40.000
Aus unserem Archiv

WM-Kolumne zu zentralen Figuren in WM-Endspielen: Zeit für Helden – und Buhmänner

Jochen Dick

Am Sonntagabend ist Deutschland also kein amtierender Fußball-Weltmeister mehr. Das Team aus Frankreich oder die Mannschaft aus Kroatien wird den Pokal in den Moskauer Himmel recken, und es wird wieder Helden geben sowie tragische Figuren, vielleicht sogar Buhmänner. Nimmt ein Spieler irgendeine besondere Rolle in einem Weltmeisterschaftsfinale ein, verfolgt ihn das auf Jahre.

Jochen Dick.
Jochen Dick.

So dürften die deutschen Torhüter Toni Schumacher und Oliver Kahn noch quälende Erinnerungen an ihre Patzer von 1986 und 2002 heimsuchen, der Italiener Roberto Baggio mag noch die eine oder andere schlaflose Nacht wegen seines verschossenen Elfmeters 1994 haben. Für die Deutschen Helmut Rahn (1954) und Mario Götze (2014) wurden ihre Siegtreffer eher zur Last, blickt man auf ihre Lebensläufe nach den Endspielen. Und Marco Materazzi, Nigel de Jong sowie Christoph Kramer werden fast nur auf eine Szene reduziert: Italiens Materazzi auf seine Provokation gegen Frankreichs Zinedine Zidane und dessen folgender Tätlichkeit (2006); der Holländer De Jong auf seinen ungestraften Kung-Fu-Tritt gegen Spaniens Xabi Alonso (2010); Christoph Kramer auf seinen 31-Minuten-Einsatz – der DFB-Spieler war 2014 nach einem Zusammenprall nicht mehr Herr seiner Sinne und fragte den Schiedsrichter: „Ist das hier das WM-Finale?“

So wird auch das Endspiel am Sonntag Helden und tragische Figuren hervorbringen. Franzosen wie Kroaten sei hier eine Statistik mit auf den Weg gegeben: Acht der zehn vergangenen Finals gewann die Mannschaft, die den Führungstreffer erzielte. Es lohnt sich also, das erste Tor zu schießen.

E-Mail an den Autor: jochen.dick@rhein-zeitung.net

Analysen, Kolumnen und Kommentare
Meistgelesene Artikel