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    Berlin/Rheinland-Pfalz

    Mainzer Politologe: Kanzlerkandidat Schulz ist ein Volltreffer

    Mit dem früheren EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz als Kanzlerkandidaten und künftigem Parteichef hat die SPD „als geradezu gelähmte Partei“ den richtigen Coup gelandet, meint der Mainzer Politikwissenschaftler und Wahlforscher Thorsten Faas im Interview mit unserer Zeitung.

     

    Martin Schulz beschert der SPD vielerorts neue Mitglieder.
    Martin Schulz beschert der SPD vielerorts neue Mitglieder.
    Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

    Wie erklären Sie sich das Phänomen und die plötzliche Euphorie um Martin Schulz, der nicht nur seine Partei begeistert?

    Es zeigt zwei Dinge: dass die SPD wohl doch noch mehr Potenzial in der deutschen Wählerschaft hat, als wir das auf Basis ihrer Umfragedaten der jüngeren Vergangenheit vermutet haben, dass aber die Partei geradezu gelähmt war. Mit dem Coup – zumindest für die Öffentlichkeit war es ja ein solcher –, Martin Schulz zu nominieren, scheint sich das jetzt geändert zu haben.

    Ist es nur das „neue Gesicht“, obwohl Martin Schulz ja auch schon lange zum europäischen Establishment gehört?

    Innenpolitisch ist er sicher ein neues Gesicht, der zumindest in den ersten Tagen seit seiner Nominierung sehr offen und offensiv aufgetreten ist. Politik ist für viele Menschen in ihrem Alltag nicht immer in den Details präsent – insofern ist Martin Schulz „neu“.

    Was bedeutet dieser SPD-Hoffnungsträger mit dem Charme des Neuen für die langjährige Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel?

    Sie wird sich die aktuellen Zahlen sehr genau anschauen. Eigentlich müsste sie – das kennen wir aus Bundesländern, aber auch vom Bund – als Amtsinhaberin klar vor ihrem Herausforderer liegen. Dass Schulz jetzt an ihr vorbeigezogen ist, zeigt zumindest, dass es auch für Merkel und die Union keine Garantien auf Erfolg mehr gibt.

    Kann der Schub, den Schulz jetzt der SPD gibt, bis zur Bundestagswahl anhalten?

    Das ist wohl die Masterfrage gerade – Strohfeuer oder Momentum. Die vielen Umfragen, die wir gerade erleben, stützen erst einmal Letzteres und geben der SPD damit zusätzlichen Aufwind. Ob das aber für acht Monate so bleiben kann? Es ist noch ein langer Weg.

    Für welche innenpolitischen Inhalte der neue SPD-Spitzenmann Schulz steht, ist noch wenig bekannt. Sind Fakten in der postfaktischen Welt nicht mehr so wichtig, oder verströmt er ein plötzliches Urvertrauen in einen Politiker?

    Die Frage ist doch: Muss es wirklich immer um kleinteilige Details gehen, wollen wir uns wirklich alle im Detail für alles interessieren? Oder geht es nicht um die großen Linien und die Köpfe, denen wir vertrauen? Sicherlich wird sich auch Martin Schulz noch in die Tiefen der Innenpolitik hier und da einarbeiten müssen, aber am Ende wird es um Personen und Richtungen gehen, nicht um Details.

    Warum ist Parteichef Sigmar Gabriel gescheitert? Warum trauten ihm die Sozialdemokraten einfach nicht zu, einen erfolgreichen Wahlkampf zu führen?

    Letztlich war es die ihm zugeschriebene Sprunghaftigkeit (und daraus abgeleitet die geringe Glaubwürdigkeit) – das war einfach keine Basis für einen Wahlkampf.

    Die Fragen stellte unsere Redakteurin Ursula Samary

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