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Koblenz

Rot-Weiß siegt weiter und denkt nur nebenbei ans Finale

Ein bisschen müde waren sie schon, die Pokalhelden vom Mittwoch. Doch weil die Gäste vom FSV Jägersburg ihr Pokal-Halbfinalspiel am Dienstag gegen den 1. FC Saarbrücken nach großem Kampf mit 2:6 verloren hatten, waren sie noch ein ganzes Stückchen müder. So kam Fußball-Oberligist TuS Rot-Weiß Koblenz relativ mühelos zum 3:2 (2:0)-Heimsieg. Wer das Spiel gesehen hat, wird zustimmen: Angesichts des Chancenverhältnisses ist dieses Ergebnis ein Witz.

Jordi Arndt (rechts), früher TuS, jetzt Rot-Weiß, hatte sein Team in der 120. Minute des Pokal-Halbfinales ins Elfmeterschießen geschossen und traf jetzt auch beim Oberliga-Sieg gegen den FSV Jägersburg. Foto: Wolfgang Heil
Jordi Arndt (rechts), früher TuS, jetzt Rot-Weiß, hatte sein Team in der 120. Minute des Pokal-Halbfinales ins Elfmeterschießen geschossen und traf jetzt auch beim Oberliga-Sieg gegen den FSV Jägersburg.
Foto: Wolfgang Heil

„Wir mussten doch mindestens zehn Dinger machen“, stöhnte Rot-Weiß-Trainer Fatih Cift anschließend, und das war noch untertrieben. Im ersten Durchgang notierte der Chronist neben den beiden Toren drei 100-prozentige Koblenzer Chancen. Erst köpfte Thilo Kraemer nach einer Ecke von Christian Meinert am hinteren Pfosten ungehindert das 1:0 (9.), dann stand Jordi Arndt im Blickpunkt. Erst scheiterte der Winterzugang frei vor Gästekeeper Mirko Gerlinger (21.), dann nutzte er einen zu kurzen Rückpass des Jägersburgers Steven Simon und schob zum 2:0 ein (28.), und als Gästespieler Frederic Ehrmann den Ball schon beim folgenden Anstoß wieder verdaddelte, musste sein Kollege Moritz Braun Arndts Lupfer mit letzter Kraft von der Linie kratzen (29.).

Einen weiteren Kopfball von Kapitän Kraemer schließlich beförderte Niklas Holzweißig auf dem Umweg über Pfosten und Latte aus der Gefahrenzone (33.), ehe Rot-Weiß-Keeper Lucas Beck, der den gesperrten Tobias Oost ordentlich vertrat, die erste Chance der Saarländer mit einer Fußabwehr gegen Ehrmann vereitelte.

Das Kunststück wiederholte Beck nach Wiederanpfiff gegen Florian Steinhauer (46.), doch mit dem 3:0, erzielt von Max Hannappel nach Brauns bösem Patzer und Armin Jusufis uneigennützigem Querpass (52.), schien der Käse gerollt.

„In der zweiten Halbzeit haben wir wenigstens Herz gezeigt“, fasste der frustrierte Gästetrainer Thorsten Lahm zusammen, was folgte. Während die Gastgeber weiterhin die hohe Kunst des Chancenvergebens zelebrierten – die besten Möglichkeiten ließen Arndt (63.), der eingewechselte Hendrik Hillen (72., 74., 89. und in der Nachspielzeit), Hannappel (75., 84.) sowie Derrick Miles (72.) aus –, kamen die Jägersburger durch zwei präzise Schüsse auf 2:3 heran. „Wir sind nicht in der Lage, selbst eine so schwache Mannschaft mal abzuschießen, wir haben keine Killer“, ärgerte sich Cift und kündigte entsprechende Verstärkungen für die neue Saison an.

Doch vorher steht für die TuS Rot-Weiß Koblenz der (vorläufig) größte Tag in ihrer Fußballgeschichte an. Der Pokalkrimi von Nentershausen, als die Rot-Weißen ihr Halbfinale beim Rheinlandligisten Sporfreunde Eisbachtal nach dramatischem Verlauf im Elfmeterschießen gewannen, und die Vorfreude aufs „Finale daheim“ im Oberwerth-Stadion gegen den Stadtrivalen TuS Koblenz war vor und während des Oberligaspiels beherrschendes Gesprächsthema rund um das Spielfeld. „Dafür haben sich die Mühen gelohnt“, strahlte Chris Noll, Sportlicher Leiter der Rot-Weißen seit 1980, als der Verein in der Kreisklasse kickte und Nolls Amt noch keinen Namen hatte. „Für einen Verein wie unseren ist so eine Erfolgsgeschichte alles andere als selbstverständlich.“

Mit „kontinuierlicher Arbeit seit Jahren und der einen oder anderen guten Entscheidung bei der Verpflichtung von Trainern und Spielern“ haben Noll und seine Mitstreiter das Fußballwunder auf den Weg gebracht. Schickt sich der Vorstadtklub nun an, mit einem Sieg im Pokalfinale am 21. Mai den lokalen Platzhirsch zu verdrängen? „An einem guten Tag kann jede Mannschaft gegen eine klassenhöhere gewinnen“, sagt Noll, „die TuS hat mehr zu verlieren als wir.“

Trainer Cift rückt die Verhältnisse zurecht: „Die TuS wird immer die Nummer eins in Koblenz sein. Auch wenn man vielleicht mal für ein, zwei Jahre die Verhältnisse umkehren kann.“ Vielleicht gibt dieses Ziel dem ehrgeizigen Rot-Weiß-Coach, der im Sommer die A-Lizenz erwerben wird, ja die letzte Motivation für den nächsten Schritt. Denn noch hat Cift seinen eigenen Vertrag nicht verlängert.

Als Gründe für sein Zögern nennt er die Geburt seines Sohnes vor wenigen Monaten, aber auch die unzureichende Infrastruktur rund um die Rot-Weiß-Fußballer, die mit dem sportlichen Höhenflug in keiner Form Schritt halten kann. „Du willst ja immer einen Schritt weiterkommen“, sagt Cift.

Durch einen Finalsieg gegen die „große TuS“ (Cift: „Das wäre natürlich ein Traum und für jeden Beteiligten ein Meilenstein in seinem Leben“) würde der Oberligist viel Geld einnehmen, von dem laut Noll ein beträchtlicher Teil dem Förderverein für einen eigenen Kunstrasen zukommen soll.

Unser Tipp: Auch wenn der Fortschritt manchmal schrecklich langsam ist, wird Fatih Cift bald unterschreiben. Und wenn es nur für ein weiteres Jahr ist.

Von unserem Redakteur

Stefan Kieffer

Koblenz: Beck – Masala, Kraemer, Schmidt, Meinert – Fritsch – Jusufi (80. Engel), Weidenbach (72. Sauerborn), Hannappel, Miles – Arndt (64. Hillen).

Jägersburg: Gerlinger – Holzweißig, Braun, Hasemann, Simon – Ehrmann, Koblenz – Steinhauer (75. Uhlhorn), Kiefer (87. Weitmann), Scherpf – Adiguezel.

Schiedsrichter: Boris Reisert (Oberroden). Zuschauer: 200.

Tore: 1:0 Thilo Kremer (9.), 2:0 Jordi Arndt (28.), 3:0 Max Hannappel (52.), 3:1 Murat Adiguezel (54.), 3:2 Tom Koblenz (77.).

Nächste Aufgabe für TuS Rot-Weiß Koblenz: am Samstag, 21. April, um 16 Uhr beim FV Eppelborn.

„Wenn einer schleifen lässt, weil er nur an den Pokal denkt, wird er im Finale auf der Bank neben mir sitzen.“

Trainer Fatih Cift will nicht zulassen, dass seine Pokalhelden nun in der Punktrunde nachlassen.

„Vielleicht müssen die jedes Mal einen Kasten ausgeben, wenn sie ein Tor schießen.“

Mutmaßten die Rot-Weiß-Fußballerinnen, die sich die Fehlschuss-Orgie ihrer männlichen Kollegen ebenso interessiert wie fassungslos betrachteten.

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