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Karbach/Bruttig-Fankel

Profi Tam Nsaliwa hält sich beim FC Karbach fit

Ein kanadischer Nationalspieler, der im Afrika-Staat Malawi geboren ist, einen deutschen Pass hat und in Bruttig-Fankel an der Mosel wohnt, hält sich derzeit beim Fußball-Oberligisten FC Karbach fit: Profi-Kicker Tamandani – Tam gerufen – Nsaliwa ist auf der Suche nach einem neuen Verein.

Foto: picture-alliance

Foto: Hermann-Josef St

Der 33-jährige Nsaliwa ist ein Paradebeispiel für einen Fußball-Weltenbummler. Seit 1998 hat er für elf verschiedene Vereine in sechs Ländern gespielt. Nsaliwas Vita liest sich höchst interessant: Im Alter von 16 Jahren geht es für Nsaliwa aus seiner kanadischen Heimat Edmonton zusammen mit dem späteren Kölner Kapitän Kevin McKenna in die Jugend des damaligen Bundesligisten Energie Cottbus.

Dort startet seine Deutschland-Reise: Bis 2006 läuft er unter anderem in mehr als 100 Zweitligapartien für den 1. FC Nürnberg, den 1. FC Saarbrücken und Jahn Regensburg auf, ehe er zusammen mit Trainer Ewald Lienen zum griechischen Klub Panionios Athen wechselt. Nach einem starkem Jahr bei Panionois zieht es Nsaliwa 2007 für 400 000 Euro Ablöse zum Stadtrivalen AEK Athen, wo er bis 2010 die beste Zeit seiner Karriere erlebt und einige Spiele im UEFA-Cup und in der Europa League bestreitet. An seiner Seite spielt auch ein Jahr der Brasilianer Rivaldo, an dem Nsaliwa vor allem seine extreme Professionalität schätzen lernt. In seiner letzten Saison läuft es bei AEK aber nicht mehr so, Nsaliwa wird nach Norwegen zu Lilleström SK ausgeliehen.

Im Sommer 2010 dann der Tiefpunkt: Der Vertrag bei Traditionsverein Betis Sevilla platzt in letzter Sekunde. Für ein halbes Jahr ist Nsaliwa arbeitslos, ehe er beim spanischen Zweitligisten SD Ponferradina unterkommt. Von dort geht es 2012 nach Dänemark zu Esbjerg fB, dann für ein Jahr wieder nach Griechenland (AO Kavala), ehe im Sommer 2013 seine bisher letzte Station anbricht: Beim türkischen Zweitligisten Bucaspor spielt er zwei Jahre. Ende Mai steigt der Klub ab und Nsaliwas Vertrag läuft aus. Jetzt wartet Nsaliwa in Bruttig-Fankel auf eine neue Herausforderung und hält sich beim FC Karbach, dem besten Klub in der Region Hunsrück/Mosel, fit.

Bleibt die Frage: Was macht der Weltenbummler Nsaliwa in Bruttig-Fankel? "Das ist mein neues Zuhause", lacht der 33-Jährige. Die Schwiegereltern sind vor Jahren an die Mosel gezogen, jetzt haben Nsaliwa und seine Frau, mit der er zwei Kinder hat, auch ein Haus in Bruttig-Fankel gekauft. An der Mosel fühlt sich der Profi pudelwohl. "Hier geht alles langsamer zu als in Edmonton oder Athen", sagt Nsaliwa: "Aber Bruttig ist kein langweiliger Ort. Die Leute sind sehr nett, ich habe mich hier sehr gut eingelebt und habe schon viele Freunde." Natürlich des Fußballs wegen. "Als sich herumgesprochen hat, dass in unserem Ort ein Profi wohnt, haben wir Tam gefragt, ob er nicht ein bisschen mit uns kicken will", sagt Sebastian Kausch. Er ist der Spielertrainer des C-Klässlers SV Bruttig-Fankel, der seit dem Sommer wieder am Spielbetrieb teilnimmt. Nsaliwa sagt ja und ist nun Kauschs rechte Hand. "Tam hilft mir unheimlich viel im Training und auch bei den Spielen", sagt Kausch. "Ich bin so eine Art Co-Trainer von Sebastian", lacht Nsaliwa: "Ich versuche, wenn möglich, jedes Spiel von den Jungs zu sehen, und bin auch dienstags und donnerstags immer im Training."

Montags, mittwochs und freitags trainiert Nsaliwa einige Etagen höher beim FC Karbach. Seit Wochen ist Nsaliwa beim Oberligisten am Ball, Trainer Torsten Schmidt ist begeistert von seinem Trainingsgast: "Tam ist ein cooler Typ, ein sehr guter Spieler und ein Mensch, der ganz klar im Kopf ist, auch aufgrund seiner vielen Erfahrungen, die er in dem Geschäft gesammelt hat." Nsaliwa gibt das Lob gerne zurück: "Torsten ist ein Top-Trainer. Viele Leute haben mir empfohlen, in Karbach anzufragen, um mich dort fit zu halten." Der Kontakt ist letztlich über Thomas Klasen zustande gekommen. In der Saison 2011/12, zwischen seiner Zeit in Spanien und in Dänemark, absolviert Nsaliwa ein Probetraining beim damaligen Regionalligisten TuS Koblenz um Spieler Klasen. Trainer ist damals der gebürtige Dickenschieder Michael Dämgen, ein Transfer kommt aber nicht zustande. "Tommy Klasen hat sich noch an mich erinnert", erzählt Nsaliwa über das Wiedersehen in Karbach. Dass der FCK als Tabellendritter die Oberliga aufmischt, verwundert den 33-Jährigen nicht: "Der Unterschied zu den Profis ist in der Oberliga nicht mehr groß, und Karbach hat sicherlich noch Potenzial für mehr in der Zukunft. Die Mannschaft ist gut und ich glaube, sie können auch gegen Eintracht Trier im Pokal gewinnen."

Wäre Nsaliwa nicht ein Mann für Karbach? "Sicherlich", antwortet Torsten Schmidt: "Aber er hat eine klare Aussage getroffen: Tam will noch ein paar Jahre Profi sein." Nsaliwa sagt über ein mögliches Engagement in Karbach: "In ein paar Jahren vielleicht, wenn es mir mehr um den Spaß geht. Aber jetzt bin ich noch Profi, ich lebe vom dem Sport. Ich habe mein ganzes Leben mein Geld mit Fußball verdient. Und das soll auch noch drei, vier Jahre so bleiben." Trotz seines Alters von 33 Jahren hofft Nsaliwa im Winter auf eine Anstellung bei einem deutschen Klub. "3. Liga oder aufwärts", sagt Nsaliwa: "Aber ich bin es auch gewohnt, im Ausland zu spielen, das wäre auch kein Problem. Ich habe noch einiges zu bieten, dafür trainiere ich auch jeden Tag, um bereit zu sein, wenn die Chance kommt."

Als Referenz kann Nsaliwa übrigens elf Länderspiele für Kanada angeben, das letzte im Juni 2008 beim 2:3 gegen Brasilien. Kurz danach beantragte er einen deutschen Pass, weil er bei AEK Athen nicht mehr unter die Nicht-EU-Ausländer-Regelung fallen wollte. Nsaliwas Pech: Seine kanadische Staatsbürgerschaft erlosch, als er Deutscher wurde, er durfte fortan nicht mehr für Kanada spielen.

Das hatte er im Vorfeld nicht gewusst – und gab ihm auch einen Karriereknick, denn vor allem die internationalen Duelle hatte der Weltenbummler Nsaliwa geliebt. Eines seiner ersten Länderspiele machte er übrigens 2003 in Wolfsburg gegen Deutschland. 1:4 verloren die Kanadier, Nsaliwa stand 80 Minuten auf dem Feld und tauschte nach dem Match das Trikot mit Torsten Frings. Für Deutschland um Teamchef Rudi Völler trafen damals Fredi Bobic, Carsten Ramelow, Paul Freier und Tobias Rau. Sie alle spielen kein Fußball mehr. Tam Nsaliwa momentan auch nicht, aber der Neu-Moselaner will es im Winter wieder wissen. Egal wo.

Von unserem Redakteur

Michael Bongard

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