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Bancé: Aufgewühlte Seele, gereizte Knie

Aristide Bancé spielt nicht mehr für den FSV Mainz 05. Eine Woche vor dem Bundesligastart hat der Klub seinen Torjäger, seinen wichtigsten Stürmer verloren. Eine Kultfigur. Ein physisch enorm präsenter Hüne, den die Fans am Bruchweg geliebt haben...

Bancé: Aufgewühlte Seele, gereizte Knie
Der spektakulärste Verkauf in der 05-Geschichte: Eine Woche vor dem Bundesligastart hat sich Torjäger Aristide Bancé nach Dubai verabschiedet.
Foto: Bernd Eßling

Mainz – Aristide Bancé spielt nicht mehr für den FSV Mainz 05. Eine Woche vor dem Bundesligastart hat der Klub seinen Torjäger, seinen wichtigsten Stürmer verloren. Eine Kultfigur. Ein physisch enorm präsenter Hüne, den die Fans am Bruchweg geliebt haben ob seiner ebenso mannschaftsdienlichen wie spektakulären Spielweise.

Der überraschende Wechsel von Aristide Bancé zum FC Al-Ahli Dubai wird nachhallen. Den Verantwortlichen des FSV Mainz 05 war von Anfang an klar, dass diese Entscheidung, den Torjäger zu diesem ungünstigen Zeitpunkt ziehen zu lassen, in der Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar, kaum darstellbar sein würde. Es handelte sich um eine klassische Güterabwägung: hart bleiben und einen zum Wechsel wild entschlossenen, vom Geld verführten, emotional aufgewühlten, im Kopf instabilen, von der Familie unter Druck gesetzten Stürmer mit wackligen Kniegelenken zur Vertragserfüllung zwingen – oder den klaren Schnitt machen und die Werthaltigkeit des Spielers auf dem Markt wenigstens noch in ein halbwegs gutes Geschäft umsetzen?

Ein Problemkreis mit vielen Facetten. Knieprobleme hatte Aristide Bancé schon zu seinen Zeiten bei den Offenbacher Kickers. Schon dort musste er ab und an eine Trainingseinheit sausen lassen. In dieser langen Sommervorbereitung am Bruchweg hat der 25-Jährige überhaupt nicht mehr konstant trainiert. Ständig klagte er über Schmerzen. Sein Trainings- und Wettkampfrückstand ist immens. Schmerzen sind subjektiv. Zuletzt pochte der Mittelstürmer vehement darauf, den Bundesligabelastungen nicht mehr gewachsen zu sein.

Ab sofort kickt der Stürmer aus Burkina Faso in Dubai. Fünf Millionen Euro netto soll der Torjäger dort im Vertragszeitraum von vier Jahren verdienen. Das alleine schon wäre Grund genug, den milliardenschweren Scheichs die Ehre zu geben. Dass bei 45 Grad im Schatten bei Al-Ahli nur einmal am Tag, und das nach Sonnenuntergang, trainiert wird, macht dieses Spitzengehalt noch wertvoller. Und den dauergereizten Kniegelenken wird diese Schonhaltung auch gut tun.

Dass Bancé fortan in einer Schoppenliga kickt, dass sich der 25-Jährige, der eigentlich seine beste Zeit noch vor sich haben sollte, vom Leistungsfußball verabschiedet hat, das mag unverständlich sein, letztlich ist das ausschließlich eine Sache des Spielers.

Einen dritten Entscheidungsweg gab es in dieser Gemengelage nicht. Bancé für ein Jahr ausleihen? Ein großes Risiko. Niemand kann heute sagen, in welche Richtung sich die lädierten Kniegelenke entwickeln. Wird es noch schlimmer? In diesem Fall könnte der Klub im Nachgang nie mehr eine Millionenablöse erzielen.

Unwägbarkeiten bleiben. Vielleicht erholt sich der Hüne in Dubai, wo er den Medizincheck am Samstag problemlos bestanden hat (wie intensiv diese Prüfung sich gestaltet hat, wissen wir nicht). Vielleicht ballert Bancé in der Scheich-Liga 45 Tore und wechselt in einem Jahr für eine Ablöse von 12 Millionen zum AC Mailand... Dann werden sich die 05er getäuscht fühlen.

Dass Bancé wechselwillig war, dass er mehr, viel mehr Geld verdienen wollte mit seinem Beruf, daraus hat der eigenwillige Afrikaner, der aus ärmsten Verhältnissen stammt, nie ein Hehl gemacht. Fünf, sechs, sieben Tore in dieser Vorrunde, und spätestens im Winter hätte es neue Spekulationen gegeben. Und im Sommer 2011 hätte sich am Bruchweg eh niemand mehr gegen einen Transfer gestemmt: Bancés Vertrag hätte 2012 geendet, er hätte dann ablösefrei wechseln können. Das hätte sich sich ein Klub wie Mainz 05 gar nicht leisten können.

Nun ist diese tickende Bombe entschärft. Ganz schlecht ist zweifellos der Zeitpunkt. Eine Woche vor dem Bundesligastart, nach einer – abgesehen vom Ausfall von Stammkeeper Heinz Müller – glänzend verlaufenen Vorbereitung. Die einstudierten taktischen Prinzipien, abgestellt auf den großräumig operierenden und torgefährlichen Zielstürmer Bancé, sitzen. Seit Samstag hat diese Mannschaft dort vorne ein großes schwarzes Loch. Das ist kein Affront gegen Neuzugang Sami Allagui (24), auch nicht gegen Adam Szalai (22) oder Petar Sliskovic (19). Bei diesem Trio handelt es sich um Entwicklungsspieler, die auf diesem hohen Niveau Teileinsatzzeiten bekommen können, die Bundesliga-Abwehrreihen erschrecken können sie definitiv noch nicht.

Bancé war auch gar nicht der reine Torjäger. 14 Zweitligatreffer und zehn Bundesligatore, das war eine nette Bilanz, aber sicher keine außergewöhnliche. Der 1,93 Meter hohe Hüne hat mit seinen (nicht selten spektakulären) Toren oft Spiele entschieden. Das war ein besonderer Wert. Dazu kamen seine Stärken in der Ballbehauptung, in der physischen Präsenz, in der Zweikampfwucht, in der nie erlahmenden Laufbereitschaft, in den Luftkämpfen. Dazu kamen seine defensiven Stärken im Angriffspressing und in der Abwehr von gegnerischen Standards. Dieses Paket machte Bancé zu einem in der Bundesliga geachteten und vor allem extrem gefürchteten Mittelstürmer. Die gegnerischen Trainer und Abwehrspieler hatten immensen Respekt vor diesem körperlich beeindruckenden, willensstarken Brummer.

Man wird sich von dem Gedanken lösen müssen, dass irgendwo ein ähnlicher Typ herumläuft, der nur auf ein Angebot von Mainz 05 wartet – und auch noch bezahlbar ist in den Grenzen des Mainzer Etats. Das oben beschriebene Paket wird auf dem Weltmarkt gehandelt mit Ablösesummen von fünf Millionen aufwärts. Dazu kommt, dass die 05er in der Gefahr stehen, in dieser Notlage – zwei Wochen vor Transferschluss – von den abgebenden Vereinen erpresst zu werden. Nach dem Motto: Da ist Geld auf dem Konto, und die Mainzer stehen enorm unter Qualitäts- und Zeitdruck. Der 05-Manager wird, davon darf man ausgehen, vorbereitet gewesen sein.

Reinhard Rehberg

Mainz 05
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