Archivierter Artikel vom 11.07.2016, 11:27 Uhr

Des Sandmanns Zaubersieb

Der Sandmann wohnt auf dem größten Stern rechts direkt neben dem Mond. Tagsüber, wenn man die Sterne nicht sehen kann, weil die Sonne zu hell ist, dann sitzt er in seiner Sandgrube und siebt den Sand, damit er nur den allerfeinsten Sand für die Kinder benutzen kann.

Illustration: Carola Bergmann
Illustration: Carola Bergmann

Abends macht sich der Sandmann dann auf den Weg zur Erde. Dort besucht er ganz heimlich alle Kinder, die nicht einschlafen können. Viele Kinder können nicht schlafen, weil sie tagsüber so viel erlebt haben. Vielleicht haben sie etwas Neues gesehen, was sie noch nie vorher gesehen haben, und so müssen sie ununterbrochen daran denken und vergessen dabei das Einschlafen. Aber dafür gibt es ja den Sandmann. Denn er kommt und streut diesen Kindern von seinem allerfeinsten Sand etwas in die Augen, damit die Augen immer müder werden und schließlich ganz zufallen.

Aber nun höre, was dem Sandmann zuletzt passiert ist: Wie er so in seiner Grube saß und mit dem silbernen Sieb den Sand verfeinerte, kam der Steinchenmann mit einem großen Wagen voller grobem Sand und rief: „Sandmann, spring schnell aus deiner Grube, ich möchte dir neuen Sand bringen.“ Und der Sandmann erschrak und sprang so schnell aus seiner Sandgrube, dass er vor Schreck sein Sieb fallen ließ. Der Steinchenmann schüttete die gesamte Ladung seines Wagens in die Grube. Er verabschiedete sich ganz kurz, denn der Steinchenmann hatte sehr viel Arbeit, und ließ den Sandmann mit diesem riesigen Berg voll grobem Sand allein. Der Sandmann wollte gleich loslegen, aber – ach, du Schreck, wo ist denn das Sieb? Verzweifelt buddelte er in seiner Grube herum, aber er konnte das Sieb nicht finden. „Was soll denn nun werden? Ich habe doch nur noch ganz wenig von dem feinen Sand. Das reicht doch nicht mal mehr für fünf Nächte“, dachte der Sandmann und war ganz traurig.

Er machte sich gegen Abend wieder auf den Weg zur Erde. Wie er so ganz leise bei einem Mädchen ins Zimmer trat, bemerkte das Mädchen den Sandmann sofort, weil er weinte. „Was macht dich so traurig?“, fragte das Mädchen, und der Sandmann erzählte ihr die ganze Geschichte. Da sprang das Mädchen aus seinem warmen Bett, lief zum Schrank und holte dort ein kleines Plastiksieb heraus und sprach: „Hier, Sandmann, da hast du mein Sieb, mit dem ich in den Ferien am Meer immer spiele.

Weil wir aber noch keine Ferien haben, brauche ich es jetzt nicht. Damit kannst du so lange deinen Sand sieben, bis du den großen Sandhaufen verbraucht hast und wieder an dein eigenes Sieb herankommst.“ Darüber freute sich der Sandmann so sehr, dass er dem Mädchen ein wunderschönes Lied sang, und das Mädchen schlief glücklich ein.

Das Mädchen hatte den Sandmann nie wieder gesehen und auch das Sieb bekam es nicht wieder zurück. Aber als es im darauffolgenden Sommer mit seinen Eltern am Meer wieder Ferien machte, da fand es am Strand ein Sieb in der Form eines Sterns. Und je länger das Mädchen mit diesem Sieb spielte, desto mehr glänzte es, bis es schließlich ganz aus Silber war.

Der Sandmann kam noch sehr oft zu dem Mädchen und sang ihm dieses schöne Schlaflied vor, aber es bemerkte ihn nie.

Andreas Berger aus Hahnstätten hat die Geschichte (ab 3 Jahren) für seinen Sohn Simon geschrieben.