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Zell

"Renntiere" kommen auch im Schnee zurecht

Das Telefon stand nicht mehr still, als sich am Sonntagmittag eine Schneedecke über die Eifel-Mosel-Hunsrück-Region legte. Findet der Zeller Raiffeisenbank-Adventslauf überhaupt statt?

Foto: Holger Teusch, U

Zwar waren die Bedingungen bei weitem nicht so extrem, wie schon bei anderen Winterläufen im Kreis Cochem-Zell. Die Lauf-Veteranen des TSV Bullay-Alf, dessen Läufergruppe den Adventslauf gemeinsam mit dem Ruderverein Zell organisiert, erzählten mit Blick auf die durch die Gassen wehenden Flocken von Schneerennen beim Nikolaus-Crosslauf des SV Schwarz-Weiß Alflen. Auch in Ulmen wurde vor sieben Jahr gelaufen, obwohl der Schnee teilweise kniehoch lag. Man könne die Leute gar nicht alle informieren, erklärte der damalige Ulmener Organisationsleiter Willi Mohr. Ein Quad mit Schneeschild räumte die größten Verwehungen beiseite.

Foto: Holger Teusch, U

Doch Crossläufe sind eine andere Kategorie als Straßen- und Stadtläufe wie der in Zell. Mit Matsch und rutschigem Geläuf rechnet im Gelände jeder. Man fällt außerdem in der Regel weicher. Zudem rennen die Spitzenleute für mehr Grip mit Spikes. „Ich hatte unseren Leuten schon gesagt, dass sie die Spikes in die Tasche stecken sollten“, erzählte Julia Moll aus Oberscheidweiler vor dem ersten der sechs Zeller Rennen, dem Staffellauf. Die mit Eisendornen bewehrten Schuhe hätten aber wegen des Asphalts unter dem Schnee wohl mehr Nach- als Vorteile gehabt.

Julia Molls „Renntiere“ übergaben das zusätzlich mit einem Rentiergeweih dekorierte Plüschschaf (das in Zell traditionell anstelle eines Staffelholzes benutzt wird) mit normalen Straßenlaufschuhen an den Füßen. Um 14.30 Uhr war die Strecke weitestgehend frei. Die konzentrierte Schneeräumaktion und eine halbe Stunde Verschiebung aller Starts bewahrte vor der Laufabsage.

Berechtigt warnende Stimmen gab es während der bangen zwei Stunden im Schneegestöber einige. Als der Niederschlag nachließ, dann sogar ganz aufhörte und steigende Temperaturen Schmelzwasserpfützen produzierten, sahen aber sowohl der Cochem-Zeller Leichtathletik-Kreisvorsitzende Theo Zenz als auch der Laufwart des Leichtathletikverbands Rheinland Wolfram Braun keinen Grund mehr, auf die Starts zu verzichten.

„Es war echt klasse zu laufen“, sagte Yannick Pütz. Der Greimersburger war als Sechstplatzierter bester Läufer aus dem Kreis Cochem-Zell. „Wie gut die Helfer und die Stadtreinigung gearbeitet haben, hat man gemerkt, wenn man ein bisschen abseits der Strecke durch den Schneematsch gelaufen ist. Klar, in den Kurven musste man natürlich aufpassen und konnte nicht volles Risiko gehen“, erzählte der 20-Jährige, der in 16:05 Minuten sogar eine halbe Minute schneller war als 2016 auf trockenem Pflaster.

Dass mit 349 Läufern rund 200 weniger das Ziel erreichten als ein Jahr zuvor, könne man verschmerzen, meinte der Rudervereins-Ehrenvorsitzende Peter Schmidt. Man könne jeden verstehen, der angesichts der Straßenverhältnisse nicht ins Auto gestiegen sei. Ebenso sei man aber auch fasziniert davon, wie viele Sportler zum Teil stundenlange Anfahrten (einige Läufer kamen aus Belgien, Nordrhein-Westfalen und Hessen). Mit etwas Abstand zeigte sich zufrieden: „Wir hatten bisher immer Glück mit dem Wetter, sind einmal ganz knapp an einem Hochwasser vorbei geschrammt. Bei einem Winterlauf muss man halt auch mit Schnee rechnen.“ Holger Teusch

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Gut gelaunt gelaufen nach dem Schneechaos: Margit Jost aus Blankenrath (großes Foto, links) zusammen mit Nicole Eiden aus Salmtal. . Tim Greis von den ZGM Riesling-Racers (rechtes Foto) war der Schnellste von zwei Teilnehmern mit Babyjogger.

Fotos: Holger Teusch
Leichtathletik (JD)
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