westfalen kauft für eine Summe von insgesamt 1,4 Millionen Euro Daten der Schweizer Bank Julius Bär. Sie enthält Angaben über Deutsche, die ihre Steuerpflicht umgehen. Es folgen zahlreiche Ermittlungen und Selbstanzeigen. Im April 2011 zahlt Julius Bär 50 Millionen Euro, damit die deutschen Behörden ihre Ermittlungen gegen die Bank und ihre Mitarbeiter einstellen.

Juni 2010

Es wird bekannt, dass der Bund und Niedersachsen gemeinsam Daten mutmaßlicher deutscher Steuerbetrüger in der Schweiz gekauft haben. Für 185 000 Euro erhalten sie insgesamt rund 20 000 Datensätze. Die Steuergewerkschaft rechnet damit, dass der deutsche Fiskus 500 Millionen Euro einnimmt.

März 2010

Nach dem Kauf von Steuersünderdaten über Kunden und Mitarbeiter der Schweizer Bank Credit Suisse leitet die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft schließlich mehr als 1000 Ermittlungsverfahren ein. Das Anlagevermögen soll 1,2 Milliarden Euro betragen. Für die Daten sollen die Finanzbehörden in Nordrhein-Westfalen mehr als 2,5 Millionen Euro gezahlt haben. Sie bringen dem deutschen Fiskus nach Einschätzung der Steuergewerkschaft bis zu 900 Millionen Euro.

Januar 2006

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Liechtensteiner Bank LGT bietet dem Bundesnachrichtendienst brisante Bankdaten zum Kauf an. Später erhält er zwischen 4 und 5 Millionen Euro. Insgesamt rund 800 wohlhabende Deutsche geraten unter Verdacht. Bis Februar 2010 fließen fast 200 Millionen Euro Straf- und Nachzahlungen an den Staat.